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The Lords of Salem – Krude oder meisterhaft?

01 Nov

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The Lords of Salem

Von Volker Schönenberger

Horrorthriller // Mit „House of 1000 Corpses“ und dessen Sequel „The Devil’s Rejects“ machte sich der Heavy-Metal-Musiker Rob Zombie einen Namen als Regisseur brutaler und kompromissloser Horrorstreifen. Sein „Halloween“-Remake und dessen Fortsetzung festigten diesen Ruf. Grund genug, die Schraube der exzessiven Gewaltdarstellung nun etwas herunterzudrehen: „The Lords of Salem“ erhielt von der FSK ungeschnitten die Altersfreigabe 16, was die Horrorfangemeinde im Internet bereits aufstöhnen ließ. Obendrein ist Zombies jüngster Streich sperrig und spröde geraten und mit üblichen Horrorsehgewohnheiten schwer zu genießen. Das erklärt die weit auseinandergehenden Meinungen im Netz, etwa bei den User Ratings der IMDb.

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Hexenbeschwörung nach Oldschool-Art

Dass in naher oder mittlerer Zukunft eine härtere Fassung auf den Markt kommt, erscheint unwahrscheinlich. Rob Zombie hat im Interview zwar eingeräumt, viele abgedrehte Szenen herausgeschnitten zu haben, doch das hing offenbar nicht mit ihrem Gewaltgehalt zusammen. Seine Deutschlandpremiere feierte „The Lords of Salem“ beim diesjährigen Fantasy Filmfest, nun ist er auf Blu-ray und DVD erschienen.

Rob Zombies Ehefrau Sheri Moon Zombie – stets in seinen Kinofilmen dabei – erhält als Ex-Junkie und Radio-DJ Heidi Hawthorne in Salem (Massachusetts) eines Tages in einem sonderbaren Paket eine Langspielplatte einer unbekannten Band namens „The Lords“. Das Abspielen der verstörenden Klänge löst in Heidi Seltsames aus. Sie wird von grauenvollen, hexenhaften Visionen heimgesucht. Anderntags ist der Schriftsteller Francis Matthias (Bruce Davison) zu Gast in der Radiostation, um sein Buch über die Hexenprozesse von Salem zu promoten. Als Heidis Kollege Whitey (Jeff Daniel Phillips) die LP von „The Lords“ auflegen will, tauft ihr anderer Kollege Herman (Ken Foree, „Dawn of the Dead“) die Band kurzerhand in „The Lords of Salem“ um. Als die Musik über den Äther geht, geraten unbemerkt von den Radio-DJs Frauen im Ort in Trance. Während Francis Matthias im Anschluss Nachforschungen über „The Lords of Salem“ anstellt, hat Heidi weitere Visionen.

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Heidi gerät ins Zentrum besorgniserregender Ereignisse

Schwer zu greifen ist er, Rob Zombies okkulter Horrorstreich – und ganz anders als seine vorherigen Werke. Manch einer findet ihn öde, ich nicht. Im Gegenteil: „The Lords of Salem“ fasziniert auf eine krude Art und Weise und bietet besonders durch den fiebrigen Soundtrack eine düster-verwirrende Atmosphäre, die den Zuschauer nach vielen Sequenzen ratlos zurücklässt; eine zweite Sichtung erscheint empfehlenswert (diese Rezension ist nach zweiter Sichtung entstanden). In Rückblenden und Visionen gezeigte schmutzig-nackte Hexen bei ihren Gruppenbeschwörungen – und auf dem Scheiterhaufen – verstören und bieten zugleich doch eine originelle Färbung des Films.

Bei aller Eigenständigkeit von „The Lords of Salem“ fällt der eine oder andere Referenzfilm als Vergleich ein, dessen Nennung sich jedoch verbietet, weil sie den geneigten Leser dieser Rezension auf eine Spoiler-Fährte führen würde. „The Lords of Salem“ liefert in Bildern, Ton und Handlungsverlauf ein filmisches Erlebnis sowohl jenseits des Hollywood-Mainstream-Horrors als auch fern von Exzessen des B- oder C-Movie-Undergrounds und stößt allein deswegen zwangsläufig auf Ablehnung. Wer sich davon freimachen kann, entdeckt womöglich eine kleine Perle – mit schwarzen Schmutzflecken und Kratzern, versteht sich.

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Vision oder Wirklichkeit?

Im Film wird ein Hexenjäger namens Jonathan Hawthorne thematisiert, der eine Gruppe von Hexen um ihre Anführerin Margaret Morgan auf den Scheiterhaufen gebracht habe. Hawthorne hat ein historisches Vorbild: John Hathorne war als Richter an den Hexenprozessen von Salem beteiligt, denen in den Jahren 1692 und 1693 25 Menschen zum Opfer fielen – etwa 20 per Hinrichtung, die übrigen starben in Haft. Margaret Morgan hingegen ist eine Fantasiegestalt.

Rob Zombie bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Halloween II (2009)
The Lords of Salem (2012)
31 – A Rob Zombie Film (2016)

Veröffentlichung: 31. Oktober 2013 als Blu-ray und DVD

Länge: 101 Min. (Blu-ray), 97 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: The Lords of Salem
USA/GB/KAN 2012
Regie: Rob Zombie
Drehbuch: Rob Zombie
Besetzung: Sheri Moon Zombie, Bruce Davison, Jeff Daniel Phillips, Ken Foree, Maria Conchita Alonso
Zusatzmaterial: Trailershow
Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2013 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2013 Universal Pictures Germany GmbH

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Verzweifelt und verwirrt – Heidi

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