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Yamato – The Last Battle: Pathetischer Untergang des Stolzes der japanischen Kriegsmarine

23 Sep

Otoko-tachi no Yamato

Von Volker Schönenberger

Kriegsdrama // Am 31. Juli 1985 gab die japanische Kriegsgräberfürsorge die Entdeckung der Überreste der „Yamato“ bekannt. Im August 1999 tauchte eine Filmcrew erneut zum Wrack hinab, das in einer Tiefe von 325 Metern im Pazifik liegt. Mit einer Länge von 263 Metern und einer Höhe von 51 Metern vom Kiel bis zum höchsten Aufbau gilt die „Yamato“ nach wie vor als das weltweit größte je gebaute Schlachtschiff. Mit diesen Informationen beginnt das japanische Kriegsdrama „Yamato – The Last Battle“ von 2005, das sich im Herstellungsland erwartungsgemäß zu einem großen Erfolg an den Kinokassen entwickelte.

Noch ahnen die Soldaten nicht ….

Die „Yamato“ wurde am 16. Dezember 1941 in Dienst gestellt – neun Tage nach dem Angriff auf Pearl Harbor. Sie war in den folgenden Kriegsjahren nur selten in Gefechte verwickelt und sank am 7. April 1945 im Zuge der Operation Ten-gō nach mehrstündigen Attacken amerikanischer Trägerflugzeuge. Nahezu 2.500 Besatzungsmitglieder starben beim Untergang.

In Rückblenden erzählt

Die filmische Aufarbeitung der Ereignisse folgt zu Beginn der jungen Makiko Uchida (Kyôka Suzuki), die versucht, zur Untergangsstelle der „Yamato“ zu gelangen. Sie trifft auf den alten Fischer Katsumi Kamio (Tatsuya Nakadai), der sichtlich ergriffen ist, als er erfährt, dass ihr Vater seinerzeit sein Vorgesetzter war und die beiden gemeinsam auf dem Schlachtschiff gedient haben. In Rückblenden erfahren wir vom Schicksal der jungen Soldaten Katsumi Kamio (Ken’ichi Matsuyama), Mamoru Uchida (Shidô Nakamura) und ihren Kameraden, darunter auch der pflichtbewusste Unteroffizier Shohachi Moriwaki (Takashi Sorimachi, „Fulltime Killer“).

… welches Inferno sie an Bord erwartet

Meine Kenntnisse der japanischen Geschichtswissenschaft sind gleich Null, daher vermag ich nicht zu beurteilen, wie das Land und seine Historiker seine Beteiligung am Zweiten Weltkrieg aufgearbeitet haben. Angesichts der vergleichsweise kritiklosen Darstellung des sinnlosen Sterbens an Bord der „Yamato“ sind Zweifel angebracht, ob eine differenzierte Betrachtung der Ereignisse in die japanische Gesellschaft vorgedrungen ist. Zwar wird die mit harter Hand vorgenommene Aufrechterhaltung der Disziplin an Bord durchaus kritisch dargestellt, letztlich zeichnet „Yamato – The Last Battle“ aber ein einseitiges Bild vom heldenhaften Einsatz der Männer.

Freunde helfen einander

Zugegeben: Die Kriegs-Action ist so mitreißend wie schweißtreibend inszeniert, die Soldaten auf der „Yamato“ sterben blutig und schmutzig. Die Attacken der Flugzeuge und die Einschläge der Granaten und Torpedos haben internationales Niveau – in den Schlachtensequenzen verstummt glücklicherweise der phasenweise allgegenwärtige pathetische Score. Auch heruntergebrochen auf die Figuren funktioniert „Yamato – The Last Battle“ sehr gut. Wir leiden mit ihnen und wünschen ihnen, dass sie überleben – bei den beiden Protagonisten Katsumi Kamio und Mamoru Uchida wissen wir das natürlich von Anfang an. Kurz klingt in der Rahmenhandlung an, wie sehr das Geschehen die beiden mitgenommen und geprägt hat – jedoch zu kurz.

Kriegsdrama nun auf Blu-ray erhältlich

Nachdem „Yamato“ – The Last Battle“ bereits vor einigen Jahren als DVD ohne nennenswertes Zusatzmaterial veröffentlicht worden war, ist der Film nun auch auf Blu-ray und gleichzeitig auch als DVD-Neuauflage erschienen – in beiden Fällen als 2-Disc Special Edition mit zwei interessanten Dokus zur japanischen Militär- und Kriegsgeschichte sowie Making-of und Behind-the Scenes-Featurette. Das geht in Ordnung.

Es scheint kein Entrinnen zu geben

Kriegsdramen aus Fernost sind oft deutlich pathetischer angelegt als Produktionen aus Hollywood und Europa. Wer damit umgehen kann, kommt in den Genuss vieler hochwertiger, mit großen Budgets ins Leben gerufener Produktionen, die jederzeit sehenswert sind. Das gilt bei aller Kritik auch für „Yamato – The Last Battle“. Ein wuchtiges Schlachtengemälde.

Die „Yamato“ ist dem Untergang geweiht

Veröffentlichung: 15. September 2017 als 2-Disc Special Edition Blu-ray und DVD, 14. Februar 2013 als DVD, 25. März 2011 als DVD im Steelbook, 23. Oktober 2009 als DVD

Länge: 143 Min. (Blu-ray), 137 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Otoko-tachi no Yamato
JAP 2005
Regie: Jun’ya Satô
Drehbuch: Jun’ya Satô, nach einem Roman von Jun Henmi
Besetzung: Takashi Sorimachi, Ken’ichi Matsuyama, Shidô Nakamura, Kyôka Suzuki, Tatsuya Nakadai, Yû Aoi, Takahiro, Fujimoto, Jun’ichi Haruta, Ryô Hashizume, Ryûzô Hayashi, Hiroyuki Hirayama, Hirotarô Honda
Zusatzmaterial: Making-of, Behind the Scenes, Trailer, Bonus-DVD mit den Dokumentationen „Japans Flotte bis zur Yamato-Klasse“ & „Krieg im Pazifischen Ozean“
Vertrieb: Studio Hamburg Enterprises (2009er- & 2011er-DVDs: WVG Medien GmbH)

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2017 Studio Hamburg Enterprises / Cult Movies

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