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Captain Kronos – Vampirjäger: Der Bastian bei Hammer Films

29 Mai

Captain Kronos – Vampire Hunter

Von Volker Schönenberger

Horror // Grausame Todesfälle suchen Anfang des 19. Jahrhunderts die Gegend um eine englische Ortschaft heim. Hübsche junge Frauen altern urplötzlich zu Greisinnen, bevor sie ihren letzten Atemzug tun. Der Landarzt Dr. Marcus (John Carson) steht vor einem Rätsel. Er ruft Captain Kronos (Horst Janson) zu Hilfe, einen alten Weggefährten aus Kriegstagen. Der bringt Professor Hieronymus Grost (John Cater) mit. Der Gelehrte vertritt schnell die Auffassung, man habe es mit einer besonderen Form des Vampirismus zu tun.

Strahlender Held: Captain Kronos reitet ein

„Captain Kronos – Vampirjäger“ sollte Auftakt einer Filmreihe oder zumindest TV-Serie mit Abenteuern des Titelhelden werden. Im Booklet der Blu-ray ist zu lesen, dass Regisseur Brian Clemens ein zeitreisender Vampirjäger vorschwebte, der ähnlich wie „Doctor Who“ verschiedene Menschheitsepochen anzusteuern in der Lage ist. Der finale Abgang der beiden Vampirjäger Kronos und Grost deutet auch an, dass die beiden zu neuen Abenteuern aufbrechen, der finanzielle Misserfolg des Films erstickte dieses Vorhaben jedoch im Keim und beschleunigte den Niedergang der Produktionsfirma Hammer Films. Bedauerlich, liefert die Titelfigur mit Mantel-und-Degen-Elementen doch einen originellen Beitrag zum Vampirgenre. Auch das gar nicht so häufige, aber zum Vampirmythos trefflich passende Motiv des Aussaugens der Jugend trägt dazu bei, dass „Captain Kronos – Vampirjäger“ heute als eigenständiger Genrebeitrag gewürdigt wird.

Begegnung auf dem Friedhof

„Landarzt Dr. Brock“, „Salto Mortale“ und vor allem „Der Bastian“ – ab Mitte der 1960er-Jahre wurde Horst Janson hierzulande als TV-Serienstar überaus populär. Seine Rolle in Helmut Käutners Komödie „Das Glas Wasser“ an der Seite von Gustav Gründgens und Liselotte Pulver hatte ihm 1960 erstmals breite Aufmerksamkeit verschafft. Nicht ganz so bekannt ist in Deutschland, dass er ab 1970 in einigen internationalen Produktionen mitwirkte, beginnend mit der Actionkomödie „Zwei Kerle aus Granit“ (1970) mit Charles Bronson und Tony Curtis sowie den Kriegsdramen „Ausbruch der 28“ (1970) und „Das Wiegenlied der Verdammten“ (1971) mit Peter O’Toole. Bemerkenswert sind auch seine Auftritte in Ducio Tessaris Italo-Western „Zwei Galgenvögel geben Zunder“ (1971) mit Franco Nero und Eli Wallach sowie im Kriegs-Actioner „Steiner – Das Eiserne Kreuz II“ (1979) mit Richard Burton, Rod Steiger, Robert Mitchum, Helmut Griem und Curd Jürgens.

Horst Janson spricht sich selbst

Jansons Titelrolle in „Captain Kronos – Vampirjäger“ ist vielleicht der schillerndste Part in seiner Filmografie. Obwohl mit anständigen Englischkenntnissen ausgestattet, ließen die Produzenten seine Rolle in der englischen Sprachfassung synchronisieren. Erst für die 2004 anlässlich der hiesigen DVD-Veröffentlichung erstellte deutsche Synchronisation durfte Janson sich selbst vertonen. Sein Captain Kronos hat etwas von einem einsamen Revolverschwinger im Western, was besonders deutlich in einer Szene in einer Taverne zum Ausdruck kommt, in der er sich gegen drei Schurken zur Wehr setzen muss. Die Auseinandersetzung wird nur eben nicht mit Revolvern ausgetragen, sondern mit Degen und Säbeln. Ein weiterer Fechtkampf auf einem Friedhof erinnert kurz sogar an das Friedhofsduell in „Django“ (1966). Kronos selbst trägt übrigens ein Katana, ein geschwungenes japanisches Langschwert.

Vampire kann man mit einem Holzpflock durchs Herz töten – oder etwa nicht?

Für Regisseur Brian Clemens (1931–2015) blieb „Captain Kronos – Vampirjäger“ die einzige Kino-Regiearbeit neben einer Folge der TV-Serie „Shooting Gallery“, die er 1995 inszenierte. Bekanntheit erlangte Clemens als Schöpfer von „Mit Schirm, Charme und Melone“ („The Avengers“, 1961–1969, 1976–1977). Auch für „Die Profis“ (1977–1983) zeichnet Clemens verantwortlich. Sein „Captain Kronos – Vampirjäger“ konnte trotz einiger typischer Hammer-Films-Qualitäten bezüglich Ausstattung, Kulissen und Horror-Atmosphäre den Niedergang der Produktionsfirma nicht aufhalten. Auch die Landschaftsaufnahmen überzeugen, besonders einige Sequenzen im Wald atmen herrlichen Grusel. Und die Story bleibt über die gesamten anderthalb Stunden mysteriös genug, um die Spannung aufrechtzuerhalten.

Hilft das Kreuz am Schwert?

Die 15. Hammer-Films-Blu-ray von Anolis Entertainment hält das übliche Niveau der Reihe: Zur Wahl stehen das Mediabook in zwei Covervarianten und die Softcase-Version. Allein die vier (!) Audiokommentare bieten Informationen satt, unter anderem befindet sich ein neuer, exklusiv für diese Edition produzierter Audikommentar darunter, für den das Label Horst Janson persönlich gewinnen konnte – die Moderation übernahm Anolis-Stammexperte Uwe Sommerlad. Ein mehr als einstündiges Interview, das Sommerlad 2003 mit Janson geführt hat, ergänzt den Audiokommentar formidabel. Hinzu kommen ältere Boni und beim Mediabook ein üppig bebildertes 28-seitiges Booklet mit lesenswerten Texten von Sommerlad Dr. Rolf Giesen. Da auch Bild- und Tonqualität den gewohnt hohen Anolis-Standard halten, wird der geneigte Hammer-Films-Sammler nicht umhinkommen, die Blu-ray von „Captain Kronos – Vampirjäger“ zu erwerben. Auch wer sich auch nur entfernt dafür interessiert, wie sich die letzten Ausläufer des klassischen britischen Horrorkinos in den 70ern geschlagen haben, wird an der Veröffentlichung seine Freude haben. Und Horst-Janson-Fans sowieso.

Uwe Sommerlad (l.) und Horst Janson haben für die Blu-ray einen neuen Audiokommentar eingesprochen

Veröffentlichung: 2. Juni 2017 als Blu-ray im limitierten Mediabook (in zwei Covervarianten) und Blu-ray, 1. April 2004 als DVD

Länge: 91 Min. (Blu-ray), 87 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Captain Kronos – Vampire Hunter
GB 1974
Regie: Brian Clemens
Drehbuch: Brian Clemens
Besetzung: Horst Janson, John Carson, Shane Briant, Caroline Munro, John Cater, Ian Hendry, Wanda Ventham, Robert James, William Hobbs, Brian Tully, Lois Daine
Zusatzmaterial: Audiokommentare: 1) Shane Briant, John Carson, Caroline Murno, Brian Clemens, Marcus Hearn; 2) Brian Clemens, Ian Wilson, Marcus Hearn; 3) Horst Janson, Uwe Sommerlad; 4) Dr. Rolf Giesen, Volker Kronz, Interview mit Horst Janson (2003), Captain Kronos Reunion, britischer Kinotrailer, Comic, britischer Werberatschlag, US-Presseheft, Filmprogramm, Bildergalerien, nur Mediabook: 28-seitiges Booklet mit Texten von Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad, nur Softcase-Version: Wendecover
Vertrieb Blu-ray: Anolis Entertainment
Vertrieb DVD: E-M-S

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

Fotos & Packshots: © 2017 Anolis Entertainment

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