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Blade of the Immortal – Takashi Miikes Jubiläum

13 Feb

Mugen no jûnin

Von Matthias Holm

Historien-Fantasy-Action // 100 Filme. Eine stattliche Leistung, die Herr Miike da seit 1991 hingelegt hat, kein Regisseur unserer Zeit ist wohl produktiver. Dass dabei nicht nur Meisterstücke wie sein „Audition“ (1999) rauskommen, sollte klar sein. Von vergleichsweise konventionellem J-Horror wie „The Call“ (2003) über beinharte Thriller-Grotesken wie „Ichi the Killer“ (2001) bis zu bizarren Fetisch-Trips wie „Gozu“ (2003) deckt der Vielfilmer dabei die ganze Bandbreite japanischer Genrefilme ab. Entsprechend gespannt durfte man sein, als bekannt wurde, dass sich Miike für sein Jubiläum eine Manga-Verfilmung ausgesucht hat – obendrein eine Samurai-Geschichte mit starkem Fantasy-Einschlag. Und auch wenn „Blade of the Immortal“ an manchen Stellen krankt, ist Miike wieder ein launiger Streifen gelungen.

Unsterblicher gegen Schwertkämpfer-Töter

Der Samurai Manji (Takuya Kimura) muss mit einer dunklen Vergangenheit leben. Seinetwegen starb seine Schwester, er selbst wurde zum ewigen Leben verbannt. Eines Tages trifft er auf Rin (Hana Sugisaki). Sie hat nach dem unsterblichen Schwertkämpfer gesucht, da sie sich an dem bösen Anotsu Kagehisa (Sôta Fukushi) und seiner Bande rächen will. Die haben auf ihrem Kreuzzug gegen sämtliche japanische Schwertkampf-Schulen Rins Vater, Meister eines Dojos, brutal ermordet und ihre Mutter vergewaltigt. Manji stimmt zu, Rin bei ihrer Rache zu helfen – auch, da sie ein wenig wie seine verstorbene Schwester aussieht.

Manji stimmt zu …

Auch wenn man aus der Manga-Vorlage ein brutales Schwertkampf-Abenteuer hätte machen können, scheint sich Miike in diesen Belangen über weite Strecken zurückzuhalten. Zwar gibt es auch abgetrennte Gliedmaßen zu betrachten, der ganz große Splatter bleibt aber meist aus. Wenn es allerdings blutig wird, dann ordentlich. Gerade die Anfangs- und die Endsequenz sind eine absolute Augenweide für Fans kompromissloser Martial-Arts-Action. Wenn sich Manji am Anfang gegen 100 Mann durchsetzt, scheint man jede einzelne Tötung mitzubekommen. Dadurch, dass der Anfang in Schwarz-Weiß gehalten wird, erhält dieses Gemetzel eine fast poetische Note. Sobald Manji allerdings unsterblich wird, hält die Farbe Einzug.

Von Level zu Level

Allerdings flacht hier der Film auch merklich ab. Das liegt zum einen an der Story. Einen Manga, der im Deutschen 30 Bände umfasst, auf 141 Minuten einzudampfen, wirft Probleme auf: Mit Ausnahme von Manji bekommt keine Figur sonderlich viel Profil. Gerade Rin, die ein wichtiger Bestandteil der Geschichte ist, bekommt nicht viel mehr zu tun als durch die Gegend zu rennen, sich in Gefahr zu bringen und nach ihrem Beschützer zu rufen. Nervig ist diese fehlende Charakterisierung aber auch bei den Gegnern. An der Ausstattung erkennt man stets, dass bestimmte Figuren wichtig sind, doch sie bekommen keine Zeit, mehr von sich preiszugeben, sie werden schnell bekämpft und verschwinden dann – meist für immer. So entsteht eine Struktur, die stark an die Level eines Prügel-Videospiels wie zum Beispiel „Street Fighter“ erinnert – Einführung, Kampf, nächster Gegner.

… Rin zu beschützen

Zum Glück machen die Inszenierung und die Optik einiges wett, sodass man bis zum Schluss Spaß an dem Geschehen hat. Und wenn es dann zum Showdown kommt, tobt Miike sich richtig aus. Da werden keine Gefangenen mehr gemacht, zwei Männer strecken, mit etwas Unterstützung, eine gesamte Armee nieder, sodass sich kleine, blutige Flüsse bilden. Knapp 30 Minuten schwebt die Kamera stets um das Geschehen, der Kampf scheint nie stillzustehen. Das ist das opulente Kampfkunst-Kino, das dem 100. Film von Miike würdig ist und am Ende bleibt davon mehr im Gedächtnis als von den 90 Minuten zwischen der Anfangsschlacht und diesem Finale. Ob das nun gut oder schlecht ist, möge jeder für sich selbst beurteilen.

Anotsu Kagehisa kennt keine Gnade

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Takashi Miike sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Man hat Respekt vor dem Unsterblichen

Veröffentlichung: 12. Januar 2018 als Blu-ray im Steelbook, Blu-ray und DVD sowie jeweils als Blu-ray und DVD als Teil der „Takashi Miike Box“ (mit „Hara-Kiri – Tod eines Samurai“ und „13 Assassins“)

Zweikampf bis auf den Tod

Länge: 141 Min. (Blu-ray(, 130 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Mugen no jûnin
JAP/GB 2017
Regie: Takashi Miike
Drehbuch: Tetsuya Oishi, nach einem Manga von Hiroaki Samura
Besetzung: Takuya Kimura, Hana Sugisaki, Sôta Fukushi, Hayato Ichihara, Erika Toda, Kazuki Kitamura, Chiaki Kuriyama
Zusatzmaterial: Trailer, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment

Copyright 2018 by Matthias Holm

Fotos, Packshots & Trailer: © 2018 Ascot Elite Home Entertainment

 
 

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2 Antworten zu “Blade of the Immortal – Takashi Miikes Jubiläum

  1. TomHorn

    2018/02/13 at 14:27

    Ich freue mich natürlich wieder über eine neue Miike-Veröffentlichung, auch wenn ich sagen muss, dass mir seine Filme um die Jahrtausendwende weit mehr zusagten. Und ich würde gerne mal irgendwo, am besten von denen bei Ascot Elite, die damit die Werbetrommel rühren, den Nachweis erbracht sehen, dass das wirklich der 100. Film von Miike ist, denn nach OFDB wäre es erst No. 92, nach IMDb No. 95…

     
    • V. Beautifulmountain

      2018/02/13 at 14:46

      In der aktuellen DEADLINE findet sich ein Interview mit Takashi Miike, der selbst wohl auch nicht wusste, dass es sein 100. Film ist. Miike sagt, jemand von einem Filmfestival habe gezählt, er selbst sei während der Dreharbeiten darauf aufmerksam gemacht worden, dass es sein 100. Film ist.

       

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