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Gold in Neuguinea – Die Essenz des Abenteuerfilms

01 Okt

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Crosswinds

Von Ansgar Skulme

Abenteuer // Der Aussteiger Steve Singleton (John Payne) schippert mit seinem Boot durch die Gewässer Neuguineas. Auf der Suche nach neuen Abenteuern in der Südsee ist einer immer an seiner Seite: der treue Bumidai (Frank Kumagai). Eines Tages lernt Singleton den Geschäftemacher „Jumbo“ Johnson (Forrest Tucker) kennen, der ihn zu einer Expedition überredet. Dieses Abenteuer kostet Singleton sein Boot, doch während er noch auf der Suche nach dem Verantwortlichen ist, lernt er schon die nächsten Abenteurer (Alan Mowbray, John Abbott) kennen und sticht mit deren Boot zu einer Goldsuche in See. Die Spur zum Gold führt über die Witwe Katherine (Rhonda Fleming), vorbei an mordlustigen Eingeborenen – und da wo es was zu holen gibt, ist auch „Jumbo“ Johnson nicht weit.

„Gold in Neuguinea“ wurde von Pine-Thomas Productions realisiert; der Hauptdarsteller John Payne stand bei Pine-Thomas als Star unter Vertrag. Die Filme dieser Produktionsfirma wurden regelmäßig von Paramount in die Kinos gebracht und gelangten so an ein großes Publikum. John Payne legte besonderen Wert darauf, dass seine Filme in Farbe produziert wurden, und der vorliegende Streifen ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie viel das ausmachen konnte, gerade wenn es um Abenteuergeschichten aus exotischen Regionen der Erde geht. Zwar setzte man die herrliche Natur der Südsee ersatzweise in Florida in Szene, doch wenn die Flusslandschaften, umrandet von sattem Grün, in Technicolor erstrahlen, vergisst man schnell alles andere und wird in die Ferne entführt.

Ein Autorenfilm der etwas anderen Art

Wertet man es als Kriterium für einen Autorenfilm, dass Drehbuchautor und Regisseur ein und dieselbe Person waren, so ist „Gold in Neuguinea“ eine Art Autorenfilm: Zwar basiert er auf dem Roman „New Guinea Gold“ von Thomson Burtis, welcher ihn offenbar auch höchstselbst für diesen Film adaptierte, die weitere Arbeit vom Drehbuch bis zum fertigen Film lag dann allerdings in den Händen von Lewis R. Foster. Foster war bei den Dreharbeiten für den Western „El Paso – Die Stadt der Rechtlosen“ (1949) mit John Payne zusammengetroffen und inszenierte binnen nur zwei Jahren vier weitere Filme mit ihm – mit Ausnahme von „Käpt’n China“ (1950) alle in Farbe. „Gold in Neuguinea“ war nach den Western „Der Rebell von Mexiko“ (1950) und „Die Faust der Vergeltung“ (1951) der letzte dieser fünf Filme, markiert in der Filmografie Fosters gleichzeitig aber auch den Beginn einer Reihe von vier in direkter Folge erschienenen Abenteuern an exotischen Schauplätzen – alle in Farbe! Für „Hongkong“ (1952) und „Tropische Abenteuer“ (1953) arbeitete Foster erneut mit Rhonda Fleming zusammen, wobei statt John Payne nun Ronald Reagan den männlichen Hauptpart übernahm, als vierter Film folgte schließlich „Weiße Herrin auf Jamaica“ (1953) mit Ray Milland und Arlene Dahl. Bei sämtlichen der besagten Filme verfasste Foster auch selbst die Drehbücher, wenngleich nicht immer ohne Mitstreiter.

Fosters Abenteuer in Technicolor kommen, wenn nötig, mit recht einfachen filmischen Mitteln aus. Es ist ein wenig, als würde man in einen Groschenheft-Roman fallen wie Alice ins Wunderland und davon nicht mehr losgelassen. Fosters Filme zeigen aufs Wesentliche reduziert, warum Hollywood eine Traumfabrik war, und „Gold in Neuguinea“ ist das wahrscheinlich eindrucksvollste Beispiel unter seinen Abenteuerproduktionen, da der Film in mehrerlei Hinsicht auf ein Minimum reduziert scheint und seine Geschichte trotzdem stilsicher zu Ende erzählt.

Da werden Männerträume wahr – Frauenträume vielleicht auch!

