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Komm und sieh – Ein Brocken Krieg, der lange nachwirkt

21 Dez

Idi i smotri

Von Volker Schönenberger

Kriegsdrama // Gleich zu Beginn durchbricht ein schmutziger, wüst fluchender Knirps die vierte Wand und richtet die Worte ans Filmpublikum, indem er direkt in die Kamera schaut: Lacht ihr etwa? Das wird euch gleich vergeh’n! Er wird recht behalten, denn zu lachen gibt es trotz ein paar grotesk überzeichneter Szenen nichts in „Komm und sieh“, der letzten Regiearbeit des sowjetrussischen Filmemachers Elem Klimov. Das Werk feierte seine Weltpremiere im Juli 1985 auf dem internationalen Film Festival von Moskau und wurde dort mit dem Hauptpreis „Golden Prize“ sowie mit dem Preis der internationalen Filmkritiker- und Filmjournalisten-Vereinigung Fédération Internationale de la Presse Cinématographique (FIPRESCI) prämiert.

Um „Komm und sieh“ umfassend gerecht zu werden, werde ich Handlungselemente beschreiben, die als Spoiler durchgehen. Wer das Werk noch nicht kennt und Filme gern unbeleckt schaut, möge hier mit Lesen innehalten (nach Sichtung des Films aber hoffentlich zurückkehren).

Ein Fundstück setzt alles in Gang

Der oben erwähnte Knirps ist ein Kumpel des nur etwas älteren Flyora Gayshun (Aleksey Kravchenko), der vielleicht 14 Jahre alt ist. Im Kriegsjahr 1943 buddeln die beiden Knaben in irgendwelchen Dünen ihrer weißrussischen Heimat nach verwertbarem Material; offenbar war die Gegend einige Zeit zuvor Schlachtfeld. Stahlhelme, Wehrmachtsgürtel, ein Feldtelefon – es findet sich so einiges. Die Warnungen des Dorfältesten (Kazimir Rabetsky) schlagen sie in den Wind. Flyora zieht das große Los, er findet auf dem Kriegsschauplatz, wonach er gesucht hat: ein Gewehr. Nun kann er sich endlich den Partisanen anschließen.

Mama (Nina Evdokimova) ist alles andere als begeistert, dass ihr Sohn sie und seine kleinen Schwestern im Stich lassen will. Aber Flyora bleibt unbeirrt und lässt sich bereitwillig von zwei Angehörigen der Partisanenarmee mitnehmen, eine kurze Strecke noch verfolgt vom Mein Sohn-Wehgeschrei der Mutter. In seinem Feuereifer ahnt Flyora nicht im Geringsten, dass er in den kommenden Tagen und Wochen in einen Abgrund tiefster Grausamkeit schauen wird, der ihm binnen kürzester Zeit das Aussehen eines Greises verleihen wird.

Partisanen posieren fürs Gruppenfoto

Zunächst jedoch rücken die Partisanen auf Geheiß ihres Kommandanten Kosach (Liubomiras Laucevicius) ohne ihn ab. Wir folgen Flyora permanent durch die Schrecknisse des Krieges, sind so nah an ihm dran, dass nach einer Bombardierung des – glücklicherweise verlassenen – Partisanenlagers das Fiepen in seinen Ohren auch unser Fiepen ist, auch unser Gehör mitgenommen ist. Die Schüsse, die deutsche Fallschirmjäger auf ihn und das Mädchen Glasha (Olga Mironova) abgeben, hören wir ebenso wie er kaum, bemerken lediglich die Einschüsse in den Baumstämmen.

