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Ridley Scott (VII): Alien – Covenant: Geldmaschine mit Konstruktionsfehlern

Alien – Covenant

Kinostart: 18. Mai 2017

Von Kay Sokolowsky

SF-Horror // Drehen schlechte Regisseure schlechte Filme, ist das weder eine Überraschung noch ein Grund zum Ärger. Wenn aber einer, der’s draufhat, einen Murks abliefert, für den sich sogar Zack Snyder schämen würde, darf der Kritiker die Fassung verlieren und schimpfen. Gerade weil Ridley Scott mehrere Klassiker des modernen Unterhaltungskinos verantwortet hat, ist es eine Riesenenttäuschung, wie er sein Talent und seine Erfahrung an etwas wie „Alien – Covenant“ verschwendet.

Aber durfte man nach dem ebenso wirren wie platten „Prometheus – Dunkle Zeichen“ (2012) mehr erwarten? Natürlich. Der Kinomagier, der „Blade Runner“ und „Gladiator“ zauberte, hätte vieles wiedergutmachen können. Aber in „Alien – Covenant“ macht er es genauso schlecht wie in „Prometheus“, vielleicht sogar schlechter. Er wiederholt die dümmsten Fehler, als wären sie ihm egal. Oder als gäbe es in seinem Team niemand, der es wagt, dem Maestro zu widersprechen. Ich weiß nicht, was schlimmer ist.

Guy Pearce (l.) und Michael Fassbender simulieren ein philosophisches Gespräch

Dies wird, wie Sie wohl ahnen, ein Verriss, und ich zögere nicht, beim Schimpfen eine Menge zu verraten. Wenn Ihnen Spoiler egal sind, kann ich versprechen, es so kurz und schmerzhaft wie möglich zu machen.

In space no one can hear you honk

Das Raumschiff „Covenant“ ist unterwegs zu einem fernen Sternsystem. Auf dem Planeten Origae-6 wollen sich 2.000 Kolonisten eine neue Welt erobern. Während sie und die Schiffscrew im Tiefkühlschlaf liegen, wacht der Android Walter (in einer Doppelrolle: Michael Fassbender) über die Mission. Am 5. Dezember 2104 gerät die „Covenant“ in die Ausläufer einer Sternexplosion und kann nur knapp vor der Vernichtung bewahrt werden. Der Kapitän (bloß in Rückblenden zu sehen und heute wahrscheinlich froh drum: James Franco) verbrennt (sic!) in seiner Kühlbox, Dutzende andere Menschen werden gleichfalls Opfer der Havarie.

Während der Reparaturarbeiten erreicht ein verrauschtes Funksignal die „Covenant“: Um eine Sonne, die nur wenige Wochen Flugzeit entfernt ist, scheint ein wahrer Garten Eden zu kreisen. Gegen den energischen Rat der Ersten Offizierin Daniels (schwer erträglich: Katherine Waterston) beschließt der neue Käptn Oram (stark überfordert: Billy Crudup), die Quelle des Signals anzusteuern.

Ein schöner Platz zum Sterben

Der fremde Planet sieht aus wie der Milford Sound in Neuseeland, also sehr romantisch und grün. Allerdings gibt es dort kein tierisches Leben, allein der Wind sorgt für Geräusche. Wie es bei jahrelang gedrillten Astronauten üblich ist, die außerdem akademische Kenntnisse in Biologie, Chemie, Medizin und dergleichen Zeug haben, kommt der Expeditionstrupp der „Covenant“ gar nicht auf die Idee, das Terrain in Schutzanzügen zu erkunden. Wie jedem guten Ami genügen ihnen fette Wummen als Lebensversicherung.

Und so kommt, was in einem „Alien“-Film kommen muss: Befruchtung (in der neuesten Variante eher eine Bestäubung), rasend schnelle Schwangerschaft, Kaiserschnitt von innen. Es entspringt ein seltsam Mittelding aus Mensch und Alien, der „Neomorph“, nicht unähnlich der Kreatur, die in Jean-Pierre Jeunets „Alien – Die Wiedergeburt“ so albern wirkte. Mehrere Metzgereieffekte und viele unfassbar dumme Entscheidungen später werden die Trottel der „Covenant“ von einem mysteriösen Kapuzenkuttenträger – scheinbar – gerettet.

