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Michael Cimino (II) / Clint Eastwood (XVII): Die Letzten beißen die Hunde – Rumtreiber auf Raubzug

25 Mai

Thunderbolt and Lightfoot

Von Simon Kyprianou

Krimikomödie // Schaut man die Filme von Michael Cimino, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, Cimino verstehe sich als Chronist der jüngeren Geschichte der USA: In seinem berüchtigten Western „Heaven‘s Gate“ (1980) beleuchtet er die Entstehung der modernen Gesellschaft; mit „Die durch die Hölle gehen“ (1978) dreht er einen Heimatfilm über den Vietnamkrieg; in „Im Jahr des Drachen“ (1985) und „Die Letzten beißen die Hunde“ (1974) erforscht er die Spätfolgen und gesellschaftlichen Auswirkungen jenes Krieges.

Schule abgerissen, Beute futsch

Der Dieb Thunderbolt (Clint Eastwood) und der Rumtreiber Lightfoot (Jeff Bridges) treffen sich zufällig, als Thunderbolt von seinen alten Kumpanen (George Kennedy, Geoffrey Lewis) verfolgt wird, die er um die Beute eines früheren Raubzugs betrogen hat. Lightfoot hilft ihm bei der Flucht, die beiden werden Freunde. Gemeinsam wollen sie die Beute des Raubzugs aus Thunderbolts Versteck – einer alten Schule – holen, aber das Gebäude wurde mittlerweile abgerissen, das versteckte Geld ist futsch. So irren die beiden Freunde mehr oder weniger ziellos durchs Land, immer verfolgt von den geprellten Komplizen. Als diese die beiden schließlich stellen, beschließen die vier, trotz gegenseitiger Feinseligkeiten einen neuen Diebeszug zu machen.

Ciminos Film lässt sich strukturell ebenso frei treiben wie seine beiden Protagonisten, die ziellos und ohne Perspektive durch das Land streunen und nach einem Nutzen, nach einem Sinn suchen. Zuerst ist „Die Letzten beißen die Hunde“ ein bizarres Roadmovie ohne genaues Ziel, dass sich dann plötzlich und unerwartet zum hochspannenden Heist-Film wandelt.

Die US-Gesellschaft nach Vietnam

Ein Jahr nach dem Abzug der amerikanischen Truppen aus Vietnam entstanden, bilden der Krieg und die damit einhergehenden gesellschaftlichen Spannungen den Hintergrund, vor dem Ciminos orientierungslose Figuren existieren. Es fällt auf, dass es dem Filmemacher oft um Männer geht, die nach dem Krieg orientierungslos weiter existieren. Am Ende von „Die Letzten beißen die Hunde“ sagt Lightfoot im Auto nach dem (mehr oder weniger) geglückten Raub zu Thunderbolt: „You know … you know somethin‘? I don’t think of us as criminals, you know? I feel we accomplished something. A good job. I feel proud of myself, man. I feel like a hero.“ Die Gesellschaft hatte keinen Nutzen, keine Aufgabe mehr für sie, für ihre ganze Generation übrig, also haben sie eine neue Aufgabe für sich gefunden. Durch das erfolgreich über die Bühne gebrachte Verbrechen lässt Cimino seinen Figuren Stolz und Würde zukommen.

Cimino inszeniert sein Regiedebüt – zuvor hat er die Drehbücher zu „Lautlos im Weltraum“ (1972) und „Dirty Harry II – Callahan“ (1973) geschrieben – erstaunlich souverän, obwohl er vor allem narrativ einige Wagnisse eingeht – zu nennen ist etwa der plötzliche Genre- und Tempowechsel. Eastwood – dem Cimino laut eigener Aussage seine Karriere verdankt – äußerte einmal, Cimino müsse das Drehbuch in halluzinatorischem Zustand geschrieben haben, aber Cimino gelingt es, in seiner Inszenierung alle Teile seiner Geschichte zusammenzufügen. Ein starkes Debüt.

Noch keine deutsche Blu-ray

In Deutschland ist „Die Letzten beißen die Hunde“ bislang nur auf DVD erschienen – singularisiert als „Den Letzten beißen die Hunde“. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Michael Cimino oder Clint Eastwood sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Jeff Bridges in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 7. Mai 2007 und 30. Juni 2003 als DVD

Länge: 111 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch
Originaltitel: Thunderbolt and Lightfoot
USA 1974
Regie: Michael Cimino
Drehbuch: Michael Cimino
Besetzung: Clint Eastwood, Jeff Bridges, Geoffrey Lewis, George Kennedy, Gary Busey, Catherine Bach, Jack Dodson, Roy Jenson
Zusatzmaterial: keine Angabe
Vertrieb: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Copyright 2017 by Simon Kyprianou
Packshots: © Twentieth Century Fox Home Entertainment

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