Wiener Walzer im weißrussischen Moor

Nach diesem noch ohne tödliche Folgen abgelaufenen Akt der Gewalt begeben sich Flyora und Glasha zurück in sein Dorf, das sich als menschenleer erweist. Die beiden rennen los, weil der Junge seine Mutter und die Schwestern im nahegelegenen Moor vermutet. Das Mädchen blickt sich noch einmal um und entdeckt hinter einer Hütte einen Leichenhaufen – nach 51 Minuten des Films das erste Bildzeugnis eines Kriegsgräuels. Das folgende Eindringen der beiden ins Moor wird zu einer grotesken, für mich schwer zu deutenden Szene: Bis zum Hals waten die beiden durchs sumpfige Morastwasser, das immer dicker wird. Untermalt wird dieses Motiv der widerspenstigen Natur von dissonanten Klängen, unter die sich – als sei es nicht schon merkwürdig genug – ein Ausschnitt des Walzers „An der schönen blauen Donau“ von Johann Strauss (Sohn) mischt. Im Moor treffen Flyora und Glasha auf Überlebende aus seinem Dorf und ein paar Partisanen. Der Dorfälteste liegt sterbend am Boden – die Deutschen oder ihre Kollaborateure haben ihn mit Benzin übergossen und angezündet. Er kann Flyora noch vorwerfen, er habe sie doch davor gewarnt, im Boden nach Beutegut zu buddeln. Erschütternd wie ein Hammerschlag dringt es nun in den Kopf des Jungen ein, dass seine Mutter und seine Schwestern ermordet worden sind. Er senkt seinen Schädel in den Schlamm.

Glasha und Flyora im Wald

Gedreht „on location“ in Weißrussland, beruht „Komm und sieh“ auf Ales Adamovichs 1971 erstveröffentlichtem Roman „Die Erzählung von Chatyn“. Der wiederum greift – wohl mit literarischer Freiheit – das Massaker an der Bevölkerung des weißrussischen Dorfs Chatyn auf: Im März 1943 hatte die SS-Sondereinheit Dirlewanger unter tatkräftiger Mitwirkung einer Schutzmannschaft von Kollaborateuren nach einem Partisanenangriff das Dorf in Sippenhaft genommen, geplündert, die Einwohner in eine Scheune getrieben und diese angezündet. Dabei starben 149 Menschen, etwa die Hälfte von ihnen Kinder. Die SS-Einheit war benannt nach ihrem Anführer, dem mehrfach vorbestraften Oskar Dirlewanger, Obersturmführer (später Oberführer) der Waffen-SS. Chatyn ist nicht zu verwechseln mit dem russischen Dorf Katyn, wo es am 11. Mai 1940 zum Massaker von Katyn gekommen war, dem Mord an 4.400 polnischen Offizieren, begangen von sowjetischen Volkskommissaren (und von der UdSSR den Deutschen in die Schuhe geschoben).

Beschwerlicher Weg durchs Moor

Das Massaker von Chatyn inszeniert Elem Klimov ohne historisch-dokumentarischen Anspruch. Ortsnamen fallen ohnehin kaum, geografisch exakt in einer speziellen weißrussischen Region verorten lässt sich das Geschehen des Films nicht. Das spricht für eine Absicht des Regisseurs, mehr noch etwas über das Wesen des Kriegs an sich vermitteln zu wollen als über das nicht zu leugnende Wüten der Deutschen im Zweiten Weltkrieg. Auch Flyora verschlägt es in das Dorf, dessen Männer, Frauen und Kinder von den Deutschen und ihren Kollaborateurs-Einheiten zusammengetrieben werden, wobei es sich bei den Deutschen nach meiner Wahrnehmung um Angehörige der Waffen-SS handelt, womöglich aber auch Wehrmachtssoldaten dabei sind (Irrtum vorbehalten). Quälend lang zieht sich das hin, doch genau wie Flyora ahnen wir früh, worauf es hinausläuft. Mit allen Dörflern wird der Junge in einer Scheune oder Kirche eingepfercht, aus der kaum jemand lebend entkommen wird. Die Szenerie ist irrwitzig: Während in der Scheune die Eingesperrten auf das sichere Ende warten, herrscht draußen heitere Stimmmung. Man macht Späße, auch gesoffen wird nicht zu knapp. Eine blonde Frau ist mit ihrem Sohn aus der Scheune geklettert. Der Junge wird zurückgeworfen, die Frau an den Haaren fortgezogen – was ihr bevorsteht, mag man sich auch nicht vorstellen. Der kommandierende SS-Sturmbannführer (Viktors Lorencs) trägt als Schoßtier einen Roten Schlanklori auf der Schulter, wo auch immer er den herhaben mag. Ein Erschossener wird auf dem Seitenwagen eines Motorrads zur Schau gestellt. Die brennende Scheune wird beklatscht, dann beschossen. Einem der Soldaten rinnen dabei immerhin Tränen aus den Augen, was ihn nicht daran hindert, unbeirrt weiter zu schießen. Schließlich ziehen die Mörder ab, nachdem sie das gesamte Dorf in Brand gesteckt haben. Eine demente alte Vettel bleibt verschont, wird höhnisch in ihrem Bett im Freien platziert und zurückgelassen. Solche kleinen Details erscheinen beiläufig inszeniert, sind es aber nicht, sondern fügen sich zu einem stimmigen Ganzen.