„Black Hawk Down“, Weltraumversion

Er führt sie in eine Stadt der Toten. Jene Außerirdischen, die ihren ersten Auftritt in „Prometheus“ hatten, waren einst dort zu Hause, doch überdauert haben von ihnen nur verkohlte Kadaver. Derweil versuchen die auf der „Covenant“ verbliebenen Raumfahrer vergebens, Kontakt mit den Kameraden aufzunehmen. Wie es im Handbuch für miese SF-Filme steht, ist das Expeditionsteam während eines schweren Ionensturms losgezogen. Nur so lassen sich Funk- und dramaturgische Löcher rechtfertigen.

Der Kuttenmann gibt sich als David zu erkennen, als jener Android also, der in „Prometheus“ damit nervte, für Lawrence of Arabia in der Rolle des Peter O’Toole zu schwärmen. Oder war es umgekehrt? Jedenfalls lüftet Offizierin Daniels, wiederum einige Tote und manch hirnrissige Handlung später, das Geheimnis um die Nekropole – anschließend muss sie alles geben, um die sinistren Pläne von David zu durchkreuzen.

Horror vacui

Den Rest sollten Sie selbst sehen, es ist der Teil mit den besten Actionszenen. Die leider nicht rausreißen können, was insgesamt in den zähen zwei Stunden von „Alien – Covenant“ an Schmierentheater, Heckmeck und Bedeutungshuberei veranstaltet wird. Die Fallhöhe vom ersten „Alien“-Spielfilm hinab zu dieser Nullnummer ist astronomisch. Ridley Scott brauchte 38 Jahre, um sie zurückzulegen. Über sein geniales Horrorstück von 1979 sagt der Regisseur heute: „Ich habe ‚Alien‘ in gewisser Weise immer für ein B-Movie gehalten, ein richtig gut gemachtes.“ O ja, das war es! „Alien – Covenant“ hingegen ist bloß Trash, obschon kein billiger. Die Produktionskosten sollen sich auf 111 Millionen Dollar belaufen. So viel kann es kosten, ein Nichts herzustellen.

Ziemlich spektakulär: die Stadt der Toten

Immerhin sieht man, wo das Geld geblieben ist. Die Sets und Artefakte, die Chris Seagers designt hat, sind von atemberaubender Größe und Exotik. Das Riesenraumschiff „Covenant“ gleichwie die Nekropole auf dem Alien-Planeten zählen zum Besten an erfundener Welt, was seit „Avatar“ in SF-Filmen bestaunt werden konnte. Die CGI ist solide gefertigt, die Make-up-Abteilung darf bei den Splatter-Einlagen zünftig die Sau rauslassen, und Ridley Scotts Hauskameramann Dariusz Wolski gelingt es, die düsteren Szenen so auszuleuchten, dass noch in den Schatten der Schatten etwas zu erkennen bleibt.

Nicht alle Brustschmerzen sind ein Herzinfarkt. Leider

Die enorme Könnerschaft des Regisseurs erweist sich in den technischen Aspekten von „Alien – Covenant“ allemal. Umso frustrierender wirkt die Fahrlässigkeit, mit der Scott den großen Rest behandelt – das Drehbuch, die Logik, die Schauspielerei, den Sinn vons Janze. Der erschließt sich nämlich bloß den härtesten „Alien“-Fans, also jenen Geeks, denen ein Facehugger hier und ein platzender Brustkorb da für die Illusion genügen, einem Gruselfilm (mit SF-Dekor) beizuwohnen. Wenn denn in diesem Streifen irgendwas gruselig wäre!

