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Ben – Ode an eine Ratte

11 Aug

Ben

Von Andreas Eckenfels

Horrordrama // Ben, the two of us need look no more. We both found what we were looking for. With a friend to call my own. I’ll never be alone, and you, my friend, will see. You’ve got a friend in me. Ben, you’re always running here and there. You feel you’re not wanted anywhere. If you ever look behind and don’t like what you find. There’s something you should know, you’ve got a place to go.
I used to say “I” and “Me”, now it’s “Us”, now it’s “We”. I used to say “I” and “Me”, now it’s “Us”, now it’s “We”. Ben most people would turn you away. I don’t listen to a word they say. They don’t see you as I do. I wish they would try to. I’m sure they’d think again if they had a friend like Ben. A friend like Ben. Like Ben.

Mit Ratte Ben hat Danny endlich einen Freund

Naive und kitschige Songzeilen? Allerdings. Doch immerhin entspringen sie schnell zusammengereimt aus dem Kopf eines Kindes, dem Jungen Danny (Lee Montgomery). Er besingt damit seine innige Freundschaft zu Ben, jener Ratte die im Vorgänger „Willard“ allerhand bösen Schabernack anrichtete. Auch ansonsten wundert man sich nicht wirklich, warum niemand mit dem kränklichen Danny spielen will. In seinem Hobbyraum lässt er Marionetten tanzen, bläst fröhlich auf der Mundharmonika und klimpert auf dem Klavier – eigentlich könnte der nervige Junge gemeinsam mit Ben bei „Das Supertalent“ auftreten.

Ein Herz für Außenseiter

Immerhin beweist Ben ein weiteres Mal sein Herz für Außenseiter, in deren Leben er sich einschleichen kann. Denn allzu loyal ist die Oberratte seinem vermeintlichen Herrchen nicht gesinnt, wie uns die Eröffnungssequenz von „Ben“ noch einmal schmerzhaft ins Gedächtnis ruft. Diese zeigt die dramatischen Ereignisse des Finals von „Willard“, um anschließend die Geschichte nahtlos weiterzuerzählen. Eine Praxis, die später auch etwa in der „Halloween“-Reihe zelebriert wurde. Bevor Ben und ein Großteil seiner Artgenossen sich in die Freiheit retten können, knabbern sie kurz noch einen Polizisten an, der gerade Willards Keller untersucht. Die Nahaufnahmen und das Quieken von Ben suggerieren dabei geschickt, dass die Ratte den anderen Vierbeinern die richtige Angriffstaktik gegen den zweibeinigen Feind entgegenpiept.

Am Klavier spielt Danny auch gleich ein Lied für Ben

Der Polizist wird nicht das einzige Opfer der Rattenschar bleiben. Die Hysterie unter den Einwohnern gegen die Eindringlinge steigt und erreicht ihren Höhepunkt, als die Nager einen Supermarkt überfallen – man muss ja auch mal fressen. Und während sich Ben von Danny verwöhnen lässt, verziehen sich die anderen Ratten zurück in die Kanalisation, wo sie geduldig warten, welchen nächsten Coup ihr Anführer ausgeheckt hat.

Mitleid statt Schrecken

Nach dem Überraschungserfolg von „Willard“, der mit einem Einspielergebnis von knapp 20 Millionen US-Dollar auf Platz sieben der erfolgreichsten Kinofilme in den USA im Jahr 1971 landete, wurde schnell ein zweiter Teil in Auftrag gegeben. Erneut betraute man Gilbert Ralston mit den Arbeiten am Drehbuch, diesmal hatte er allerdings keine Buchvorlage als Anlaufstelle zur Verfügung. Ralston und Regisseur Phil Karlson („Harte Fäuste, heiße Liebe“) können diese seltsame Beziehung zwischen Mensch und Tier zwar erneut glaubhaft entwickeln, aber es fehlt dennoch an der psychologischen Tiefe des Erstlings, wie etwa der herzensgute Willard immer mehr in die Enge getrieben wurde, um dann mithilfe von Ben und Co. zurückzuschlagen. Auch an interessanten Nebenfiguren fehlt es völlig. Stattdessen wird mit allen Mitteln versucht, Mitleid für den kleinen Danny hervorzurufen. Gerade durch die erwähnten Musizier-Einlagen im Hobbyraum und das ständige Kuscheln mit der Ratte werden die Zuschauer, die einen Horrorfilm erwarten, auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Dafür dürften zartbesaitete Gemüter vielleicht sogar mal ein Tränchen verdrücken.