Der Tod der Kuh

Das Gezeigte ist unfassbar grausam, ohne dass wir die letzten Exzesse tatsächlich zu sehen bekommen. Vom Massenmord in Flyoras Dorf erhaschen wir lediglich einen denkbar kurzen Moment – mit Glashas erwähntem Blick zurück auf den Leichenhaufen. Auch das Bild der erstickenden und verbrennenden Menschen in der Scheune bleibt uns erspart. Nach einer erst einmal undefinierbaren Detonation erblickt Flyora – und erblicken wir – kurz danach lediglich einen blutigen Stiefel, in welchem noch der Fuß steckt; offenbar ist der unglückselige Besitzer des Fußes auf eine Mine getreten, die ihn zerfetzt hat. Die entsetzlichen Bilder entstehen in unserem Kopf, oft – so auch hier – die bessere, da nachhaltiger wirkende Entscheidung. Nur die tödlichen Treffer auf eine Kuh im Kreuzfeuer von Leuchtspurmunition bekommen wir zu sehen, noch so eine grotesk anmutende Szene (dem Vernehmen nach wurde die Kuh beim Dreh der Szene tatsächlich erschossen). Krieg ist grotesk.

Vergeblich warnt Flyora die Dörfler vor dem kommenden Grauen

Dass wir das Töten und Morden nicht zu sehen bekommen, gilt auch für die vermeintlich „guten“ und „gerechten“ Gegenschläge der Partisanen. Von einem Angriff auf die abziehende Waffen-SS und ihre Kollaborateure sehen wir nur das Resultat. Die folgende Erschießung der Gefangenen – ebenfalls eine sich quälend lang aufbauende und intensive Szene – wird nicht im Bild festgehalten, die Kamera ist auf die Schützen gerichtet, erst nach Abgabe des letzten Schusses schwenkt sie auf die Sterbenden und Toten. Sie sind schuldig, keine Frage – und wer möchte hier bestreiten, dass sie den Tod verdient hätten? Sie sind sogar schuldig, die Partisanen genötigt zu haben, sie zu erschießen. Denn auch das „gerechte“ Töten bleibt ein Akt der Barbarei, und die Mordopfer der Waffen-SS bringt es sowieso nicht zurück. Die Partisanen werden nicht nur den Verlust ihrer Lieben ewig mit sich herumtragen, sondern auch das Töten ihrer Feinde.