„Ridleys Motto lautete: ‚Wir werden einen harten Film mit R-Rating machen und viel Rotwein brauchen‘ – Rotwein ist ein anderes Wort für Filmblut.“ Das berichtet Mark Huffam, einer der Produzenten, und er fährt fort: „Wir wollen, dass den Leuten die Hosen schlottern.“ Aber den Leuten dreht sich allenfalls der Magen um vor all dem verspritzten Vino. Ridley Scott verwechselt Horror mit Ekel, physischen Terror mit psychologischem Grauen, und diese Verwechslung ist unter der Würde und dem Format eines Meisters seiner Klasse. Ein R-Rating ist leicht zu haben, viel schwerer jedoch, einen filmischen Albtraum zu inszenieren, in dem die Angst der Protagonisten zu unserer Angst wird. Und genau das gelingt Scott in „Alien – Covenant“ nicht.

Letzte im Sigourney-Weaver-Ähnlichkeitswettbewerb: Katherine Waterston

Denn seine Figuren sind von geradezu empörender Flachheit – am Reißbrett skizziert, durch die Klischeemühle gedreht, in Schablonen verpackt. Es wird grässlich viel geheult und gebrüllt, aber diesen hyperhysterischen Typen, zumal der „Heldin“ Daniels, diesem Hybridklon aus Warrant Officer Ripley und G. I. Jane, nimmt der mündige Zuschauer kein einziges Gefühl ab. Diese Schreihälse erregen kein Mitleid, sondern nerven bloß mit ihrem Geflenn und Augenrollen. Egal wie qualvoll sie enden (Scott lässt dem sadistischen Teil seiner Fantasie viel zu freien Lauf) – eine Identifikation findet nicht statt, weil diese Figuren im Kälteschlaf menschlicher und lebendiger wirken als aufgetaut.

Mein Gott, ist das beziehungsreich

Offensichtlich gab es für die Herstellung von „Alien – Covenant“ keinen einzigen Grund als den, aus einem höchst erfolgreichen „Franchise“ noch die letzten Taler zu wringen. Ridley Scott behauptet zwar, von anderen Dingen bewogen worden zu sein. Er will eine Erklärung liefern, woher die unbezwingbaren Aliens stammen, wie sie sich im Kosmos verbreiten konnten, usw. Doch ein „wissenschaftlich“ erklärtes Ungeheuer ist schon keins mehr, und die Genealogie, die hier vorgelegt wird, passt nur mit halb zugedrückten Augen zu dem, was wir aus den frühen „Alien“-Filmen kennen.

Scott tappt in die gleiche narrative Falle, in die George Lucas bei den „Star Wars“-Prequels geriet: Ein fiktiver Kosmos muss sich organisch entwickeln und wachsen wie ein Baum. Die erfundene Welt retrograd zu verändern bedeutet, an den Wurzeln herumzusägen und die besten Früchte verfaulen zu lassen (man verzeihe die Metapher).

Gollums großer Bruder? Nein, der Neomorph

Weil Ridley Scott besser als jeder Kritiker weiß, dass „Alien – Covenant“ keinen künstlerischen Wert hat, versteckt er die Banalität und Schludrigkeit der Story hinter jeder Menge Anspielungen. Scott bedient sich bei allem, was gut und teuer ist im großen SF-Film – in der Eingangssequenz zum Beispiel bei „2001“, in einigen Szenen auf der „Covenant“ bei Tarkowskis „Solaris“, außerdem finden sich Travestien auf „Matrix“, „Dr. Seltsam“, „Gravity“, „Ex Machina“ und „Terminator 2“, to name a few.

Übers blanke Namedropping kommt Ridley Scott in diesen Bildern mit Fußnote leider nicht hinaus: Er zeigt, wie geschickt er kopieren kann, doch nicht, warum er es tut. Vielleicht will er den Kollegen auf die Schultern klopfen, sich als ebenbürtig in die Brust werfen? Obwohl er das nicht nötig hat, er zählt ja längst zu den Großen. Vielleicht, wer weiß, sollen diese Hinweise auf ältere Meisterwerke bloß eine ironische Verfremdung ins Spiel bringen. Dafür freilich hatte Mr. Scott nie ein Händchen, so was sollte er besser den Kollegen Tarantino und Whedon überlassen.

