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Keine Gnade für Ulzana – Abtrünnige Apachen in Arizona

15 Nov

Ulzana’s Raid

Von Volker Schönenberger

Western // Ulzanas Raubzug hat es tatsächlich gegeben. Ulzana (1821–1909) von der Apachen-Stammesgruppe der Chiricahua zog 1885 von Mexiko aus mit einigen Mitstreitern marodierend durch Arizona.

Lieutenant DeBuin (M.) und seine Leute sollen Ulzana ausschalten

„Keine Gnade für Ulzana“ beginnt mit der Nachricht, der Apache habe die San Carlos Apache Indian Reservation verlassen und sei auf dem Kriegspfad. Der junge Lieutenant Garnett DeBuin (Bruce Davison) erhält den Auftrag, eine Schar Soldaten anzuführen und Ulzana (Joaquín Martínez) unschädlich zu machen. Die erfahrenen Scouts McIntosh (Burt Lancaster) und Ke-Ni-Tay (Jorge Luke) – letztgenannter vom selben Stamm wie der Verfolgte – begleiten den Trupp. Der unerfahrene Lieutenant DeBuin muss schnell merken, wie grausam die Apachen vorgehen.

Ulzanas brutale Guerilla-Taktik

Neben Burt Lancaster, der sein berühmtes breites Grinsen zugunsten einer stoischen Haltung beiseite gelegt hat, und dem jungen Bruce Davison (1991 für „Freundschaft fürs Leben“ Oscar-nominiert) überzeugt auch Richard Jaeckel („Das dreckige Dutzend“), der einen Sergeant im Suchtrupp verkörpert. Zwar behält der Western über weite Strecken eine ruhige Gangart bei, das ändert aber nichts daran, dass seine Intensität stetig steigt. Jäger und Gejagte – wir haben es mit einem Katz-und-Maus-Spiel unter der gleißenden Sonne Arizonas zu tun. Gnade ist auf beiden Seiten ein Fremdwort, der New-Hollywood-Western kommt deutlich brutaler und blutiger daher als viele andere Vertreter. Da wird nichts glorifiziert, obgleich es auch an einer kritischen Behandlung des Umgangs der Weißen mit den Indianern mangelt. Das ultrabrutale Vorgehen der Apachen mag auch angetan sein, empfindsame Gemüter zu verstören. Aufgrund ihrer Guerilla-Taktiken lässt sich der Film vielleicht sogar als Vietnam-Kommentar interpretieren.

Der besonnene McIntosh führt den Trupp als Scout …

Bereits 1954 hatte Regisseur Robert Aldrich mit „Massai“ („Apache“) einen Indianer-Western gedreht und dort eine deutlich optimistischere Haltung an den Tag gelegt, auch wenn ihm der Schluss aufgezwungen worden war. Auch damals war Burt Lancaster dabei, er spielte den titelgebenden Apachen. „Keine Gnade für Ulzana“ zeigt sich ungleich räudiger und zynischer, gerade was das Verhalten der Apachen angeht. Individuell porträtiert werden allerdings nur die Verfolger, Ulzana und seine Männer lernen wir nicht wirklich kennen.

… und gerät ins Kreuzfeuer …

Weil Burt Lancaster inoffiziell viele Produzentenaufgaben übernahm, ließ er auch eine von ihm persönlich abgesegnete Schnittfassung anfertigen. Sie ist im Zusatzmaterial der Veröffentlichung von explosive media enthalten, wenn auch nur im 4:3-Format und in bescheidener Bildqualität – Bild und Ton der Aldrich-Fassung überzeugen qualitativ. Die Unterschiede zur unter dem Auge von Robert Aldrich entstandenen Fassung sind erkennbar, aber wohl nur von historischem Interesse, um eine unterschiedliche Haltung von Lancaster und Aldrich herauszuarbeiten.

Ulzana auch in der DDR

Ein Jahr nach „Keine Gnade für Ulzana“ entstand in der DDR der Western „Apachen“ mit Gojko Mitić in der Rolle des Ulzana, dem ein weiteres Jahr später die Fortsetzung „Ulzana“ – ebenfalls mit Mitić – folgte. Diese beiden ostdeutschen Vertreter gehen eher als Kuriositäten durch. „Keine Gnade für Ulzana“ hingegen besticht durch seine so desillusionierte wie schonungslose Darstellung einer Jagd, die keine Sieger kennen wird.

… der Apachen

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Robert Aldrich sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Burt Lancaster unter Schauspieler. Welche dort noch nicht vermerkten Filme dieser beiden Herren sollen wir zusätzlich rezensieren?

Es gibt kein Entrinnen

Veröffentlichung: 9. November 2017 als 2-Disc Special Edition (Blu-ray & DVD) und DVD, 2. August 2007 und 14. August 2003 als DVD

Länge: 106 Min. (Blu-ray), 99 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Ulzana’s Raid
USA 1972
Regie: Robert Aldrich
Drehbuch: Alan Sharp
Besetzung: Burt Lancaster, Bruce Davison, Jorge Luke, Richard Jaeckel, Joaquín Martínez, Lloyd Bochner, Karl Swenson, Dran Hamilton, Douglass Watson
Zusatzmaterial: Burt-Lancaster-Schnittfassung in 4:3 (96 Min.), Originaltrailer, Bildergalerien, Wendecover
Label: explosive media
Vertrieb: Koch Films (alte DVDs: Universal Pictures Germany GmbH)

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2017 Koch Films / explosive media

 
 

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13 Antworten zu “Keine Gnade für Ulzana – Abtrünnige Apachen in Arizona

  1. Michael Behr

    2017/12/28 at 20:44

    Bei Robert Aldrich wäre ich für „Sodom und Gomorrha“ und bei Burt Lancaster für „Local Hero“.

