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Sie nannten ihn Jeeg Robot – Italienischer Superheld

02 Feb

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Lo chiamavano Jeeg Robot

Von Andreas Eckenfels

Fantasy-Thriller // Alljährlich wird auf dem Fantasy Filmfest der „Fresh Blood“-Award vergeben, der Publikumspreis für den besten Erstlingsfilm. 2016 entschieden sich die Zuschauer für den hervorragenden „Under the Shadows“, dem britischen Oscar-Beitrag für den besten fremdsprachigen Film. Knapp dahinter auf Platz zwei landete „Sie nannten ihn Jeeg Robot“. Regisseur Gabriele Mainetti wird sich über diese Würdigung des Genre-Publikums sicher ebenso freuen wie über die sieben Davids – der wichtigste Filmpreis Italiens –, die er für sein Debütwerk gewann.

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Der Kleinkriminelle Enzo …

Für ihre große Auswahl an furchteinflößenden Horrorfilmen, blutigen Spaghetti-Western oder spannenden Gialli sind unsere südeuropäischen Nachbarn vom Stiefel bestens bekannt. Ein Superheldenfilm aus Italien ist mir bislang aber nicht untergekommen – falls es weitere gibt, nennt diese gern per Kommentar! Doch Mainetti springt nicht einfach auf den aktuellen Hype auf, um schnell mal Kasse zu machen. Obwohl er eine klassische Origin-Story erzählt, erinnert „Sie nannten ihn Jeeg Robot“ weniger an die bombastischen Abenteuer der Marvel- und DC-Helden, sondern eher an Anti-Superhelden-Filme wie „Kick-Ass“ (2010) oder „Super“ (2010). Dabei geht es aber weniger kunterbunt als in erstgenanntem und weniger übermäßig gewalttätig als im zweiten zu. Der bodenständige Enzo Ceccotti (Claudio Santamaria) ist auch kein Möchtegernheld – als Jeeg Robot verfügt er im Gegensatz zu seinen Kollegen im Geiste über echte Superkräfte.

Vanillepudding und Pornos

Wie Enzo seine übermenschlichen Kräfte erhält, wird wunderbar beiläufig erzählt. Auf der Flucht vor der römischen Polizei springt der Kleinkriminelle kurzentschlossen in den Tiber. Im Wasser landet er in einem von mehreren illegal abgeladenen Fässern mit radioaktivem Abfall. Erst zu Hause bemerkt Enzo, zu welchen Dingen er nun fähig ist. Nachdem er in seine Tür ein Loch gehauen und den Heizkörper zerlegt hat, macht er das, was jeder Verbrecher mit extremer Muskelstärke machen würde: Er reißt einen Bankautomaten mit bloßen Händen aus der Halterung und deckt sich sogleich mit reichlich Vanillepudding und Pornofilmen ein. Der Abend ist gerettet.

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… verfügt plötzlich über außergewöhnliche Kräfte

Doch seine Tat bleibt nicht lange unerkannt. Das Video mit dem Geldautomaten wird zum Internethit. Schon bald befindet sich Enzo im Mafiakrieg des narzisstischen Zingaro (Luca Marinelli) zwischen den Fronten. Außerdem muss er sich um Alessia (Ilenia Pastorelli) kümmern, die Tochter seines verstorbenen Freundes. Die hübsche, aber etwas durchgeknallte junge Frau sieht in Enzo den leibhaftigen Jeeg Robot – den Superhelden aus ihrer Lieblings-Mangaserie.

Duell beim Derby

„Sie nannten ihn Jeeg Robot“ ist kein lauter Crowdpleaser geworden, in dem es ohne Ende scheppert und kracht. Mainetti lässt es ruhig angehen und überzieht das Geschehen mit einem Hauch Melancholie und hintersinnigem Humor. Seine Geschichte über den Verlierertypen, der zum unfreiwilligen Helden mutiert, ist fest in der Ewigen Stadt verankert, vollgestopft mit skurillen Typen, und könnte auch wie ein normaler Gangsterfilm funktionieren – wenn eben eine der Figuren nicht über außergewöhnliche Kräfte verfügen würde. Dazu spielt der Regisseur herrlich frech mit festgefahrenen Superheldenklischees, kommt fast ohne große Spezialeffekte aus und streut immer wieder eine kleine Portion Wahnwitz in die Handlung ein.

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Alessia bringt Enzo bei, wie man sich als echter Superheld zu verhalten hat

Neben Hauptdarsteller Claudio Santamaria, der in Italien passenderweise die Synchronstimme von Christian Bales Batman in Christopher Nolans Fledermaus-Trilogie spricht, und der herzigen Ilenia Pastorelli, darf sich Luca Marinelli als schmieriger Gangsterboss besonders austoben. Er gerät schnell in Rage, will eine Karriere als Sänger starten und – wie ein echter Comic-Bösewicht – auch über die gleichen Superkräfte wie Enzo verfügen. Am Ende kommt es zum unausweichlichen Duell. Typisch italienisch findet dies am Rande des Fußball-Derbys zwischen Lazio und AS Rom statt.

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Bald wird Gangsterboss Zingaro auf Jeeg Robot aufmerksam

Veröffentlichung: 3. Februar 2017 als Collector’s Edition Mediabook (Blu-ray und DVD), Blu-ray und DVD

Länge: 112 Min. (Blu-ray), 108 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Italienisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Lo chiamavano Jeeg Robot
IT 2015
Regie: Gabriele Mainetti
Drehbuch: Nicola Guaglianone, Menotti
Besetzung: Claudio Santamaria, Luca Marinelli, Ilenia Pastorelli, Stefano Ambrogi, Maurizio Tesei, Francesco Formichetti, Daniele Trombetti, Joel Sy
Zusatzmaterial: Originaltrailer, Trailershow, Wendecover. Nur Collector’s Edition: Booklet mit Interview mit Gabriele Mainetti, Hinter den Kulissen, Storyboard, Proben der Schauspieler, Deleted Scenes, Videoclip, Outtakes, Trailer, Kurzfilm „Tiger Boy“ von Gabriele Mainetti
Vertrieb: Edel Germany

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels

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Jeder Held braucht eine Maske

Fotos & Packshots: © 2017 Pandastrom Pictures

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