Die meisten Zitate und Anspielungen – es sind Aberdutzende – beziehen sich allerdings auf die „Alien“-Serie selbst. Für bedingungslose Fans dieses „Franchises“ dürfte es ein Fest sein, die Szenen zu identifizieren, die Ridley Scott originalgetreu nachgestellt hat. Schon dafür werden sie den Film mindestens dreimal gucken und Scott hochjubeln. Er hat für all die Innuendi aber auch einen erzählerischen Grund. Da Scott mit „Alien – Covenant“ die allgemein verbindliche Schlüsselstory zum „Alien“-Kosmos liefern will, sind seine, wenn man mag, Neuinterpretationen älterer Szenen recht hilfreich, um der gesamten Reihe zumindest den Schein innerer Geschlossenheit zu verleihen.

Kein Szenenbild aus „Aliens“

Die nicht eben subtil vorgetragene Selbstreferentialität geht jedoch selbst einem alten Bewunderer Scotts wie mir schnell auf den Senkel. Sie wirkt auch, neudeutsch zu labern, kontraproduktiv. Vor lauter halben und doppelten Zitaten vergisst der Regisseur völlig, eine originelle, packende Geschichte zu erzählen. Zweimal wird aus dem mitreißenden Score zitiert, den Jerry Goldsmith einst für „Alien“ schuf. Beim Erklingen dieser großartigen Musik, der suggestivsten, die Goldsmith je komponiert hat, wird besonders deutlich, wie lichtjahrweit der alte und der neue Film voneinander entfernt sind, wie unnötig und peinlich „Alien – Covenant“ neben dem alten Meisterstück wirkt.

Als ich 2014 „Exodus – Götter und Könige“ sah, meinte ich, dass Scott diese eitle Routine, dass er so viel Lustlosigkeit, Brutalität und Zynismus niemals überbieten könne. Dies war ein Irrtum. Nichts an „Alien – Covenant“ ist berührend, nichts an diesem Film beängstigend außer der Vorstellung, Ridley Scott könnte fortan nur mehr seelen- und, trotz aller Rotweinkleckerei, blutlose Geldmaschinen zusammenschrauben. Davor graut mir wahrlich.

Ahnen bereits die Reaktion der Kritiker: Michael Fassbender und Carmen Ejogo

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Ridley Scott sind in unserer Rubrik Regisseure zu finden, Filme mit Michael Fassbender in der Rubrik Schauspieler.

Länge: 122 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Alien – Covenant
USA/AUS/NZ/GB 2017
Regie: Ridley Scott
Drehbuch: John Logan, Dante Harper
Besetzung: Michael Fassbender, Katherine Waterston, Billy Crudup, Danny McBride, Demián Bichir, Carmen Ejogo, Jussie Smollett, Callie Hernandez, Nathaniel Dean, James Franco, Guy Pearce, Noomi Rapace
Verleih: Twentieth Century Fox

Copyright 2017 by Kay Sokolowsky

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2017 Twentieth Century Fox

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 2017/05/17 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Ridley Scott (VI): Prometheus – Dunkle Zeichen: Der Erklärbär hat zugeschlagen

Prometheus

Von Simon Kyprianou

Science-Fiction // Nach Jean-Pierre Jeunets kontrovers aufgenommenen „Alien 4 – Wiedergeburt“ (1997) hat es 15 Jahre gedauert, bis sich auch Ridley Scott mit „Prometheus – Dunkle Zeichen“ wieder des Alien-Stoffs annahm – ganze 33 Jahre seit seinem originalen „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ (1979). „Prometheus – Dunkle Zeichen“ versteht sich dabei als eher loses Prequel, auch zwischen den Ereignissen liegen 33 Jahre, nur eben in der anderen Richtung: „Alien“ spielt im Jahre 2122, „Prometheus – Dunkle Zeichen“ beginnt im Jahre 2089.