Schüsse auf Adolf Hitler

Flyora gibt während der gesamten Zeit keinen einzigen Schuss ab. Er bleibt passiv, letztlich ein Zuschauer wie wir, den Ereignissen ausgeliefert, und anders als wir mittendrin im Schlamassel und mit tragischen Konsequenzen für Familie, Freunde, Mitmenschen. So nah wie das Filmpublikum an dieser Figur ist, ist es in Kriegsdramen nicht allzu häufig an einem Protagonisten. Eine der vielen großen Qualitäten von „Komm und sieh“. Ganz am Ende bemerkt Flyora im Schlamm ein gerahmtes Bild Adolf Hitlers mit der Aufschrift Hitler – der Befreier. Nun erst beginnt er zu schießen. Einen Schuss nach dem anderen feuert er auf Hitlers Fratze. Dazu sehen wir in rückwärts ablaufenden Bildern authentische Kriegsszenen und immer wieder Adolf Hitler, dessen Geschichte somit in einer einzigartigen Montage rückwärts erzählt wird – sogar über Hitlers Teilnahme am Ersten Weltkrieg bis hin zu seiner Kindheit, einem Klassenfoto, gefolgt von einer Aufnahme des kleinen Adolf auf dem Schoß seiner Mutter. Hitler ist zum Kleinkind geworden, während Flyora innerhalb weniger Tage um viele Jahre gealtert ist. Eine rätselvolle Finalsequenz, die Raum für Interpretationen lässt. Flyora will Hitler erschießen, gibt Schuss um Schuss ab. Doch als Hitler ein Kleinkind ist, schießt Flyora nicht mehr. Die Bilder laufen rückwärts, als wollten sie das Geschehen ungeschehen machen, als wollten sie der Geschichte und den Menschen eine neue Chance einräumen. So schreibt es Hans J. Wulff in seiner Betrachtung von „Komm und sieh“ im 2006 veröffentlichten gelben Reclam-Büchlein „Filmgenres – Kriegsfilm“, herausgegeben von Thomas Klein, Marcus Stiglegger und Bodo Traber.

Eingepfercht in der Scheune

628 weißrussische Dörfer wurden mit allen Bewohnern niedergebrannt. Das erfahren wir aus einer auf die erwähnte Finalsequenz folgenden Texteinblendung. Zu den Klängen des „Lacrimosa“ aus Mozarts „Requiem
folgt Flyora schließlich wieder den Partisanen. Und während sie tief in die Wälder eindringen, kehrt langsam der weißrussische Winter ein. Die Mörder und Brandschatzer des Dorfes konnten gestellt und getötet werden, doch der Krieg geht weiter.

Die Offenbarung des Johannes

Der Filmtitel stammt aus dem Neuen Testament und ist dem 6. Kapitel der Offenbarung des Johannes entlehnt, in welchem es heißt: Als das Lamm das vierte Siegel öffnete, hörte ich die Stimme des vierten Lebewesens rufen: Komm! (In der englischen King-James-Bibel: „Come and see“, im Russischen: „Idi i smotri“ für „Geh und sieh“) Da sah ich ein fahles Pferd; und der, der auf ihm saß, heißt „der Tod“; und die Unterwelt zog hinter ihm her. Und ihnen wurde die Macht gegeben über ein Viertel der Erde, Macht, zu töten durch Schwert, Hunger und Tod und durch die Tiere der Erde. Der Tod als einer der vier Reiter der Apokalypse. Der Filmtitel passt nicht nur deshalb perfekt, denn das Sehen spielt eine große Rolle. Immer wieder hält die Kamera auf Gesichter von Menschen, die irgendwohin blicken – ins Leere, uns in die Augen, ins Grauen. Flyoras Blicke bleiben uns am nachhaltigsten in Erinnerung.

Der Tod ist ein Meister aus Deutschland

Das feine Label Bildstörung hat „Komm und sieh“ als 37. Teil seiner „Drop Out“-Reihe aufgelegt. Die gewohnt sorgfältig aufgemachte Edition im Schuber enthält die 2017 auf dem internationalen Filmfestival von Venedig uraufgeführte restaurierte Fassung, die dort mit dem Venezia Classici Award als bester restaurierter Film prämiert wurde. Bild- und Tonqualität sind dann auch über jeden Zweifel erhaben. Ein paar Unschärfen erscheinen mir von Regisseur Elem Klimov und seinem Kameramann Aleksey Rodionov gewollt. Die Farben sind brillant, wenn es von den Filmemachern beabsichtigt war, etwa wenn Flyora und Glasha nach Abzug der Partisanen zu Beginn allein durch den in sattem Grün erstrahlenden Wald tollen (später weicht das Grün mehr und mehr). Eine deutsche Synchronisation existiert allerdings nicht. Die Tonspur ist in den Sprachen gehalten, die die Figuren jeweils sprechen, also Weißrussisch, Russisch und Deutsch.

