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Ridley Scott (I): Exodus – Götter und Könige – Ist das schon Guerilla oder noch Zermürbungskrieg?

22 Dez

Exodus-Plakat

Mit diesem Beitrag beginnt bei „Die Nacht der lebenden Texte“ eine Reihe über Ridley Scott. Ohne Anspruch auf ein vollständiges Abdecken seiner Filmografie und in loser zeitlicher Abfolge werden verschiedene Autoren Scotts Regiearbeiten einer Betrachtung unterziehen.

Exodus – Gods and Kings

Kinostart: 25. Dezember 2014

Von Matthias Holm

Action-Abenteuer // Ist die Bibel etwa als Filmmaterial wieder im Kommen? Nachdem in diesem Jahr bereits Darren Aronofsky mit „Noah“ eine Interpretation der Sintfllut-Geschichte aus dem Buch der Bücher in die Kinos brachte, legt nun Ridley Scott nach. Doch er verpasst es, der altbekannten Geschichte um Moses und der Befreiung der Israeliten neue Facetten abzugewinnen.

Die Eifersucht des Ramses

Moses (Christian Bale) und Ramses (Joel Edgerton) wachsen wie zwei Brüder auf. Allerdings ist Ramses eifersüchtig – sein Vater, der Pharao Seti (John Turturro), würde lieber den adoptierten Moses als Nachfolger haben statt seines leiblichen Sohns. Durch Zufall erfährt Ramses, dass Moses in Wahrheit ein Israelit ist, der von seinen Eltern ausgesetzt worden war. Als Seti stirbt, verbannt Ramses im Machtwahn Moses. Dieser kann jedoch der Wüste trotzen und findet bei einer Gruppe Schafhirten Zuflucht und eine Frau, die ihn liebt. Doch nach einigen Jahren muss Moses seine Familie verlassen: Gott verlangt von ihm, die Israeliten ins geheiligte Land Kanaan zu führen.

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Noch ziehen Moses (l.) und Ramses (M.) gemeinsam in den Krieg

1956 war es Charlton Heston im Klassiker „Die zehn Gebote“, dem diese göttliche Aufgabe zu Teil wurde. Christian Bale trägt den Film dank seiner Leinwandpräsenz ganz allein – und das ist auch bitter nötig. Denn obwohl in ein paar Szenen der innere Konflikt von Ramses zwischen Brüderlichkeit zu Moses auf der einen und seinen Stolz als Herrscher auf der anderen Seite aufblitzt, gelingt es Joel Edgerton nicht, einen vernünftigen Antagonisten zu verkörpern. Vielmehr erinnert Ramses an ein pubertierendes Kind, das unbedingt seinen Willen haben will.

Gott ist eine Zicke

Apropos pubertierende Kinder: Hat Ridley Scott seinen Gott extra mit einem Jungen besetzt, der kurz vorm Teenager-Alter steht? Denn auch Gott kommt mehr zickig als jähzornig rüber – und auf Nachfragen von Moses antwortet er gar nicht erst.

Der Rest des Casts kann zwar mit einigen großen Namen aufwarten – unter anderen Sigourney Weaver, Ben Kingsley und Aaron Paul –, doch deren Figuren scheinen Scott nicht zu interessieren. Sie können sich glücklich schätzen, wenn sie mehr als zwei Sätze zu sagen bekommen.

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„Let my people go!“

Fürs Heimkino eine Langfassung?

Dieses Desinteresse an Nebenfiguren oder einer stärkeren Charakterzeichnung der Hauptfiguren lässt zusammen mit einigen sprunghaften Szeneriewechseln die Vermutung zu, dass Ridley Scott eine längere Version des Films im Sinne hatte und einiges wegschneiden musste. Vielleicht bekommt man – wie bereits beim ähnlich gelagerten „Königreich der Himmel“ – den Director‘s Cut auf Blu-ray und DVD nachgereicht. Der Regisseur hat das zwar als unwahrscheinlich bezeichnet – die Kinofassung sei bereits der Director’s Cut; ganz auszuschließen ist eine spätere Langfassung aber sicher nicht.

Visuell ein großes Erlebnis

Was den Film rettet, ist seine visuelle Kraft. Ich saß zum ersten Mal in einem Realfilm im Kino und dachte mir, dass das 3D toll aussieht: tolle Panorama-Aufnahmen und gute Spezialeffekte. „Exodus – Götter und Könige“ ist klassisches Bombastkino, wie es sein sollte. Allein dafür lohnt sich der Kinobesuch.

Ridley Scott macht es mir nicht leicht. Obwohl ich mich während des Films über die verpassten Chancen und die zickigen Figuren geärgert habe, habe ich mich doch die ganze Zeit über unterhalten gefühlt. Vor allem in der zweiten Filmhälfte, wenn die Spezialeffekte aufgrund der Plagen und der Teilung des roten Meeres zunehmen, reißt der Film einen mit. Für mich ist „Noah“ aufgrund seiner Botschaften und seiner Aronofsky-typischen Optik der bessere Film, wer sich aber einfach berauschen lassen möchte, sollte sich „Exodus – Götter und Könige“ im Kino anschauen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Ridley Scott sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Länge: 150 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Exodus – Gods and Kings
GB/USA/SP 2014
Regie: Ridley Scott
Drehbuch: Adam Cooper, Bill Collage, Jeffrey Caine, Steven Zaillian
Besetzung: Christian Bale, Joel Edgerton, Ben Kingsley, John Turturro, Aaron Paul, Paul Mendelsohn, María Valverde, Sigourney Weaver, Golshifteh Farahani, Hiam Abbass, Tara Fitzgerald, Indira Varma, Ghassan Massoud
Verleih: Twentieth Century Fox

Copyright 2014 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2014 Twentieth Century Fox

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