In „Gold in Neuguinea“ treten nur sieben namentlich genannte Darsteller auf, viel mehr Rollen mit Dialog gibt es auch nicht. Im Grunde beschränkt sich die Bewegung der Figuren im Film darauf, dass Singleton zweimal den Fluss hinauf- und einmal auch wieder hinunterfährt, aber es steckt viel, viel mehr dahinter. Die Geschichte vereint etliche Motive, die Sehnsüchte nach Abenteuern deutlich werden lassen. Alle Charaktere sind Aussteiger, fernab der Zivilisation, selbst die Frau verstößt als Trinkerin gegen eine Grundregel des guten Geschmacks. Für Singleton ist der Traum vom Leben auf einem Boot Wirklichkeit geworden, an Land ist er nur noch ab und an. Er hat es geschafft – wenn man so will.

Zum Motiv des Aussteigers kommt die Abenteuerlust, die Risikofreude, sich in der Nähe gefährlicher Eingeborener und wilder Tiere herumzutreiben, obwohl es sich anderswo viel sicherer leben ließe. Diesen positiven Leichtsinn teilen alle im Film auftauchenden Figuren. Dann ist da ein Steckenpferd, ein großes Hobby, eine Passion – für Singleton ist es sein Boot, dessen Verlust ihn mehr trifft als ihn alles andere hätte treffen können, für Bumidai ist es die bedingungslose Treue und Freundschaft zu seinem Chef. Freundschaft – ein unverzichtbares Gut bei jedem Abenteuer und am liebsten besteht man seine Abenteuer schließlich gemeinsam mit seinen besten Freunden. Freundschaft entsteht in diesem Film aber auch unter ehemaligen Feinden und Gegner raufen sich zusammen, um gemeinsam ihr Ziel zu erreichen. Die Umstände in der Wildnis lassen die Menschen über sich hinauswachsen und über ihre Schatten springen – ein die Gemeinschaft würdigendes und stärkendes Motiv. Dazu gibt es waghalsige Kämpfe über Wasser und heikle Tauchmissionen unter Wasser. Egal in welche Richtung man schaut, ob nach oben zum Flugzeug am Beginn des Films oder später nach unten in die Gewässer, nach rechts oder links zu korrupten Amerikanern oder den noch gefährlicheren Eingeborenen – überall lauert das Abenteuer. Und nicht zuletzt findet sich das uralte Motiv der Schatzsuche in doppelter Ausfertigung, erst eine Suche nach Perlen, dann nach Gold.

Ein Kammerspiel als Freilichttheater – ganz ohne Bühne

Kurzum: „Gold in Neuguinea“ ist wie ein Abenteuerurlaub, der sinngemäß alles bietet, was man sich als junger Teenager immer an Abenteuer gewünscht und als Erwachsener (möglicherweise völlig zu Recht) nicht mehr getraut hat. Kein Kinderfilm, sondern ein Film für das Kind im Erwachsenen – eine Art Abenteuermärchen gewissermaßen. So ein Film braucht auch keine auffälligen Kameraeinstellungen, genauso wenig wie ein Märchenfilm nach den Gebrüdern Grimm sie nötig hat. Entscheidend sind Handlung, Figuren und Schauplätze, die unsere Abenteuerlust ansprechen müssen. Dass dieser Film zudem mit so einem kleinen Schauspielerensemble auskommt, welches den kompletten dramaturgischen Konflikt der Story gewissermaßen unter sich ausmacht, lässt das Gesehene umso griffiger erscheinen. Die wenigen Protagonisten sind sehr charismatisch, teilweise nah an Figuren aus einer Fabel – ein durchaus wichtiger Aspekt für so ein Abenteuermärchen. Eine Überzeichnung der Figuren darf hier sein, muss es bei so einer Geschichte vielleicht sogar.

Durch die kammerspielartige Figurenkonstellation und die Tatsachen bedingt, dass der Film über weite Strecken auf einem Boot bzw. an Anlegeplätzen oder in deren Nähe spielt, hat der Film etwas von Theater. Mag er von den filmischen Stilmitteln her noch so einfach wirken, so kann man die Erzählweise dennoch als ähnlich der eines Theaterstücks sehen, das allerdings die Fesseln der Bühne gesprengt hat und statt Kulissen echte Natur zeigt. Wohlgemerkt: All das würde nicht annähernd so gut wirken, hätte man den Film nicht in Farbe gedreht, denn erst dadurch wird der kindliche Traum vom Abenteuer in der Traumfabrik filmische Wirklichkeit für Erwachsene. Und auch die Spielfreude der Darsteller macht gerade bei einem kleinen Ensemble ohne Zweifel viel aus. Der Film schafft es, dass man am Ende zu jedem hält, egal wie negativ sich manch einer zuvor verhalten hat – das Abenteuer hat gestandene Menschen aus allen Schatzsuchern gemacht. Ohne überzeugende Schauspielerleistungen würde das nicht funktionieren, Sympathie mit den Figuren kommt nicht von allein. Besonders unterhaltsam und ziemlich ungewöhnlich sind selbstredend Alan Mowbray und John Abbott als äußerst ungleiches Galgenvogel-Duo auf der Jagd nach dem Gold; die Geschichte allerdings steuert beide auf eine durchaus überraschende Eskalation zu. Vorhersehbar ist der Film beim besten Willen nicht immer, schnörkellos allerdings bleibt er konsequent.