Impressionen aus dem Feuerdorf

Das üppige Zusatzmaterial auf der Bonus-DVD liefert erhellende Einblicke in die Entstehung und Rezeption von „Komm und sieh“. So gibt es diverse Interviews mit am Dreh Beteiligten, darunter Regisseur Elem Klimov und Hauptdarsteller Aleksey Kravchenko, sowie ein 50-minütiges Porträt Klimovs von 1988 in Form von Interviews mit ihm selbst sowie einigen Weggefährten. Beeindruckend geraten ist „Aus dem Feuerdorf“ (1975) – dabei handelt es sich um drei zusammen gut dreiviertelstündige Kurzdokus, in denen Zeitzeugen interviewt werden. Ihre Berichte von den Gräueltaten der Deutschen zeugen von der Grausamkeit, mit der die Besatzer in Weißrussland gewütet haben. Schwer zu ertragen, aber eine sinnvolle Ergänzung zum Film.

Mit der Pistole an der Schläfe wird der Junge zum Fotomotiv

Nicht selbstverständlich für ein deutsches Label: Bildstörung hat eigenes und damit exklusives Bonusmaterial produzieren lassen, das die Edition enorm aufwertet. Genannt sei der Audiokommentar, ein Zwiegespräch zwischen dem bereits mehrfach für Bildstörung tätigen Filmkritiker Olaf Möller und Barbara Wurm, promovierte, auf das sowjetische Kino spezialisierte Filmwissenschaftlerin und Kuratorin der Berlinale. Wer da einen anspruchsvollen Audiokommentar auf hohem Niveau erwartet, liegt richtig. Bemerkenswert ist auch das 34-minütige Video-Feature „Wer keine Erinnerung hat, hat auch kein Leben“ (2020). Dabei handelt es sich um eine Diskussion zwischen dem polnischen Regisseur Michal Kosakowski („German Angst“) und dem deutschen Film- und Kulturwissenschaftler Prof. Dr. Marcus Stiglegger. Die beiden erzählen einander über ihre ersten Berührungen mit „Komm und sieh“ und beleuchten dessen Einfluss auf das (Anti-)Kriegsfilmgenre. Ihr Gespräch wird unterbrochen von filmisch illustrierten Sequenzen, in denen Stiglegger aus Ales Adamovichs Vorlage liest.

Der Booklet-Text „Elem Klimows Vermächtnis“ von Marcus Stiglegger hat mir einige Erkenntnisse vermittelt, die mir bei Sichtung des Films und Internet-Recherche entgangen wären, was auch für sein Video-Feature mit Kosakowski gilt. So schreibt Stiglegger etwa über den mit auch in der Sowjetunion bekannten Musikstücken gespickten Score von Oleg Yanchenko, die Musik werde nicht illustrativ, sondern psycho-physiologisch manipulativ eingesetzt. Stiglegger zufolge lasse der Film kein Mittel ungenutzt, um seinen Zuschauer mit allen Mitteln zu packen und zu vereinnahmen.

