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The Hurricane Heist – Die geheime Soße

02 Okt

The Hurricane Heist

Von Andreas Eckenfels

Actionthriller // 1992 fegte Hurrikan Andrew über die USA hinweg. Durch den Wirbelsturm der Kategorie 5 kam der Vater von Will (Toby Kebbell) und Breeze (Ryan Kwanten) ums Leben. Knapp 25 Jahre später haben die Brüder ihr Kindheitstrauma noch immer nicht überwunden. Während Will als Meteorologe mithilfe von Drohnen Stürme analysiert, verdingt sich Ex-Soldat Breeze als Mechaniker, wobei er allerdings häufiger zur Flasche als zum Schraubenschlüssel greift.

Meteorologe Will macht seine Drohnen scharf

Als mit Hurrikan Tammy der nächste Kategorie-5-Sturm den Himmel zu verdunkeln beginnt, werden Will und Breeze ungewollt in einen außergewöhnlichen Raubüberfall verwickelt. Eine Gruppe aus Gangstern und Hackern dringt mit Gewalt in die hochgesicherte Schatzkammer von Alabama ein und nimmt Geiseln. Dort sollen an diesem Tag aussortierte Geldscheine im Wert von 600 Millionen US-Dollar abtransportiert werden. Bundesbeamtin Casey (Maggie Grace) gelingt die Flucht. Sie ist die einzige, die die Safe-Kombination kennt. Inmitten des tosenden Sturms versucht sie gemeinsam mit den Brüdern den clever geplanten Millionen-Coup noch zu verhindern.

Der Titel ist Programm

Von „The Fast and Furious“ (2001) über „xXx – Triple X“ (2002) bis hin zu „Stealth – Unter dem Radar“ (2005): Regisseur Rob Cohen ist der Spezialist für Over-the-Top-Actionfilme, die gleichzeitig einen gewissen B-Movie-Charme versprühen. Auch „The Hurricane Heist“ passt sich nahtlos in seine Filmografie ein. Bei dem Titel weiß man gleich, worauf man sich einlässt: eine Mischung aus Katastrophenfilm und Heist-Movie, angefüllt mit kernigen Typen, wie Toby Kebbell („Warcraft – The Beginning“) und Ryan Kwanten („Northmen – A Viking Saga“), dazu Maggie Grace („96 Hours – Taken 3“) als Casey, eine starke Frauenfigur, die den Kerlen Paroli bietet, coole Sprüche sowie adrenalinhaltige Verfolgungsjagden und Ballereien.

Keine Lust auf Regeln

Und da ist noch eine weitere, wichtige Zutat, die in keinem Cohen-Film fehlen darf –und für die er von Kritikern regelmäßig auf die Nuss bekommt: eine gesunde Portion Irrsinn, man kann es auch fehlende Logik nennen. Rob Cohen selbst ist sich diesem Umstand durchaus bewusst und bezeichnete diesen in einem Interview selbst als „geheime Soße“: „Ich war mein ganzes Leben eine Art Ikonoklast, selbst als ich Kind war. Ich widersetzte mich den Autoritäten und hasste es, Regeln und Dinge, die mir aufgezwungen wurden, zu befolgen. Es gibt einige Regeln, die man fürs Geschichtenerzählen einhalten muss, weil man ansonsten nur Verwirrung stiftet. Aber zum größten Teil behandle ich es mit der ‚geheimen Soße‘.“

Hurrikan im Anflug: Die Polizei bereitet sich auf das Schlimmste vor

Cohen ist also wenig darum bemüht, ein realistisches Szenario des Wetterphänomens zu zeichnen. Wann immer ein wenig mehr Spannung benötigt wird, dreht er eben die Windmaschinen auf und lässt die visuell schwachen CGI-Stürme etwas heftiger auf die Protagonisten wehen. Kurze Zeit später ist dann wieder Ruhe eingekehrt. Gebiete, die eigentlich vom Regen überflutet sein müssten, sind wieder trocken. Im Finale wird dies dann auf die Spitze getrieben, wenn die verbliebenden Figuren mit Vollgas versuchen, mit mehreren Sattelzügen dem Hurrikan zu entkommen, aber eben nicht alle vom Sturm in den Himmel gerissen werden, obwohl die Wagen relativ parallel neben- und hintereinander fahren. Wer durch solche Logiklöcher schnell in Rage gerät, sollte von „The Hurricane Heist“ die Finger lassen, und vielleicht besser zu „Hard Rain“ (1998) greifen.

Augen zu und durch

Denn dies bleiben nicht die einzigen Szenen, bei denen der Zuschauer mehrere Augen zudrücken muss. Wills sturmresistentes Auto sieht so aus, als stamme es aus der „Mad Max“-Reihe, verfügt aber noch nicht mal über Bremslichter, wäre also nicht straßentauglich und in einem Unwetter gar nicht wahrnehmbar. Auch etwas, was man nicht so häufig in Filmen sieht: Will und Casey legen kurz mal eine Pinkelpause ein und unterhalten sich während des Wasserlassens angeregt. Und dann ist da noch eine durch Unterdruck herbeigeführte „umgekehrte“ Bungee-Sprung-Szene, bei der man auch nicht nachfragen sollte, ob sowas physikalisch überhaupt möglich ist.

Casey setzt sich zur Wehr

Wie dem auch sei: Man kann ja auch mit Filmen, die solch absurde Szenen bieten, durchaus seinen Spaß haben. Erst recht, wenn es sich um einen Actionfilm handelt, der gar nicht mehr will, als einfach nach altbewährtem Muster zu unterhalten. Und zu dieser Sorte gehört „The Hurricane Heist“ zweifelsohne, eben weil mit Rob Cohen ein Mann am Ruder ist, dem vollauf bewusst ist, welche „geheime Soße“ er da zusammengerührt hat.

Breeze hat seine Regenjacke vergessen

Veröffentlichung: 14. September 2018 als Blu-ray und DVD

Länge: 103 Min. (Blu-ray), 99 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Originaltitel: The Hurricane Heist
USA 2018
Regie: Rob Cohen
Drehbuch: Jeff Dixon, Scott Windhauser
Besetzung: Maggie Grace, Toby Kebbell, Ryan Kwanten, Ralph Ineson, Melissa Bolona, Ben Cross, Jamie Andrew Cutler, Christian Contreras
Zusatzmaterial: Featurettes
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2018 by Andreas Eckenfels

Szenenfotos, Packshot & Trailer: © 2018 Universum Film

 

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