Exotisch, bunt, eskapistisch

Wer an den Technicolor-Abenteuerfilmen von Lewis R. Foster Gefallen findet, dieser stets schnörkellos erzählten, farbenfrohen Reise in exotische, ferne Kulturen, die fantasievoll mit Hilfe der Studios und heimischer Natur zum Leben erweckt wurden, der sollte sich auch einmal die farbigen Genrebeiträge von Edward Ludwig ansehen. Ludwigs Filmografie weist in der ersten Hälfte der 50er-Jahre einige Parallelen zu Fosters Filmografie auf. Seine Filme „Piraten von Macao“ (1951) mit Jeff Chandler, „Die Geliebte des Korsaren“ (1952) mit John Payne und „Der Schatz der Jivaro“ (1954) mit Fernando Lamas bewegen sich stilistisch und inhaltlich auf einer vergleichbaren Ebene wie Foster. Ferner drehte Ludwig mit Payne auch das Waldbrand-Abenteuer „Flucht vor dem Feuer“ (1952) und den Western „Geknechtet“ (1953) – bei beiden war Lewis R. Foster einer der Drehbuchautoren. Derartige Regisseure bilden die Essenz des B-Abenteuerfilms in den 50er-Jahren, da sie es verstanden, die Einfachheit und simple Faszination von Groschenheft-Romanen und damit vergleichbaren Geschichten in äquivalentes filmisches Erzählen zu übertragen. Das ist Unterhaltungskino in Reinkultur, bei dem der Regisseur letztlich ganz im Dienst der Geschichte und der erzählten Welt steht – sogar wenn er selbst das Drehbuch verfasst hat. Je mehr man vergisst und träumt und je weniger man durch immer wiederkehrende Stilmittel daran erinnert wird, wer der Regisseur ist, desto besser sind diese Filme. Die Regisseure treten sehr weit hinter die Geschichte zurück, was das Eintauchen für den Zuschauer umso einfacher macht, denn die Bilder, die Schauspieler, die Handlungs- und Drehorte sowie die Klänge sind genug, um in den Geschichten wandeln zu können. Es handelt sich hierbei nicht um Kunst zweiter Klasse, sondern um ein filmisches Erzählen der eher demütigen Art – Filme, in denen es eigentlich nur um die Geschichte mitsamt ihrer Figuren und Schauplätze geht und bei denen die Farbe an sich ein Stilmittel ist, das den Exotismus befördert. Alle anderen Aspekte, seien sie stilistisch oder künstlerisch motiviert, ordnen sich dem unter.

Eine Rarität mit Perspektive, eine zu bleiben

Da Paramount seit einigen Jahren keine Klassiker mehr in Deutschland veröffentlicht, allerdings auch keine Rechte an andere Labels abtritt, steht in den Sternen, wann es dieser Film einmal zu uns schaffen wird – nur im Pay-TV wurde er hin und wieder gezeigt. Auch in den USA ist „Gold in Neuguinea“ lediglich über „Amazon Video“ abrufbar, aber nicht als DVD zu erwerben. Die deutsche Synchronfassung mit Curt Ackermann als Sprecher von John Payne, Hans Hinrich in der Rolle des „Jumbo“ Johnson und einem seine Stimme ungewöhnlich tief drückenden Erich Fiedler – besser bekannt als jahrelange deutsche Stimme von Robert Morley –, der mit tiefer Stimmlage das Gewicht von Alan Mowbray erst einmal herstellen musste, ist sehr gelungen. Sie macht das Abenteuer auch auf Deutsch zu einem träumerischen, nicht nur nostalgischen Erlebnis.

Länge: 95 Min. (Kino)
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Crosswinds
USA 1951
Regie: Lewis R. Foster
Drehbuch: Lewis R. Foster, nach einem Roman von Thomson Burtis
Besetzung: John Payne, Rhonda Fleming, Forrest Tucker, Alan Mowbray, John Abbott, Robert Lowery, Frank Kumagai
Verleih: Paramount Pictures

Copyright 2016 by Ansgar Skulme

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