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Der Mann mit den Röntgenaugen – Fataler Forscherdrang aus dem Hause Corman

01 Feb

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Von Volker Schönenberger

SF-Horror // Gleich zu Beginn sehen wir ein Auge, das in einem Glasbehälter in einer Flüssigkeit schwimmt. Nein, es handelt sich nicht um eine Speisung im Dschungelcamp, sondern um Roger Cormans 1963er-Regiearbeit „Der Mann mit den Röntgenaugen“ mit Ray Milland („Lebendig begraben“). Wie so oft produzierte Corman auch.

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Das menschliche Auge – beschränkt in seinen Fähigkeiten

Wie so oft im SF-Horror der 50er- und 60er-Jahre geht es um die Hybris der Wissenschaft und die Gefahren, die sie heraufbeschwört. Nur die Götter sehen nun mal alles sagt der Augenarzt Dr. Sam Brant (Harold J. Stone) zu seinem Freund und Kollegen Dr. James Xavier (Ray Milland), dessen Augen er gerade untersucht hat. Dessen Antwort: Ich bin dabei, mich den Göttern zu nähern. Xavier ist besessen davon, die Sehkraft der Menschen radikal zu erweitern, denn – so erfahren wir – die Reichweite des menschlichen Auges beträgt zwischen 4.000 und 7.800 Angström-Einheiten. Weniger als ein Zehntel des Wellenspektrums, wie der Forscher feststellt. Das will er mit einem von ihm entwickelten Serum ändern.

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Dr. Xavier (r.) will das ändern

Ein Versuch an einem Affen endet für das Tier tödlich – Herzversagen. Hat der Affe etwas Schreckliches gesehen oder konnte sein Gehirn nur das Aufgenommene nicht verarbeiten? Egal, unter Mithilfe von Dr. Brant wagt Xavier den Selbstversuch – mit Erfolg: Er kann durch ein Blatt Papier hindurch lesen, was auf einem darunter liegenden Papier steht, entdeckt, dass unter Dr. Brants Krawatte ein Hemdknopf fehlt und sich unter dessen Kittel einen Stift im Hemd befindet. Wie der Affe hat auch Xavier Probleme, das Gesehene zu verarbeiten. Aber er will mehr. Doch trotz der Fürsprache seiner Kollegin Dr. Diane Fairfax (Diana Van der Vlis) werden ihm Forschungsgelder gestrichen.

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Der Forscher hat Erfolg, wie er auch auf einer Party nur zu deutlich merkt

„Der Mann mit den Röntgenaugen“ vermeidet glücklicherweise die Versuchung, sich in naheliegenden Schlüpfrigkeiten zu ergehen, die entstehen, wenn jemand durch Kleidung hindurchsehen kann. Eine solche Szene gibt es natürlich: Auf einer Party entdeckt Xavier beim Tanz die diesbezüglichen Vorzüge seiner neuen Gabe. Die Sequenz ist aber charmant und mit der für die 60er-Jahre gebotenen Züchtigkeit in Szene gesetzt. Auch wenn der Forscher fortan konsequent durch Kleidung hindurchsieht, bleiben wir von einer Parade der Nackedeis verschont – sie würde die voranschreitende Düsternis der Story auch konterkarieren.

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Als Mörder gejagt, mutiert er zur Jahrmarktsattraktion

Die Wirkung des Serums auf Dr. Xaviers Augen bekommen die Zuschauer mittels subjektiver Kamera zu sehen, die das Gezeigte mit einem „Spectarama“ genannten Verfahren durchaus effektvoll verfremdet. Eine Auseinandersetzung endet mit einem tödlichen Unfall – vielleicht die schlechteste Szene des Films. Nun als Mörder gejagt, verbirgt sich Xavier als Jahrmarktattraktion auf einem Rummelplatz. Der logischen Weisheit letzter Schluss ist das nicht gerade, bringt aber ein paar unterhaltsame Momente mit sich. Seine Prämisse führt „Der Mann mit den Röntgenaugen“ zu einem konsequenten Ende, weshalb er als einer von Roger Cormans besten Filmen gilt. Das liegt nicht zuletzt an Ray Millands Präsenz, die von ihm verkörperte Titelfigur muss für ihren ungezügelten Forscherdrang bitter bezahlen, die Tragik wird dank Milland jederzeit nachvollziehbar.

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Was sieht Xavier?

Anolis Entertainment hat „Der Mann mit den Röntgenaugen“ bereits 2013 als Teil der Reihe „Die Rückkehr der Galerie des Grauens“ auf DVD veröffentlicht. Wie bei der Reihe üblich, ist die DVD mittlerweile vergriffen und wird auf dem Sammlermarkt zu hohen Preisen gehandelt. 2015 folgte eine Blu-ray im Softcase, sie wurde 2016 in zwei limitierten Hartboxen neu aufgelegt. Schön für Sammler von Hartboxen, die handelsübliche Softcase-Blu-ray ist aber auch völlig in Ordnung. Das Bonusmaterial der Blu-ray ist eher bescheiden, was aber nichts an der Qualität mit feinem Bild und Ton ändert. Das mag auch mit Lizenzvereinbarungen begründet sein, es gehört aber offenbar zur Anolis-Veröffentlichungspolitik, limitierten Erstveröffentlichungen die Wertigkeit zu erhalten, indem darauf befindliches Bonusmaterial späteren Neuauflagen oder nachgeschobenen Blu-ray-Auflagen vorenthalten wird. Nachvollziehbar und fair. Schön, dass es Label gibt, die uns solche Preziosen klassischen SF-Horrors mit seriösem Geschäftsgebaren zugänglich machen.

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Nichts Gutes jedenfalls

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Roger Corman sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Veröffentlichung: 18. November 2016 als Blu-ray in zwei auf jeweils 111 Exemplare limitierten Hartboxen, 16. Oktober 2015 als Blu-ray, 25. Oktober 2013 als DVD (im Rahmen der Reihe „Die Rückkehr der Galerie des Grauens“)

Länge: 79 Min. (Blu-ray), 76 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: X
USA 1963
Regie: Roger Corman
Drehbuch: Robert Dillon, Ray Russell
Besetzung: Ray Milland, Diana Van der Vlis, Harold J. Stone, John Hoyt, Don Rickles
Zusatzmaterial: deutscher und englischer Trailer, Werbeflyer, Bildergalerie, nur DVD: Audiokommentar von Roger Corman, Audiokommentar von Ingo Strecker und Robert Zion, 12-seitiges Booklet
Vertrieb: Anolis Entertainment GmbH

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

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Fotos & Packshots: © Anolis Entertainment GmbH

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