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George A. Romero (IV): Stephen Kings Stark – The Dark Half: Böser Zwilling

25 Jul

The Dark Half

Von Andreas Eckenfels

Horror // „Sad to hear my favorite collaborator – and good old friend – George Romero has died. George, there will never be another like you“, schrieb Stephen King am 16. Juli 2017 in den sozialen Netzwerken, als er vom Tod von George A. Romero erfuhr. Die beiden Horror-Veteranen arbeiteten erstmals bei „Die unheimlich verrückte Geisterstunde“ (1982) zusammen. King steuerte für den Episoden-Horror das erste Drehbuch seiner Karriere bei, die Regie übernahm Romero. 1990 schrieb Romero das Drehbuch zu Kings Kurzgeschichte „Die Höllenkatze“, welches unter der Regie von John Harrison als eine von drei Gruselstücken in „Geschichten aus der Schattenwelt“ (1990) fungierte. Knapp zehn Jahre nach ihrer ersten Kollaboration vertraute der Bestseller-Autor dem Zombie-Vater die Filmadaption seines bis dahin persönlichsten Romans an: „Stark – The Dark Half“, der 1989 mit einer Startauflage von stolzen 1,5 Millionen Exemplaren in den USA erschienen war.

Schriftsteller Thad Beaumont wird von einem Leser erpresst

Zwar ist ein Großteil von Kings Werken autobiografisch gefärbt, aber „Stark – The Dark Half“ nimmt durchaus eine Sonderstellung im umfangreichen Schaffen des Schriftstellers ein. Entstanden ist das Buch zum Ende von Kings Alkohol- und Drogenabhängigkeit. Seine schon im Titel angedeutete „dunkle Hälfte“ konnte seine Frau Tabitha nicht mehr ertragen. Unter ihrem Druck checkte ihr Mann 1987 schließlich in eine Entzugsklinik ein. 1985 wurde außerdem Kings Pseudonym Richard Bachman, unter welchem er unter anderem die Romane „Todesmarsch“ oder „Menschenjagd“ veröffentlicht hatte, von einer Tageszeitung aufgedeckt. Der Autor beerdigte daraufhin kurze Zeit später Bachman öffentlichkeitswirksam und ließ ihn an „Pseudonym-Krebs“ sterben.

Ein Pseudonym wird zu Grabe getragen

Auf ähnliche Weise beerdigt auch Schriftsteller Thad Beaumont (Timothy Hutton) sein literarisches Doppelleben. Gemeinsam mit seiner Frau Liz (Amy Madigan) lässt er sich vor dem Grabstein seines Pseudonyms für eine Zeitung ablichten. Auf diesem ist zu lesen: „George Stark 1985–1991. Not a very nice Guy“. Mit dieser Aktion kommt Thad einem geldgeilen Leser (Robert Joy) zuvor, der ihn mit der Enthüllung seines Alter Egos erpressen wollte. Doch George Stark (ebenfalls Hutton) lässt sich nicht so einfach zu Grabe tragen. Der nicht so nette Typ wird bald quicklebendig und beginnt damit, eine Blutspur hinter sich herzuziehen. Diese führt Sheriff Alan Pangborn (Michael Rooker) direkt zu Thad, der große Probleme damit hat, seine Unschuld zu beweisen.

Thad inszeniert mit seiner Frau Liz ein Begräbnis für sein Pseudonym

George A. Romero hielt sich äußerst eng an die literarische Vorlage, bei der es sich im Grunde um Kings sehr persönliche Version des Doppelgängermotivs aus „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ handelt. Ob Thad Beaumont und George Stark wie im Literaturklassiker von Robert Louis Stevenson ein und dieselbe Person sind oder es doch ein böser Zwilling ist, bleibt zunächst im Dunklen. Im Prolog erfahren wir lediglich, dass Thad als Kind eine schaurige Operation über sich ergehen lassen musste. Dabei wurde ihm ein Tumor entfernt, der sich als verkümmerter Zwilling entpuppte, dessen Überreste noch in Thads Körper steckten und zu wachsen begannen. Diese kurze, schockierende OP-Szene und einige Morde, bei denen George Stark allzu häufig das Rasiermesser schwingt, reichten 1994 aus, um „Stark – The Dark Half“ in Deutschland auf den Index zu setzen. Eine Entscheidung, die man damals wie heute nicht nachvollziehen kann. Romero geht mit den blutigen Effekten äußerst sparsam um, eine Freigabe ab 16 Jahren wäre bei einer Neuprüfung zweifellos angemessen.

