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Torso – Die Säge des Teufels: Billig-Giallo von der Stange

13 Nov

I corpi presentano tracce di violenza carnale

Von Volker Schönenberger

Horrorthriller // In einer italienischen Universitätsstadt vergnügt sich spätabends ein Pärchen im Auto. Im Anschluss an den Höhepunkt bemerken die beiden, dass sie von einem Maskierten beobachtet worden sind. Wutentbrannt springt der Liebhaber aus dem Auto und stürmt dem Voyeur hinterher. Ein Fehler, der das Paar das Leben kostet. Der Serienmörder hat es auf Studentinnen der Kunstgeschichte abgesehen, die er vorzugsweise mit einem Halstuch stranguliert, um sie anschließend fachmännisch mit Messer oder Säge zu zerlegen. Sie alle besuchten auch Vorlesungen des attraktiven Professors Franz (John Richardson).

Der sonderbare Kommilitone

Die US-Gaststudentin Dani (Tina Aumont) verdächtigt bald ihren schrägen Kommilitonen Stefano (Roberto Bisacco). Um sich in Sicherheit zu bringen, reist sie mit ihrer Freundin Jane (Suzy Kendall) und zwei weiteren Studentinnen in eine Villa hoch über der Stadt. Eine trügerische Sicherheit.

Italienisches Exploitationkino mit schönen Frauen, grausamen Morden, eindringenden Klingen und kunstvollen Bildern – das zeichnet im Groben den Giallo aus. „Torso – Die Säge des Teufels“ hat davon reichlich zu bieten – von den kunstvollen Bildern allerdings nicht ganz so sehr. Der Horrorthriller von 1973 gehört zu den billigen Vertretern dieses an billigen Vertretern wohl nicht armen Genres. Mit seinem italienischen Setting und dem Easy-Listening-Soundtrack entfaltet er sogar einen gewissen Reiz, der in Verbindung mit dem reißerischen deutschen Verleihtitel wohl dazu beigetragen hat, dass er es in unserem Sprachraum zu einigen Veröffentlichungen gebracht hat. Allzu oft sieht man die Säge allerdings nicht im Einsatz, blutig genug ist der Streifen dennoch geraten. In ungeschnittener Fassung indiziert, erhielt „Torso – Die Säge des Teufels“ für den regulären Handel eine übel verstümmelte FSK-16-Fassung, von der nur abgeraten werden kann – siehe den Schnittbericht.

Mal wieder nackige Frauen

Es gibt reichlich nackte Haut zu betrachten, natürlich vornehmlich weiblichen Geschlechts. Auch eine lesbische Szene darf nicht fehlen, um die vornehmlich männliche Giallo-Zielgruppe zu vergrößern. Immerhin werden auch einige Kerle dahingemeuchelt. Da ist zum Beispiel der Knilch, der so bescheuert ist, doch tatsächlich einen Mann, den er zu Recht für den Mörder hält, nicht nur zu erpressen, sondern ihn obendrein zur Übergabe des Geldes spätabends an eine einsame Stelle zu beordern. Das gibt Regisseur Sergio Martino („Die weiße Göttin der Kannibalen“, 1978) immerhin Gelegenheit zu einer schönen Mordszene mit einem Auto als Tatwerkzeug. Aber müssen sich Opfer wirklich unbedingt so selten dämlich verhalten?

Die Figuren sind durchweg reißbrettartig entworfen, psychologische Tiefe wird weder beim Täter noch bei den Opfern geboten. Das wäre auch der Erwartungshaltung zu viel gewesen. Ein Erinnerungsfetzen mit einer Puppenmaske muss als Andeutung eines kruden kindlichen Traumas herhalten, das den Killer im Menschen hervorgerufen hat und am Ende auch gezeigt wird, das war es dann aber auch schon. Wer der Mörder ist, kann man sich an den fünf Fingern einer Hand ausrechnen. Dass sein Gesicht während seiner Taten nicht zu sehen ist, ändert daran auch nichts. Für Giallo-Komplettisten mag „Torso – Die Säge des Teufels“ Pflichtprogramm sein, allen anderen Horrorfans dürfte die einmalige Sichtung tunlichst reichen.