Die „Prometheus“ erreicht ihr Ziel

Die beiden Forscher Elisabeth Shaw (Noomi Rapace) und Charlie Holloway (Logan Marshall-Green) finden in Höhlenzeichnungen von ganz unterschiedlicher Kulturen Hinweise auf eine bestimmte Sternenkonstellation. Ihre Vermutung: Auf einem in jenem System zu findenden Planeten sind die Schöpfer der Menschen zu finden. Der mysteriöse Tycoon Peter Weyland (Guy Pearce) finanziert die Forschungsreise, an der auch Weylands Ziehsohn, der Android David (Michael Fassbender), die undurchsichtige Top-Managerin Meredith Wickers (Charlize Theron) und der geerdete Captain Janek (Idris Elba) und dessen Crew teilnehmen.

Jahrelanger Kälteschlaf

Nach mehrjährigem Kälteschlaf im Raumschiff „Prometheus“ auf dem Planeten angekommen, findet das Team tatsächlich Spuren einer menschenähnlichen Kultur, aber die Schöpfer stellen sich als völlig anders beschaffen heraus, als sich das die Forscher erhofft haben. Die Suche nach dem Ursprung des Lebens wird unerwartet zu einem Kampf ums Überleben.

Elizabeth Shaw erkundet den Planeten

Lebten die früheren „Alien“-Filme, insbesondere natürlich der erste Teil, von ihrem kühlen, fremdartigen, seltsam sexuell aufgeladenen, abstrakten Schrecken, der sich in HR Gigers Designs verdichtete und auf Erklärungen völlig verzichtete, geht „Prometheus – Dunkle Zeichen“ den entgegengesetzten Weg: Ridley Scott versucht sich an einer rückwirkenden Erklärung seines Meisterwerks. Der Regisseur will die Leerstellen füllen, dem einst Mysteriösen eine sinnstiftende Mythologie überstülpen und, so scheint es, die eigentlichen Stärken seines früheren Films rückwirkend zunichtemachen. Folgerichtig bleiben nach „Prometheus – Dunkle Zeichen“ dann auch keine Leerstellen mehr bestehen, in deren Dunkelheit sich Angst ausbreiten kann, keine Fragen mehr offen, weder die nach dem Schöpfer der Menschen noch die nach dem Schöpfer der Aliens. Alles wird auserzählt und der Alien-Stoff verliert dabei seine fremdartige Faszination und seinen kühlen Schrecken.

Drehbuch von Damon Lindelof

Ohne diese öde Erklärbär-Mentalität wäre eine Schöpfungsgeschichte durchaus ansprechend denkbar, gerade weil das Drehbuch von Damon Lindelof stammt, der hinter fantastischen Serien wie „Lost“ und aktuell „The Leftovers“ steht, die ebenfalls dringliche Fragen nach der Conditio humana zum Inhalt haben, ohne dabei alles auserzählen zu wollen, ganz im Gegenteil.

Eine Entdeckung gibt Rätsel auf

Inszenatorisch ist „Prometheus – Dunkle Zeichen“ natürlich recht ansprechend, Ridley Scott hat ja stets den Ehrgeiz, seine Filme sehr visuell zu erzählen. Auch in „Prometheus – Dunkle Zeichen“ gelingen ihm einige interessante Bildkompositionen: Die Momente, in denen sich der Film voll und ganz dem körperlichen Horror und seiner quälenden Ungewissheit hingibt – die Abtreibungs-Szene beispielsweise – sind durchaus intensiv. Oder eine Szene am Ende des Films, in der einer der Schöpfer (Ian Whyte) in einem aggressiven erotischen Akt mit einem der Monster zu einem Alien verschmilzt.

Michael Fassbender als Androide

Michael Fassbender ist durchaus faszinierend als Androide David und wird glücklicherweise im neuen „Alien – Covenant“ erneut eine tragende Rolle spielen. Noomi Rapace, Charlize Theron und Idris Elba sind ebenfalls sehr gut: Generell sind die Figuren auch gut geschrieben, sie konnten sich mehr Geheimnisse und Uneindeutigkeiten bewahren als die Handlung.

