RSS

Tanz der Vampire – Grusel-Geniestreich zum Grinsen

30 Okt

Tanz_der_Vampire-Cover

Dance of the Vampires

Von Volker Schönenberger

Horrorkomödie // Dieser wunderbare Tanz der Vampire! Die Blutsauger um ihren Herrn und Meister Graf von Krolock (Ferdy Mayne) vollführen auf dem Schloss des Fürsten in barocker Kostümierung ein Menuett. Unbemerkt unter ihnen: Professor Abronsius (Jack MacGowran) und dessen Assistent Alfred (Regisseur Roman Polanski), die ins Schloss eingedrungen sind, um Sarah (Sharon Tate) zu befreien, die Tochter des Gastwirts, in die Alfred rettungslos verliebt ist. Die Maskerade der beiden Vampirjäger fliegt jedoch auf, als sich die Tanzenden einem großen Spiegel nähern und darin nur die drei Nicht-Vampire Abronsius, Alfred und Sarah zu sehen sind.

tanz_der_vampire-5

Graf von Krolock schlägt zu

Vom großen Finale zurück zum Anfang der Geschichte, die zeitlich etwa Mitte des 19. Jahrhunderts angesiedelt ist: Aufgrund gewagter Verlautbarungen zum Vampirismus musste Abronsius seine Professur in „Kurnigsburg“ (gemeint ist offenbar die Universität von Königsberg) zurückgeben. Auf der Suche nach den blutgierigen Kreaturen der Nacht hat es ihn und Alfred ins bitterkalte Herz von Transsylvanien verschlagen. Der Gasthof, in dem die beiden unterkommen, liefert ihnen sogleich einen Hinweis, dass sie dem Ziel ihrer Suche ganz nah sind: Ganz viel Knoblauch hängt von Wänden und Decken. Bald darauf schlägt der Obervampir zu: Graf von Krolock dringt über eine Dachluke ins Badezimmer ein und entführt die schöne Gastwirts-Tochter Sarah (Sharon Tate). Ihr verzweifelter Vater Shagal (Alfie Bass) bricht alsbald auf, seine Tochter zu retten, wird aber kurz darauf steifgefroren, blutleer und mit zahlreichen Vampirbissen übersät im Dorf aufgefunden.

tanz_der_vampire-2

Professor Abronsius (r.) instruiert seinen Assistenten

Immerhin sind Abronsius und Alfred furchtlose Vampirkiller, wie schon der US-Verleihtitel von „Tanz der Vampire“ besagt: „The Fearless Vampire Killers or Pardon Me, But Your Teeth Are in My Neck“. Alfred allerdings ist nur so eine Art von furchtlos – jene Art, die mit großer Furcht einhergeht. Abronsius hingegen ist ein spleeniger Gelehrter, recht tollpatschig und vor allem naiv, was die Gefahr angeht, in die er sich begibt. Diesem wunderbaren Duo folgt man nur zu gern auf der Suche nach den Vampiren und der holden Sarah durch die Karpaten, erst recht, da die Kulissen so wunderbar gestaltet sind. Die Außenaufnahmen entstanden in den Dolomiten, wobei die Darsteller im Studio agierten und beides per Rückprojektion zusammengeführt wurde. Auch die fantasievollen Kostüme bereiten durchweg Vergnügen.

tanz_der_vampire-6

Beim Pfählen stellt sich Alfred nicht sehr geschickt an

Parodien gelingen oft dann am besten, wenn sie das persiflierte Objekt nicht missgünstig verhohnepiepeln, sondern liebevoll durch den Kakao ziehen. Mit „Tanz der Vampire“ beweist Roman Polanski, wie sehr er das von Bela Lugosi, Christopher Lee & Co. geprägte klassische Vampirgenre schätzt. Die beiden ungelenken Helden bewegen sich zielsicher von einer skurrilen Situation zur nächsten – Slapstick kommt dabei nicht zu kurz. Wenn sich Alfred der Avancen des lüsternen Grafensohns Herbert von Krolock (Iain Quarrier) erwehren muss, der nicht nur auf Alfreds Blut scharf ist, kommt man aus dem Grinsen kaum noch heraus. Herberts Biss ins Buch, Alfreds Flucht auf der Empore einmal rund um den Saal zurück in Herberts Arme – köstlich. Bei einer Verfolgungsjagd kommen Skier zum Einsatz. Später wird ein Sarg von Koukol (Terry Downes), dem Buckligen, als Schlitten zweckentfremdet – Wintersport im Vampirfilm, was will man mehr? Da hatte Polanski keine Hemmungen, seinen sportlichen Vorlieben zu huldigen.

tanz_der_vampire-3

Die schöne Sarah hat es dem jungen Vampirjäger angetan

Wer des Englischen ausreichend mächtig ist, greife zur Original-Sprachfassung, da in der deutschen Synchronisation einige intelligente Feinheiten und Anspielungen verlorengegangen sind. Unbegreiflich erscheint, weshalb der Film bislang weder in Deutschland, noch in den USA oder Großbritannien auf Blu-ray erschienen ist, wohl aber in Spanien und Frankreich. Höchste Zeit für eine schöne Edition, Warner! Viel besser als „Tanz der Vampire“ kann man Horrorkomödien nicht inszenieren.

tanz_der_vampire-7

Alfred wiederum hat es dem Vampir Herbert angetan

Roman Polanski bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Tanz der Vampire (1967)
Der Ghostwriter (2010)
Venus im Pelz (2013)

tanz_der_vampire-4

In trügerischer Sicherheit

Veröffentlichung: 4. Februar 2006 als DVD (SZ-Cinemathek), 29. Oktober 2004 als DVD

Länge: 107 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Spanisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch für Hörgeschädigte, Spanisch u. a.
Originaltitel: Dance of the Vampires
Alternativtitel: The Fearless Vampire Killers
USA/GB 1967
Regie: Roman Polanski
Drehbuch: Gérard Brach, Roman Polanski
Besetzung: Jack MacGowran, Roman Polanski, Alfie Bass, Sharon Tate, Jessie Robins, Ferdy Mayne, Iain Quarrier, Terry Downes, Fiona Lewis, Ronald Lacey, Sydney Bromley
Zusatzmaterial: Original-Dokumentation „Tanz der Vampire – Vampire 101“ (10:20), US-Kinotrailer
Vertrieb: Warner Home Video

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2004 Warner Home Video

Advertisements
 

Schlagwörter: , , , , , , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: