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The Greasy Strangler – Der Bratfett-Killer: Witzig-absurdes Schmierentheater

30 Mai

The Greasy Strangler

Von Andreas Eckenfels

Groteske // Wenn man als Jungregisseur für seinen ersten Langfilm „Der Herr der Ringe“-Star Elijah Wood und „High Rise“-Regisseur Ben Wheatley als Produzenten gewinnen kann, dann ist das eine große Ehre. Diesen Vertrauensvorschuss konnte der britische Filmemacher Jim Hosking mit „The Greasy Strangler – Der Bratfett-Killer“ auch prompt zurückzahlen.

Big Brayden (l.) und Big Ronnie zeigen Touristen besondere Orte aus der Disco-Ära

Seit der Premiere auf dem Sundance Film Festival 2016 erntete sein skurriles Spielfilmdebüt Lob und Anerkennung, wurde hierzulande im gleichen Jahr auch auf dem Fantasy Filmfest gezeigt und erlebte 2017 seinen Höhepunkt, als „The Greasy Strangler“ von den Lesern des renommierten Filmmagazins Empire zur besten Komödie des Jahres gewählt wurde. Wer allerdings eine Gagparade im klassischen Sinne erwartet, könnte mit Hoskings Werk Probleme bekommen. Denn es gibt durchaus einige unappetitliche Szenen in dieser unkonventionellen Vater-Sohn-Groteske zu überstehen, die aufgrund einiger Geschmacklosigkeiten angetan sind, zartbesaiteten Gemütern auf den Magen zu schlagen.

Vater und Sohn – und jede Menge Bratfett

Big Ronnie (Michael St. Michaels) und sein erwachsener Sohn Big Brayden (Sky Elobar) leben in einer heruntergekommenen Bude in Los Angeles. Die Mutter hat die Familie schon lange verlassen. Beide halten sich als Tour-Guides über Wasser: Sie zeigen ahnungslosen Touristen die Örtlichkeiten, wo Größen aus der Disco-Ära angeblich gelebt, gearbeitet oder gefeiert haben. Auf einer dieser Touren lernt Big Brayden die attraktive Janet (Elizabeth De Razzo) kennen. Unter der Beziehung leidet Big Ronnie gewaltig. Er fühlt sich von seinem Sohn zunehmend vernachlässigt. Jetzt muss er sich sein geliebtes Brattfett allein besorgen – er tunkt darin all seine Speisen. Big Ronnie beschließt deshalb, es seinem Sohn ordentlich heimzuzahlen, und versucht, ebenfalls bei Janet zu landen. Derweil hält die Stadt eine Mordserie in Atem. Der Täter wird „Bratfett-Killer“ genannt, weil er seinen Körper komplett mit Fett überzogen hat …

Der Bratfett-Killer greift an!

Wer Hoskings Episode „G is for Granddad“ aus dem Horror-Anthologiefilm „The ABCs of Death 2“ (2014) kennt, kann sich in etwa vorstellen, was ihn bei „The Greasy Strangler – Der Bratfett-Killer“ erwartet. Seine Protagonisten laufen gern nur in ihren Unterhosen herum – und besonders der ältere Herr lässt auch mal die Hosen runter. Im Gegensatz zum Kurzfilm ist auch Big Ronnies bestes Stück einige Male zu sehen. Auch wenn es sich dabei nur um eine übergroße, für den Film angefertigte Prothese handelt, mag dies auf manche Zuschauer ebenso abstoßend wirken wie jene Szenen, in der der Vater sein Hinterteil in die Höhe streckt und einen ordentlichen Wind daraus verbreitet.

Bizarrer Mikrokosmos

Aber man muss Hoskings zugutehalten, dass sein Film trotz zahlreicher bizarrer Momente nie komplett ausartet; zu keiner Komödie ekelhafter Peinlichkeiten verkommt. Denn innerhalb dieses Mikrokosmos, den Hosking um seine Vater-und-Sohn-Geschichte entwickelt, funktioniert das alles prächtig. Auch die anderen Gestalten, die diese Welt bevölkern, benehmen sich relativ normal, sehen nur eben etwas anders aus oder bevorzugen einen eigenwilligen Kleidungsstil. So tragen Vater und Sohn während ihrer Touren pinkfarbene Pullover und ein Freund von Big Brayden läuft mit einer Schweinsnase herum. Es erscheint dann auch nicht mehr seltsam, wenn der Bratfett-Killer eines seiner Opfer erwürgt und dessen Augen dabei comichaft überzeichnet aus den Höhlen herauspoppen. Später wird sich der Mörder dann in einer Autowaschanlage das Fett von seinem Körper abwaschen lassen und die Augen genüsslich verspeisen.

Big Brayden und Janet kommen einander näher

Nicht jeder wird mit „The Greasy Strangler – Der Bratfett-Killer“ etwas anfangen können. Häufig fragt man sich in einigen Szenen, was da wohl im Kopf des Regisseurs vorgegangen sein mag – oder in seiner Kindheit falsch gelaufen ist. Doch wer Jared Hess’ Kultfilm „Napoleon Dynamite“ (2004) ebenso mag wie die Werke von John Waters oder Monty Python, der sollte auch diesem witzig-absurden Schmierentheater eine Chance geben. Welche bizarr-grotesken Filmerlebnisse könnt Ihr nennen?

Aber auch Big Ronny macht Janet recht deutliche Avancen

Veröffentlichung: 1. Juni 2017 als Blu-ray und DVD

Länge: 93 Min. (Blu-ray), 90 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: The Greasy Strangler
USA 2016
Regie: Jim Hosking
Drehbuch: Jim Hosking, Toby Harvard
Besetzung: Michael St. Michaels, Sky Elobar, Elizabeth De Razzo, Gil Gex, Abdoulaye NGom, Holland MacFallister, Joe David Walters
Zusatzmaterial: Trailer
Vertrieb: Tiberius Film

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels

Fotos, Packshot & Trailer: © 2017 Tiberius Film

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20 Antworten zu “The Greasy Strangler – Der Bratfett-Killer: Witzig-absurdes Schmierentheater

  1. Mike Hennig

    2017/06/24 at 17:47

    Wer bizarre Filmerlebnisse sucht, ist eigentlich mit dem japanischen Film gut bedient. Mein erstes Erlebnis dieser Art hatte ich mit Tetsuo The iron Man, von dem ich immer noch die hübsche DVD-Edition aus dem Hause Rapid Eye Movies in meiner Sammlung habe. Auch die früheren Filme eines Takashi Miike sind in dieser Hinsicht eine Sichtung wert. Man nehme da zum Beispiel Izo, der so herrlich bizarr schräg ist. Wesentlich unblutiger, jedoch nicht weniger schräg, geht es da in Save the green Planet zu, einer ziemlich verrückten Alienjagd aus Korea. So könnte ich jetzt wahrscheinlich noch stundenlang über den asiatischen Film schreiben, beschränke mich jetzt aber auf die genannten Titel.

     
  2. Dirk

    2017/06/24 at 14:47

    Loool. Meet the Feebles war auch gerade mein erster Gedanke. Ansonsten noch letztens Sightseers gesehen, der passt auch recht gut.

     
  3. Robert Jost

    2017/06/24 at 07:45

    Spontan fällt mir jetzt „Meet the Feebles“ ein.

     
  4. Adrian

    2017/06/23 at 21:16

    Jodorowsky’s „The Holy Mountain“ fällt mir spontan ein…

     
  5. Michael Behr

    2017/06/23 at 20:07

    Ich mag ja die Killerspermaepisode aus „Chillerama“ ganz gern.

    Und dann möchte ich leise und vor Angst zuckend den Namen Jochen Taubert in den Raum schmeißen …

     
  6. Ingo Maaßen

    2017/06/23 at 18:26

    Eigentlich kann man da fast jeden Monty-Python-Film nehmen, mir schwirrt grad „Der Sinn des Lebens“ durch den Kopf!!!
    Und ich schließe mich gumbi88 an, „The Zero Theorem“ fand ich auch sehr bizarr!

     
  7. Michael Werner

    2017/06/23 at 17:40

    Ich glaube, der bizarrste Hirnfick den ich je gesehen habe, ist der heilige Berg von Alejandro Jodorowsky.