Gelungene King-Verfilmung

Die Mischung aus Psycho-Thriller und Horror sorgt für Spannung, auch wenn Romero diese nicht immer über die gesamte Laufzeit aufrechterhalten kann, da auch die Figuren zu schwach ausgearbeitet sind. Der versierten Regie des Horrormeisters ist es dennoch zu verdanken, dass „Stark – The Dark Half“ stets atmosphärisch bleibt und zu den gelungeneren King-Verfilmungen gezählt werden darf. Timothy Hutton überzeugt in seiner Doppelrolle als verzweifelter Familienvater und brutaler Killer, wobei sein Rockabilly-Look doch etwas zu übertrieben daherkommt. Laut Romero war es durchaus ein Gräuel, mit dem Oscar-Preisträger („Eine ganz normale Familie“, 1980) zusammenzuarbeiten. Hutton sei dem Method-Acting zugetan. Dies ließ er auch seine Kollegen spüren, die ihn am Set unter anderem nur mit seinem Figurennamen anreden durften. Seiner Rolle hat es offensichtlich nicht geschadet.

Doch George Stark erwacht zum Leben …

Während die Make-up-Effekte durchaus gefallen, können die künstlichen Sperlinge, von denen im Finale eine Vielzahl benötigt werden, budgetbedingt weniger überzeugen. Dies lässt schon erahnen, dass Romero trotz der enorm erfolgreichen Buchvorlage während des Drehs mit großen Problemen zu kämpfen hatte – wie so häufig in seiner Karriere. Eigentlich war der Film 1990 schon abgedreht, doch aufgrund von Finanzproblemen brachte die Produktionsfirma Orion Pictures „Stark – The Dark Half“ erst 1993 in die Kinos, wo Romeros Werk noch nicht einmal sein Budget von 15 Millionen US-Dollar einspielen konnte.

Vierte Collector’s Edition von OFDb Filmworks

OFDb Filmworks hat „Stark – The Dark Half“ als Nummer 4 in seiner edlen Collector’s-Edition-Reihe im limitierten und nummerierten Digipak erstmals in Deutschland in HD aufgelegt. Sie kommt mit dem schicken Original-Artwork daher und punktet mit einem informativen Booklet sowie umfangreichem Bonusmaterial, welches auch einen exklusiven Audiokommentar von Kai Naumann und Marcus Stiglegger beinhaltet. Eine mehr als würdevolle Veröffentlichung für diese leider letzte Zusammenarbeit der beiden Freunde Stephen King und George A. Romero.

… und bringt Thad und dessen Familie in Gefahr

Stephen King bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Der dunkle Turm (2017)
Es (2017)
11.22.63 – Der Anschlag (2016)
Mercy – Der Teufel kennt keine Gnade (2014)
Stephen King’s A Good Marriage (2014)
Carrie (2013)
Stephen Kings Stark – The Dark Half (1993)
Manchmal kommen sie wieder (1991)
Katzenauge (1985)
Werwolf von Tarker Mills (1985)
Der Feuerteufel (1984)
Christine (1983)
Dead Zone (1983)
Shining (1980, geplant)
Carrie – Des Satans jüngste Tochter (1976)

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von George A. Romero sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Veröffentlichung: 7. Juli 2017 als 3-Disc-Collector’s Edition (Blu-ray & DVD) im auf 2.000 Stück limitierten Digipak, 11. Oktober 2001 als DVD

Länge: 121 Min. (Blu-ray), 116 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK ungeprüft
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Dark Half
USA 1993
Regie: George A. Romero
Drehbuch: George A. Romero, nach dem Roman von Stephen King
Besetzung: Timothy Hutton, Amy Madigan, Michael Rooker, Julie Harris, Robert Joy, Kent Broadhurst, Beth Grant, Rutanya Alda, Tom Mardirosian
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit George A. Romero, Audiokommentar von Kai Naumann und Marcus Stiglegger, „The Directors: George A. Romero“, Making-of „The Sparrows are Flying Again“, Deleted Scenes, Behind the Scenes, Vintage Making-of, Vintage Interviews, Kino-Trailer, TV-Spot, Booklet mit einem Text von Thorsten Hanisch
Vertrieb: OFDb Filmworks

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels

Fotos, Packshot & Produktabbildung: © 2017 OFDb Filmworks

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Eine Antwort zu “George A. Romero (IV): Stephen Kings Stark – The Dark Half: Böser Zwilling

  1. TomHorn

    2017/07/25 at 16:28

    Am Wochenende auch erst wieder gesehen. Ich finde, dass hier die Figuren genau richtig gehandhabt werden für einen Kinofilm ohne Überlänge. Der Fokus muss auf Thad/George liegen, alle anderen werden kurz und passend beschrieben, z.B. seine Verleger (getrennt lebend, gutmütig und etwas zwiegespalten, ihr bestes Pferd zu verlieren), der Sheriff (ungläubig, aber noch freundschaftlich gesinnt; später etwas verstört) und dem Erpresser geht es nur um’s Geld, da braucht’s nicht mehr Motivation. Hätte man versucht, allen mehr Background zu geben, wäre der Film drei Stunden lang und langweiliger oder er wäre wohl inkonsistent, weil die Spannung während des character development arg leiden würde. King kann man halt nur so oder als Mini-Serie verfilmen (seine Kurzgeschichte sind klar ein anderes Thema).

     

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