Vom Raumschiff aus überwachen Meredith Vickers und Captain Janek den Erkundungstrupp

Bleibt zu hoffen, dass Scott mit „Alien – Covenant“ mehr zu den Wurzeln der Reihe zurückkehrt, zu absolutem Schrecken, bestehend aus der quälenden Ungewissheit über das abstrakte und unerbittlich wütende Fremde.

Woran ist dieses Wesen gestorben?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Ridley Scott sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Michael Fassbender in der Rubrik Schauspieler.

Der Androide David untersucht einen Kopf

Veröffentlichung: 25. Oktober 2013 als 3-Disc Edition (Blu-ray 3D, Blu-ray 2D, Bonus-Blu-ray), 7. Dezember 2012 als Teil der 5-Blu-ray- bzw. 7-DVD-Edition „Prometheus to Alien – Evolution“, als 4-Disc Collector’s Edition (Blu-ray 3D, Blu-ray 2D, Bonus-Blu-ray, DVD), Blu-ray und DVD

Länge: 124 Min. (Blu-ray), 119 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Originaltitel: Prometheus
USA/GB 2012
Regie: Ridley Scott
Drehbuch: Jon Spaihts, Damon Lindelof
Besetzung: Noomi Rapace, Michael Fassbender, Charlize Theron, Logan Marshall-Green, Idris Elba, Guy Pearce, Sean Harris, Rafe Spall, Emun Elliott, Benedict Wong
Zusatzmaterial: keine Angabe
Vertrieb: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Copyright 2017 by Simon Kyprianou

Fotos & Packshots: © 2017 Twentieth Century Fox Home Entertainment

 

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Das Morgan Projekt – Große Fußstapfen

Morgan

Von Andreas Eckenfels

SF-Horror // Von „Frankenstein“ über „Terminator“ zu „Ex Machina“ oder aktuell „Ghost in the Shell“: Die Erschaffung von künstlichen Lebensformen und die Gefahren, die sich dadurch ergeben, wenn der Mensch in die Evolution eingreift und Gott spielt, sind seit jeher fester Bestandteil des fantastischen Films. Dass sich auch Luke Scott in seinem Langfilmdebüt mit diesem ewigen Thema beschäftigt kommt nicht von ungefähr. Schließlich schuf sein Vater Ridley mit „Blade Runner“ einen filmischen Meilenstein, der sich ebenfalls mit philosophischen Fragen auseinandersetzte. Was macht das menschliche Wesen aus? Stellt die künstliche Intelligenz eine überlegene Daseinsform dar, die irgendwann die Menschheit ersetzen kann?

Nach einem Zwischenfall darf Morgan (v.) nicht mehr mit Amy raus in die Natur

Die Krisenmanagerin Lee (Kate Mara) wird auf einen abgelegenen Landsitz gerufen, wo ein außergewöhnliches Experiment im Gange ist: In dem angrenzenden Bunker steht Morgan (Anya Taylor-Joy) abgeschirmt hinter einer dicken Sicherheitsscheibe unter ständiger Beobachtung. Nichts deutet darauf hin, dass die junge Frau in dem grauen Kapuzenpullover etwas Besonderes ist. Doch Morgan ist erst fünf Jahre alt. Sie wurde durch Genmodifikation künstlich hergestellt. Die Wissenschaftler Simon Ziegler (Toby Jones) und Dr. Lui Cheng (Michelle Yeoh) haben Morgan erschaffen; Amy Menser (Rose Leslie) unterstützt sie bei ihrer Arbeit.

Lee soll feststellen, ob …

Doch die künstliche Lebensform verhält sich zunehmend aggressiv. Morgan hat eine weitere Wissenschaftlerin (Jennifer Jason Leigh) schwer verletzt, ihr mit einem spitzen Gegenstand ins Auge gestochen. Nach diesem Zwischenfall droht das Projekt zu scheitern. Lee soll nun evaluieren, ob das Experiment überhaupt noch tragbar ist oder ob die Organisation, die die finanzielle Unterstützung gewährleistet, nicht besser den Stecker beim „Morgan Projekt“ ziehen sollte.

Große Namen, schwaches Skript

Sein Talent konnte Luke Scott schon bei seinem Vater Ridley persönlich erproben. Er war als Regisseur der Second Unit bei „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ und „Exodus – Götter und Könige“ dabei. Ridley Scott ließ es sich natürlich nicht nehmen, an „Das Morgan Projekt“ als Produzent beteiligt zu sein. Dies ermöglichte es sicherlich auch, dass Luke Scott eine namhafte Darstellerriege verpflichten konnte. Allerdings kommen Jennifer Jason Leigh, Michelle Yeoh und Paul Giamatti kaum über die Rolle eines Gastauftritts hinaus. Dass auch die anderen Schauspieler bis auf Newcomerin Anya Taylor-Joy („The Witch“, „Split“) kaum glänzen können, liegt nicht an ihnen, sondern mehr am schwachen Drehbuch, welches weder den Figuren noch der Geschichte Platz zur Entfaltung gibt.

… die künstliche Intelligenz Morgan ein Sicherheitsrisiko darstellt

Eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit den oben genannten philosophischen Fragen darf man nicht erwarten. Zwar erfährt der Zuschauer ein paar Hintergründe über die Gentechnologie und die Erschaffung von Morgan. Aber im Grunde spielt es keine Rolle, ob die junge Frau ein künstlicher Mensch, ein Alien oder ein anderes unbekanntes Wesen ist, welches ein unkontrollierbares Risiko für die Menschheit darstellt.

Paul Giamatti als Psychiater

Denn erst nach der Befragung durch den von Giamatti gespielten Psychiater erfahren wir etwas mehr darüber, wie es mit Morgans Innenleben bestellt ist. Gleichzeitig kommt es dabei zu einem Bruch in der Handlung: Ist „Das Morgan Projekt“ in der ersten Hälfte ein ruhiges Science-Fiction-Drama, wandelt sich die Erzählung nun zum durchaus blutigen, nicht unspannenden, aber herkömmlichen Horrorplot inklusive Verfolgungsjagd durch die Natur und einem vermeintlich überraschenden Storytwist.

Dr. Alan Shapiro stellt Morgan ungemütliche Fragen

So gelingt es Luke Scott mit seinem Debüt nur ansatzweise zu zeigen, dass er von seinem prominenten Vater einiges gelernt hat. Der Sohn bleibt den Beweis schuldig, dass er das Zeug hat, einmal in die großen Fußstapfen des „Blade Runner“-Regisseurs zu treten. Im Geschäft bleibt er auch erst mal, da ihm Ridley Scott genügend Arbeit gibt: Nach „Das Morgan Projekt“ durfte Luke Scott den knapp fünfminütigen Prolog „Last Supper“ zum heißerwarteten „Alien – Covenant“ drehen, den Ihr auf dem YouTube-Kanal von Twentieth Century Fox ansehen könnt.

Was geht in Morgans Kopf vor?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Paul Giamatti sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 13. April 2017 als 4k-Ultra-HD, Blu-ray und DVD

Länge: 92 Min. (4k-Ultra-HD, Blu-ray), 88 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, u.a.
Untertitel: Deutsch, Englisch, u.a.
Originaltitel: Morgan
USA 2016
Regie: Luke Scott
Drehbuch: Seth Owen
Besetzung: Kate Mara, Anya Taylor-Joy, Rose Leslie, Michelle Yeoh, Paul Giamatti, Toby Jones, Michael Yare, Chris Sullivan, Jennifer Jason Leigh, Brian Cox
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Luke Scott, Der modifizierte Organismus: Die Wissenschaft hinter Morgan, Entfallene Szenen, Kurzfilm „Loom“ mit optionalem Kommentar von Luke Scott, Bildergalerie, Kinotrailer
Vertrieb: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels

Fotos, Packshot & Trailer: © 2017 Twentieth Century Fox Home Entertainment

 

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