     
  8. Claudia benz

    2017/06/23 at 17:29

    The Rocky Horror picture Show hat mich Mega gebrägt als Kind und auch der bratfettkiller bereits gesehen ist Mega wär froh wenn ich ihn gewinnen würde

     
  9. René weise

    2017/06/23 at 15:51

    Guest house Paradiso…herrlich schräger Nonsens, aber auch mad circus war toll

     
  10. Sven Plog

    2017/06/23 at 14:54

    Brazil gehört für mich zu den größeren Mindfucks der Kinogeschichte, beleidigt den Zuschauer aber nicht.
    Als langjähriger FFF Gast gab es aber natürlich weitere Beispiele, Klassiker wie Primer und Cube neben Neuheiten wie ABC of Superheroes

     
  11. Petra Dietrich

    2017/06/23 at 13:15

    Ich habe den Film “ Der Bratfett Killer“ noch nicht gesehen, „Napoleon Dynamite“ ist anscheindend auch an mir ungesehen vorbei gegangen.
    Monty Python und Bad Grandpa fand ich aber richtig lustig und möchte deshalb, auch den Film „Der Bratfett Killer“ gerne sehen.
    Vielen Dank für die tolle Aktion.

     
  12. Jens Langer

    2017/06/23 at 11:23

    Ich fand ja persönlich Mad Circus grandios 🙂 hat mich voll überrascht der Film mit seiner versteckten Gesellschaftskritik. Auf jeden Fall nicht für jeden was aber mir hat er zugesagt.

     
  13. Dirk Busch

    2017/06/23 at 09:38

    So auf anhieb fällt mir da Mad Circus & ein weiterer spanischer Film,wo ein Mädchen im Gesicht ein Arschloch hat,ein.Leider fällt mir der Titel grad nicht ein.

     
  14. Claudia

    2017/06/23 at 08:55

    Mann beißt Hund

     
  15. Michelle Mondon

    2017/06/23 at 07:13

    Wenn es absurd werden soll, muss man meistens nur nach Asien gucken, „Shaolin Soccer“ zum Beispiel.

     
  16. teamo

    2017/06/23 at 06:58

    Ein Film mit der bizzaren Grundidee der Vagina Dentata ist TEETH. Zusammen mit dem durchgängig schlechtem bis mittelmäßigem Cast ist das schon fast Edel-Trash. Mit einem absolut ruhigen Erzähltempo wird es spätestens nach dem Grillabend direkt neben dem Atomkraftwerk unfreiwillig komisch.

     
  17. Björn Albers

    2017/06/23 at 06:24

    Einer der Höhepunkte des bizarren Kinos ist für mich immernoch „Rubber“, der Killerreifen Fulm von Quentin Dupieux, auch bekannt als Elektro-Künstler Mr. Oizo.

     
  18. gumbi88

    2017/06/23 at 06:12

    Mir ist da gleich spontan Terry Gilliams „The Zero Theorem“ ein. Sehr bizarres Werk, das ich zwar letztendlich nicht „mochte“ aber dennoch seine Eigenartigkeit auf gewisse Weise bewundere.

     
  19. Daniela Schmitz

    2017/06/23 at 05:59

    Ein Filmerlebnis ist ja für jeden Zuschauer ein individuelles Ereignis. Deshalb möchte ich hier keinen speziellen grotesken Film nennen, sondern Berichte von einem Filmerlebnis, dass ich auch nach mehr als 17 Jahren nicht vergessen habe. Damals, als man YouTube noch nicht kannte, lebte der Horrorfilm von Mund zu Mund Propaganda. So sichtete ich auf anraten einer Freundin Jörg Buttgereits Nekromantik.
    Dieser Film hatte eine solch abstoßende Wirkung auf mich, dass ich fortan den deutschen Horrorfilm hasste. Dennoch schaute ich bis vor einigen Jahren immer wieder deutsche Filme, ich erinnere mich an einen Dialog zwischen einer entführten Dame, die in ihrem Verließ auf eine mumifizierte Leiche trifft:“Sind Sie auch entführt worden?“

    Kurzum:

    Der deutsche Horrorfilm ist für mich immer wieder ein bizzares Erlebnis.

     
  20. Tomasz Kordula

    2017/06/23 at 05:30

    Denis Villeneuves „Enemy“ hatte bei der Erstsichtung eine sehr bizarre Wirkung auf mich. Aber der Film ist durch und durch ein fantastischer Film!

     

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