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Howard Hawks (II): Rio Bravo – Erschöpfte Männer am Ende ihres Wegs

14 Jan

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Rio Bravo

Von Simon Kyprianou

Western // Was für ein brutaler Film, beginnend schon direkt zu Beginn mit dem Mord, der die Geschichte überhaupt auslöst: Ein Beistehender will den Verbrecher Joe Burdette (Claude Akins) davon abhalten Sheriff John T. Chance (John Wayne) umzubringen, hält ihn am Arm zurück, Burdette dreht sich um, zieht seine Pistole, Bang, tot. Regisseur Howard Hawks demonstriert: Sterben ist im Western nichts Besonderes, gehört eben zum Tagesgeschäft dazu. Diese Beiläufigkeit lässt den Moment des Sterbens viel grausamer, viel brutaler wirken als beispielsweise die Duelle in den Italo-Western, die ja oft zu Prozessionen hochstilisiert werden. Nicht so bei Hawks, in seinem Film wird einfach gestorben, der Tod nimmt den Menschen die Würde, kein klagender Soundtrack, nichts, was dem Tod eine Art von Erhabenheit verleihen könnte.

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Sheriff Chance muss …

Sowieso ist „Rio Bravo“ ein Film über Männer die dem Tod ins Auge blicken müssen. Heillos in Unterzahl verbarrikadieren sich Chance, sein Hilfssherriff Dude (Dean Martin) und der greise Stumpy (Walter Brennan) im Sheriffs-Büro, die Stadt voll mit Revolverschwingern, die nur darauf warten, die drei abzuknallen. Es sind die Männer des Ranchers Nathan Burdette (John Russell), dem Bruder des Inhaftierten. Zu den drei Gesetzeshütern gesellt sich der junge Colorado (Sänger Ricky Nelson). Stoisch und nüchtern beschreibt der Film den Weg hin zur unabwendbaren Konfrontation, virtuos verdichtet auf drei Tage und eine kleine Stadt, als wolle Hawks die Essenz des Genres in diesem Film darstellen. Auch in diesem Weg hin zur alternativlosen Gewalt liegt eine große Härte, die Hawks in seinem verspielten Film verbirgt.

„El Dorado“ und „Rio Lobo“ mit ähnlicher Story

Die Geschichte ist so simpel und dabei so gut, es ist kein Wunder, dass Hawks sie gleich drei Mal verfilmt hat: im ebenfalls sehr guten „El Dorado“ 1967 und im weniger gelungenen „Rio Lobo“ 1970, beide ebenfalls mit John Wayne in der Hauptrolle. Über die Figuren hat Dominik Graf geschrieben: „Erschöpfte Männer am Ende des Wegs. Klassisch wie antike Statuen“. Und ja, die drei Männer sind in der Tat am Ende des Wegs, und sie wissen das auch selbst: Dude ist durch Liebe und Alkohol zum Wrack geworden und weiß genau, dass er nie wieder etwas taugen wird, dass sein Leben verschwendet ist. Stumpy ist ein alter Krüppel und Chance hat seine besten Jahre auch schon hinter sich gelassen. Viel erreicht hat er nicht, einzig seine Arbeit scheint ihm etwas zu bedeuten, als Sheriff ist er ein Profi. Insofern kann man Chance sicher als Blaupause für viele Michael-Mann-Figuren lesen.

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… mit dem jungen Colorado (l.) und Hilfssheriff Dude den Gefangenen verteidigen

Ebenfalls erschöpft und am Ende ihres Wegs ist Feathers (Angie Dickinson), die mit der Postkutsche in die Stadt kommt, und auch eine bewegte, verlustreiche Vergangenheit hinter sich hat. Erst wenn Chance und sie sich ineinander verlieben – es ist dabei gerade das Verletztsein, das die Verbindung zwischen ihnen herstellt –, scheint er den ihm drohenden Tod wirklich zu fürchten. Es ist wunderschön anzusehen, wie Hawks dieses widerwillige Verlieben dieser beiden vom Leben gebeutelten Figuren inszeniert, die die Hoffnung auf Liebe für sich eigentlich schon aufgegeben haben und für die es eine wirkliche Überwindung ist, sich doch noch einmal einem anderen Menschen zu öffnen.

Große Schauspielkunst von John Wayne und Dean Martin

Über John Waynes Spiel könnte man ewig schreiben, jede seiner Szenen lädt er auf, von ihm gehen eine unheimliche Kraft und eine Spannung aus, die sich auf den Film überträgt. Die wichtigen Dinge, die muss er nicht aussprechen, die kann man ihm ansehen: dass Chance ständig unter Spannung steht, mit sich ringt, dass er Angst hat. Wayne spielt ja auch meist Figuren, die ihre Gefühle, ihre inneren Zustände nicht artikulieren, auch Chance ist ein solcher Charakter. Dean Martin ist ebenfalls fantastisch, man braucht ihn nur anzusehen und weiß schon, dass es Dude wirklich beschissen geht.

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Alkoholiker Dude versucht derweil verzweifelt, endlich trocken zu werden

Rio Bravo ist wahrscheinlich einer der wirklich wichtigen Filme für viele Regisseure, Michael Mann, John Carpenter, Quentin Tarantino, Walter Hill, John Frankenheimer, Dominik Graf, die Liste ließe sich sicher fortführen. Eben „klassisch wie antike Statuen“, wie Dominik Graf sagt, und darum für die Ewigkeit.

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Die kesse Feathers lässt ihre Reize spielen

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Howard Hawks sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

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Die Stadtbewohner wollen Chance (l.) gegen die Gangster helfen

John Wayne bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Der große Treck (1930)
Der lange Weg nach Cardiff (1940)
Red River (1948)
Rio Bravo (1959)
Land der tausend Abenteuer (1960)
Die Comancheros (1961)
El Dorado (1967, Rezension folgt in Kürze)
Die Unbesiegten (1969)
Der letzte Scharfschütze (1976)

Veröffentlichung: 12. November 2015 als Blu-ray im Steelbook, 2. Dezember 2001 als Blu-ray, 2. September 2008 als Premium Edition 2-Disc Set DVD, 8. Juni 2007 als 5. Juni 2007 als 2-Disc Special Edition DVD in Holzbox, als 2-Disc Special Edition DVD, 30. August 2001 als DVD

Länge: 141 Min. (Blu-ray), 136 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch u. a.
Untertitel: Deutsch, Englisch u. a.
Originaltitel: Rio Bravo
USA 1959
Regie: Howard Hawks
Drehbuch: Jules Furthman, Leigh Brackett, nach einer Kurzgeschichte von B. H. McCampbell
Besetzung: John Wayne, Dean Martin, Ricky Nelson, Angie Dickinson, Walter Brennan, Ward Bond, John Russell, Claude Akins
Zusatzmaterial: keine Angabe
Vertrieb: Warner Home Video

Copyright 2016 by Simon Kyprianou

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Fotos: © 1959 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved, Courtesy Warner Home Video, Packshots: © Warner Home Video

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