Schonungslos das menschlich Böse

This film has been called surreal and impressionistic, but this is the wrong conclusion. Come and See is reality and truth. (zitiert aus Ted Forsyths Rezension auf „The Spinning Image“) Da ist was dran. Macht „Komm und sieh“ phasenweise tatsächlich einen surrealistischen und impressionistischen Eindruck, so strahlt er doch eine enorme Wahrhaftigkeit aus. Bildstörung zitiert auf der Schutzhülle des Schubers den US-Kritikerpapst Roger Ebert von der Chicago Sun-Times, der 2010 in seiner unter dem Titel „And I looked, and behold a pale horse“ veröffentlichten Rezension schrieb: Es heißt, es sei unmöglich, einen wirklichen Anti-Kriegsfilm zu drehen, da Krieg von Natur aus aufregend ist und das Ende des Films immer den Überlebenden gehört. Niemand würde je den Fehler machen, so etwas über Elem Klimows „Komm und sieh“ zu sagen. Dieser russische Film von 1985 ist einer der niederschmetterndsten Filme aller Zeiten. Ich kenne kaum einen anderen, der das menschlich Böse schonungsloser zeigt. (Im Original: It’s said that you can’t make an effective anti-war film because war by its nature is exciting, and the end of the film belongs to the survivors. No one would ever make the mistake of saying that about Elem Klimov’s “Come and See”. This 1985 film from Russia is one of the most devastating films ever about anything … I have rarely seen a film more ruthless in its depiction of human evil.) „Komm und sieh“ bleibt ein so erschütterndes wie verstörendes cineastisches Dokument über den Krieg, nun endlich hierzulande in würdiger Veröffentlichung.

Die Filme der „Drop Out“-Reihe von Bildstörung haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt. Lesenswerte Texte zu „Komm und sieh“ haben auch die Kollegen vom Filmforum Bremen und vom Fluxkompensator vorgelegt.

Veröffentlichung: 27. November 2020 als 2-Disc Special Edition Blu-ray (inkl. Bonus-DVD) und 2-Disc Special Edition DVD (inkl. Bonus-DVD), 13. April 2015, 1. Oktober 2008 und 15. November 2005 als DVD unter dem Titel „Geh und sieh“

Länge: 143 Min. (Blu-ray), 137 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassung: Weißrussisch/Russisch/Deutsch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Idi i smotri
UdSSR 1985
Regie: Elem Klimov
Drehbuch: Ales Adamovich, Elem Klimov, nach Adamovichs Vorlage „Die Erzählung von Chatyn“
Besetzung: Aleksey Kravchenko, Olga Mironova, Liubomiras Laucevicius, Vladas Bagdonas, Evgeniy Tilicheev, Aleksandr Berda, Nina Evdokimova, Viktor Manaev, Jüri Lumiste, Viktors Lorencs, Evgeniy Kryzhanovskiy, Kazimir Rabetsky
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Barbara Wurm (Auswahlkomitee Berlinale) und Filmkritiker Olaf Möller, „Klimow“ (1988) – Dokumentation von Ron und Dorothea Holloway (50 Min.), „Aus dem Feuerdorf“ (1975) – drei Kurzdokus von Wiktar Daschuk („Eine Handvoll Sand“, 10 Min., „Stummer Schrei“, 10 Min., „Die Frau aus dem ermordeten Dorf“ (27 Min.), „Wer keine Erinnerung hat, hat auch kein Leben“ (2020) – Videoessay von Michal Kosakowski und Marcus Stiglegger (34 Min.), Interview mit Regisseur Elem Klimov (20 Min.), Interview mit Hauptdarsteller Aleksey Kravchenko (13 Min.), Interview mit Set Designer Viktor Petrov (8 Min.), Interview mit Regieassistent Wladimir Kozlov (22 Min.), Making-of (10 Min.), Trailer, Bildergalerien, Trailershow, 20-seitiges Booklet mit einem Essay von Prof. Dr. Marcus Stiglegger
Label 2020: Bildstörung
Vertrieb 2020: Al!ve AG
Label/Vertrieb 2015/2008/2005: Icestorm Distribution GmbH

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

Szenenfotos, Packshot & Trailer: © 2020 Bildstörung, unterer Packshot: © 2015 Icestorm Distribution GmbH

 
 

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2 Antworten zu “Komm und sieh – Ein Brocken Krieg, der lange nachwirkt

  1. frank römer

    2021/03/30 at 13:07

    lest “ Die Wohlgesinnten““

     
  2. frank römer

    2021/03/30 at 13:01

    geiler ,etwas verstörender film,,der aber nicht ansatzweise die wirklichen schrecken wiederspiegeln kann!!

     

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