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Wara no tate – Die Gejagten: Kopfgeldjagd durch Japan

08 Jul

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Wara no tate

Kinostart: 10. Juli 2014

Gastrezension von Matthias Holm

Thriller // Über Nacht wird Kiyomaru Kunihide (Tatsuya Fujiwara) zum meistgesuchten Mann Japans. Er wird verdächtigt, ein sieben Jahre altes Mädchen misshandelt und ermordet zu haben. Ninagawa Takaoki (Tsutomu Yamazaki), Großvater des Opfers, hat ein unglaubliches Kopfgeld auf Kiyomaru ausgesetzt: Wer es schafft, den jungen Mann zu töten, bekommt eine Milliarde Yen (das sind etwas über sieben Millionen Euro). Nachdem er dem ersten Mordanschlag knapp entkommen konnte, stellt sich Kiyomaru der Polizei. Nun bekommt der Personenschützer Kazuki Mekari (Takao Ohsawa) den Auftrag, den Verbrecher bis nach Tokio zu geleiten, ohne dass ihm etwas zustößt. Doch wie schmuggelt man einen Verbrecher durch Japan, wenn das ganze Land nach ihm sucht und es offensichtlich einen Verräter bei der Polizei gibt?

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Mekari (rechts) muss Kiyomaru beschützen

Der Plot sieht erst mal recht klassisch aus, die gleiche Thematik behandelt zum Beispiel der Film „S.W.A.T“. Doch wer kurz einen Blick auf den Regisseur wirft, wird wissen, dass dieser Film alles andere als konventionell wird. Takashi Miike ist wohl einer der wandelbarsten und meistbeschäftigten Regisseure unserer Zeit, allerdings auch einer der kontroversen. Seine Filme „Ichi the Killer“ und „Audition“ genießen zu Recht einen gewissen Kultstatus, aber sein Film „Izo“ ist zwar eine tolle Parabel auf die Abstumpfung gegenüber Gewalt, als Film jedoch nur schwer zu ertragen.

Dass in Miikes Händen diese klassische Action-Geschichte zu etwas gänzlich anderem wird, ist also schon mal klar. Und doch ist der Einstieg konventionell gehalten. Wir bekommen alle Figuren vorgestellt, erste Konflikte werden gesät, die Spannungsschraube zieht kontinuierlich an. Dabei gibt es eine großartige Action-Sequenz, die einen LKW und einen Polizeikonvoi beinhaltet. Bis hierhin könnte der Film von jedem routinierten Thriller-Regisseur kommen. Doch sobald die kleine Einsatztruppe den großen Konvoi verlässt und versucht, sich allein durchzuschlagen, wird klar, dass es unter den fünf Ermittlern jemanden geben muss, der Informationen ins Internet stellt. Und ab hier wird geredet. Sehr viel geredet.

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Ninagawa will den Kopf des Mörders und bezahlt dafür viel Geld

Der Zuschauer wird mit dem Dilemma der Ermittler konfrontiert. Zwar ist es nicht ganz bewiesen, dass Kiyomaru das Mädchen getötet hat, allerdings hat der Mann definitiv einen psychischen Knacks und auch Dreck am Stecken. Warum sollte man also so eine Person beschützen? Diese Gespräche sind zwar schön und gut, allerdings ziehen sie das Geschehen auch enorm in die Länge. Aus dem Thriller wird ein Drama, in dem fast alle Figuren ihre Seele offenbaren.

Das kann man mögen, muss man aber nicht. Ich bin mit der Erwartung in die Pressevorführung gegangen, einen Actionfilm zu sehen. Dementsprechend enttäuscht und wütend war ich nach dem Film. Doch wenn man „Wara no tate“ ein wenig sacken lässt, oder sich den Film mit diesem Wissen noch einmal anschaut, wird er wohl seine volle Wirkung entfalten können. So hat Miike es aber vorerst mal wieder geschafft, alle Erwartungen zu unterwandern und etwas komplett Eigenes zu erschaffen.

Takashi Miike bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Audition (1999)
Lesson of the Evil (JAP 2012)
Wara no tate – Die Gejagten (JAP 2013)
Yakuza Apocalypse (JAP 2015)

Länge: 124 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Wara no tate
JAP 2013
Regie: Takashi Miike
Drehbuch: Tamio Hayashi, nach einem Roman von Kazuhiro Kiuchi
Besetzung: Nanako Matsushima, Tatsuya Fujiwara, Takao Ohsawa,
Verleih: Warner Bros. Pictures Germany

Copyright 2014 by Volker Schönenberger
Filmplakat & Fotos: © 2014 Warner Bros. Ent.

 

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