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Jean-Claude Van Damme (III): Harte Ziele – John Woos Menschenjagd in New Orleans

30 Aug

Harte_Ziele-Cover

Hard Target

Action // Einer der super-blutdürstigen Actionfilme dieses Sommers – einer, der die Chance hat, aus dem Genre herauszuragen, schrieb die Kritikerin der „New York Times“ im August 1993 über John Woos Hollywood-Debüt. Das ist nicht übertrieben. Der chinesische Regisseur solch stilbildender Gewalt-Epen wie „The Killer“, „Bullet in the Head“ und „Hard Boiled“ lieferte auch mit „Harte Ziele“ viel Brutalität ab, sodass die – der deutschen FSK vergleichbare – MPAA dem Film erst in gekürzter Form und im siebten Anlauf das R-Rating erteilte. In Deutschland steht diese Schnittversion ebenso wie die Unrated-Fassung auf dem Index.

Van Damme als Matrose auf Jobsuche

In den Straßen von New Orleans sucht Natasha (Yancy Butler) nach ihrem Vater. Als sie von Ganoven angegriffen wird, kommt ihr der arbeitslose Matrose Chance Boudreaux (Jean-Claude Van Damme mit schickem 80er-Vokuhila) zu Hilfe. Kaum hat er die Angreifer vertrieben, engagiert ihn Natasha, mit ihr ihren Vater zu finden. Die Spur führt zum Millionär Fouchon (Lance Henriksen). Der veranstaltet mit seinem ruchlosen Assistenten van Cleef (Arnold Vosloo) für seine Freunde Treibjagden auf Obdachlose. Schnell fühlt sich Fouchon von Chance und Natasha gestört. Die beiden geraten ebenfalls auf seine Abschussliste.

Mit „Harte Ziele“ gab Regisseur John Woo eindrucksvoll seine Visitenkarte in Hollywood ab. Sein US-Debüt gilt vielen Actionfans trotz „Face/Off – Im Körper des Feindes“ (1997) und „Mission: Impossible II“ (2000) als sein bester Hollywoodfilm. 2008 kehrte er für das Epos „Red Cliff“ in seine asiatische Heimat zurück, wo er seitdem wieder als Filmemacher arbeitet.

Eine furiose Gewaltorgie

Woos Markenzeichen sind furios choreografierte Actionsequenzen und exzessive Bleiorgien. Beides kommt ausgiebig in „Harte Ziele“ zum Tragen, wunderbar ergänzt durch die Körperbeherrschung Jean-Claude Van Dammes, die Woo kunstvoll in Szene setzt. Der belgische Karateka mit Balletausbildung mischt gekonnt seine Kontrahenten auf und darf sogar einer Klapperschlange die Klapper abbeißen, um das nun tonlose Kriechtier als tödliche Falle einzusetzen. Lance Henriksen und Arnold Vosloo brillieren als Gegenspieler. Apropos Schlange: An sich war für Van Dammes Rolle Kurt „Snake Plissken“ Russell vorgesehen, aus Termingründen war der aber nicht verfügbar.

Missstimmung bei den Dreharbeiten?

Aufgrund des Kassenerfolgs von „Harte Ziele“ beabsichtigten die produzierenden Studios, Regisseur Woo einen weiteren Actionthriller mit Van Damme inszenieren zu lassen. Die beiden hatten sich beim Dreh allerdings nicht allzu gut verstanden, sodass es nicht dazu kam – der Belgier hatte recht viel Einfluss auf die Endfassung von „Harte Ziele“ geltend gemacht.

Das Lexikon des internationalen Films war wieder einmal nicht amüsiert und bescheinigte „Harte Ziele“, lediglich an der Vorführung ausgeklügelter Tötungsarten und neuester Handfeuerwaffen interessiert und darüber hinaus menschenverachtend zu sein sowie aufgrund der unverhohlenen Aufforderung zur Selbstjustiz gewaltverherrlichend zu wirken. Vor dem Hintergrund eines absurden Männlichkeitswahns entziehe sich der Film jedem inhaltlichen Diskurs. Zum Teil ist das nicht zu leugnen, dennoch: Jawohl, die Einschätzung als Woos bester Hollywoodfilm kommt nicht von ungefähr.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Jean-Claude Van Damme sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 99 Min. (Blu-ray), 95 Min. (DVD)
Altersfreigabe: SPIO/JK geprüft: strafrechtlich unbedenklich
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch u. a.
Untertitel: Deutsch, Englisch u. a.
Originaltitel: Hard Target
USA 1993
Regie: John Woo
Drehbuch: Chuck Pfarrer
Besetzung: Jean-Claude Van Damme, Lance Henriksen, Arnold Vosloo, Yancy Butler, Kasi Lemmons, Robert Apisa, Chuck Pfarrer

Copyright 2015 by Volker Schönenberger

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