     
  2. Christoph Streuli

    2017/12/25 at 19:11

    Pflichtprogramm bei Robert Aldrich sollten die Filme ‚What Ever Happened to Baby Jane‘ (1962), ‚Hush…Hush, Sweet Charlotte‘ (1964) sowie ‚Ten Seconds to Hell‘ (1959) sein; auch toll: ‚Apache‘ (1954), ‚Attack‘ (1956), ‚The Last Sunset‘ (1961) und ‚Twilight’s Last Gleaming‘ (1977) sowie als Ergänzung ‚Vera Cruz‘ (1954) und ‚…All the Marbles‘ (1981).

    Bei Burt Lancaster ist die Liste schon fast endlos…
    Pflichtprogramm hier: ‚Brute Force‘ (1947), ‚Sorry, Wrong Number‘ (1948), ‚Criss Cross‘ (1949), ‚Jim Thorpe — All-American‘ (1951), ‚The Unforgiven‘ (1960) und ‚Novecento‘ (1976); auch toll: ‚The Flame and the Arrow‘ (1950), ‚Apache‘ (1954), Trapeze‘ (1956), Birdman of Alcatraz‘ (1962), ‚The Professionals‘ (1966), ‚Lawman‘, ‚Valdez Is Coming‘ (1970), ‚Twilight’s Last Gleaming‘ (1977) und ‚Atlantic City, USA‘ sowie als Ergänzung ‚Vera Cruz‘ (1954), ‚Judgment at Nuremberg‘ (1961), ‚The Hallelujah Trail (1965), ‚Scorpio‘ (1973) und ‚Local Hero‘ (1983).

     
  3. karsten wollny

    2017/12/25 at 02:11

    Lancaster: „Der Schwimmer“.
    Aldrich: „Große Lüge Lylah Clare“.

     
  4. Ralf

    2017/12/23 at 20:00

    Aldrich: Ganz klar „Was geschah wirklich mit Baby Jane?“.
    Lancaster: Da gibt es mit „Das Urteil von Nürnberg“ und „Dein Schicksal in meiner Hand“ zwei absolute Meisterwerke – speziell der deutlich weniger bekannte Film noir „Dein Schicksal …“ hätte mehr Aufmerksamkeit definitiv verdient! Gleiches gilt für „U 23 – Haie im Pazifik“. Und „Scorpio, der Killer“ ist zwar „nur“ gut, aber alleine die Kombination Lancaster/Delon macht ihn sehr sehenswert!

     
  5. Timo Kapprell

    2017/12/23 at 13:20

    Von Burt Lancaster den Western Film „Denen man nicht vergibt“ und „Vera Cruz“ wären als Rezension super. Der Film Massai (Apache) von Robert Aldrich und mit Burt Lancaster in der Hauptrolle wäre ebenfalls eine Rezension wert. Der Western El Perdido (Regie: Robert Aldrich) mit Rock Hudson und Kirk Douglas in den Hauptrollen wäre ebenfalls gerne zu rezensieren.

     
  6. Chris

    2017/12/22 at 21:17

    Also von Burt Lancaster: Mit eisernen Fäusten

    und Robert Aldrich: Rattenest

     
  7. Lacy_Leech

    2017/12/22 at 20:14

    Robert Aldrich: Das Ultimatum – Burt Lancaster: Das Osterman Weekend

     
  8. Mike Hennig

    2017/12/22 at 20:14

    Von Robert Aldrich (und u.a. mit Burt Lancaster): Massai.
    Mit Burt Lancaster: Tatsächlich gerne den Fernsehzweiteiler Das Phantom der Oper aus den 90ern, denn dieser ist meine filmische Lieblingsinterpretation des Romans von Gaston Leroux.

     
  9. Rico Lemberger

    2017/12/22 at 17:49

    Aldrich: Hügel des Schreckens und El Perdido.
    Lancaster: Die vier Gefürchteten und Scorpio.

     
  10. Frank Hillemann

    2017/12/22 at 16:14

    Zu Burt Lancaster : der grossartige “ Local Hero “ und “ Das Osterman Weekend “ . Beide aus 1983. Und dann noch die Klassiker “ 1900 “ und “ Der Leopard „.

    Und zu Robert Aldrich: den Klassiker aus der Film Noir Reihe “ Rattennest“. Und natürlich auch “ Was geschah wirklich mit Baby Jane ? „

     
  11. Andreas Hilt

    2017/12/22 at 13:31

    Robert Aldrich ist tatsächlich einer meiner Lieblingsregisseure aus dem guten alten Hollywood. „Massai“ (1954), „Hügel des Schreckens“ (1959) und „Was geschah wirklich mit Baby Jane?“ (1962) wären wünschenswert. Und von Burt Lancaster „Das Urteil von Nürnberg“ (1961), Airport (1970), „Denen man nicht vergibt“ (1960), „Du lebst noch 105 Minuten“ (1948).

     
  12. Borris

    2017/12/22 at 10:21

    Von Lancaster solltet Ihr unbedingt noch „Valdez“ rezensieren. Außerdem „Lawman“ und „Mit eisernen Fäusten“ („The Scalphunters“). Von Aldrich würden mich Rezensionen von „Was geschah wirklich mit Baby Jane?“ und „Rattennest“ („Kiss me deadly“) freuen.

     
  13. Thomas

    2017/12/22 at 10:05

    Robert Aldrich: Vera Cruz (mit Burt Lancaster), Was geschah wirklich mit Baby Jane? (1962)

    Burt Lancaster: 1900 (Neunzehnhundert) (1976), Scorpio (1973)

     

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