Veröffentlichung (geschnitten): 14. Juni 2013 als Blu-ray und DVD

Länge: 77 Min. (Blu-ray), 74 Min. (DVD)
Länge der Uncut-Versionen: 97 Min. (Blu-ray), 90 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16 (Uncut-Version: FSK ungeprüft, juristisch geprüft – strafrechtlich unbedenklich)
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Italienisch
Untertitel: keine
Originaltitel: I corpi presentano tracce di violenza carnale
Internationaler Titel: Carnal Violence
IT 1973
Regie: Sergio Martino
Drehbuch: Ernesto Gastaldi, Sergio Martino
Besetzung: Suzy Kendall, Tina Aumont, Luc Merenda, John Richardson, Roberto Bisacco, Patrizia Adiutori, Luciano Bartoli, Ernesto Colli, Angela Covello, Carla Brait
Zusatzmaterial: keine Angabe
Vertrieb: VZ-Handelsgesellschaft mbH

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Packshot Blu-ray: © 2013 VZ-Handelsgesellschaft mbH

 
 

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8 Antworten zu “Torso – Die Säge des Teufels: Billig-Giallo von der Stange

  1. Lasse Firetrain

    2018/11/02 at 21:19

    Ist ein Klassiker! Und der erste Giallo mit dem direkten Übergang zum klassischen Slasher. Wenn man mal von Mario Bavas „Im Blutrausch des Satans“ absieht

     
    • V. Beautifulmountain

      2018/11/03 at 05:40

      Hab schon mitbekommen, dass viele den in Ehren halten. Bislang hat mir aber niemand vermitteln können, was die besonderen Qualitäten des Films sind.

       
      • Lasse Firetrain

        2018/11/03 at 12:06

        Die vielen heißen Ladies natürlich! 🙂 Okay, die auch, aber der Film ist halt sehr schön fotografiert (und Perugia ist eh wundervoll), die Musik ist grandios und die Morde sind hübsch fies. Und weil „Torso“ eben im letzten Drittel vom Giallo (Morde über die ganze Stadt verteilt) zum Slasher (Morde an einem festen Ort) übergeht. Das macht ihn alles schon zu etwas Besonderem. Natürlich nur in der Uncut-Fassung, versteht sich … Und die besagten Ladies – Himmel, so viele bekommt man selten zu Gesicht. Jamm!

         
      • V. Beautifulmountain

        2018/11/03 at 17:24

        Ah. Die heißen Ladys haben es dir angetan. Verständlich.

        Darf ich fragen, wie du auf meinen Blog gestoßen bist? Über WordPress? Hoffe, dir gefällt meine Schreibe (und die meiner anderen Autoren), auch wenn ich mit TORSO nun nichts anfangen konnte.

         
      • Lasse Firetrain

        2018/11/03 at 17:34

        Ja genau, über WordPress. Ich hatte einfach mal „Giallo“ eingegeben und da stand dann ein Artikel von dir. In meinem Blog habe ich ja auch viel Giallo-Kram drinnen. Vor allem die Ladies! 🙂

         
  2. CineWelt

    2017/11/13 at 17:25

    „Torso“ ist amüsant. Martino muss während des Drehs sicher viel Spaß gehabt haben x)
    Und er geht auch mehr in die Richtung des Slasherfilms, was 1973 sehr revolutionär ist.
    Der Film hat doch auch am Ende einen Fistfight? Klassiker ;D

     
  3. TomHorn

    2017/11/13 at 06:28

    Ah, kein Giallo-Freund, was? Ansonsten würdest Du wohl nicht so abfällig über einen gut geschriebenen und bravourös gefilmten Genre-Klassiker herziehen…

     
    • V. Beautifulmountain

      2017/11/13 at 06:46

      Natürlich mag ich den Giallo. Aber weder sehe ich bei diesem Vertreter ein gutes Skript noch bravouröses Filmen.

       

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