Angriff in der Kanalisation

Komplett enttäuscht lässt Karlson das Horrorpublikum natürlich dennoch nicht zurück, der Regisseur liefert den Zuschauern ebenfalls, was es erwartet. Die wenigen Rattenangriffe nehmen größere Ausmaße als im ersten Teil an, wirken aber auch häufig unfreiwillig komisch, wenn die menschlichen Opfer Zeter und Mordio schreien und wild umherzappeln. Dabei sitzen die possierlichen Tierchen doch nur ganz ruhig auf den Schultern – teils handelt es sich auch um optische Effekte, bei denen die Ratten aufgemalt und ins Filmmaterial einkopiert wurden. Nein, Schrecken will sich hier keiner einstellen. Immerhin lässt es Karlson im Finale etwas krachen, indem die Polizei den Ratten in der Kanalisation mit Schrotgewehren und Flammenwerfern hinterherjagt. Etwas Spektakel also, aber mehr auch nicht.

Feuer frei gegen die Rattenplage

Die Zahl der dressierten Ratten wurde im Vergleich zu „Willard“ von 600 auf 4.000 Exemplare erhöht. Wie David Renske in seinem Text „Rattentheater“ im Anolis-Mediabook schreibt, war für 1973 ein dritter Teil geplant, in welchem sich laut Werbematerialien stolze 10.000 Nager um die Position als Mitarbeiter des Monats beworben hätten. Bekanntermaßen kam es dazu nie. Den Rekord für die meisten Ratten in einem Film hält dem Vernehmen nach bis heute Werner Herzogs „Nosferatu – Phantom der Nacht“ (1979) mit 11.000 Tieren.

Ein Hit für Michael Jackson

So ist das Einzige, was von „Ben“ am Ende im Gedächtnis bleibt, das unsägliche, gleichnamige Liedchen. Geschrieben wurde es von William Scharf und Don Black, die für den Song sogar einen Golden Globe gewannen und eine Oscar-Nominierung erhielten. Berühmtheit für die Ewigkeit erlangte er aber, da kein Geringerer als der damals 13-jährige Michael Jackson die Ode an die Ratte über dem Abspann trällerte. Für den jungen Jackson war es die erste Nummer-1-Solo-Single in den USA, sogar sein zweites Album, auf dem der Song vertreten ist, erhielt den Titel „Ben“. Wie viele Hörer kannten wohl den Film und wussten, dass es sich bei Ben um ein kleines, mörderisches Biest handelte, welches da mit herzzerreißender Stimme besungen wurde?

Kann Danny seinen vierbeinigen Freunden helfen?

Die Veröffentlichungen der Anolis-Reihe „Phantastische Filmklassiker“:

01. Mutant – Das Grauen im All (Forbidden World, 1982)
02. Willard (Willard, 1971)
03. Ben (Ben, 1972)
04. Geheimagent Barrett greift ein (The Satan Bug, 1965)

Ein lesenswerter Text zu „Ben“ findet sich auch bei den Kollegen von Evil Ed, und auch das „Filmforum Bremen“ hat Lektüre darüber zu bieten.

Veröffentlichung: 17. August 2018 als Blu-ray im limitierten Mediabook (in zwei Covervarianten)

Länge: 92 Min. (Blu-ray)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Ben
USA 1972
Regie: Phil Karlson
Drehbuch: Gilbert Ralston
Besetzung: Lee Montgomery, Joseph Campanella, Arthur O’Connell, Rosemary Murphy, Meredith Baxter, Kaz Garas, Richard Van Vleet
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Lee Montgomery, deutsche Kinofassung, Interview mit Lee Montgomery, amerikanischer Kinotrailer, US TV-Spots, US Radio-Spots, Double Feature TV.Spots, Werberatschlag, Presseheft, Filmprogramm, Bildergalerie
Label/Vertrieb: Anolis Entertainment GmbH

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