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Landhaus der toten Seelen – Horror-Großtat unter unserem Radar

30 Okt

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Burnt Offerings

Von Simon Kyprianou

Horror // Die Familie Rolf, der Vater Ben (ganz fantastisch: Oliver Reed), die Mutter Marion (Karen Black), der kleine Sohn David (Lee Montgomery) und die Tante Elizabeth (herrlich: Bette Davis), wollen einfach nur einen geruhsamen Sommerurlaub verbringen. Dabei sind sie auf eine Villa gestoßen, von der Marion vom ersten Anblick an entzückt ist und die es zu einem geradezu lächerlichen Preis zu mieten gibt. Der einzige Haken ist die Mutter der Eigentümer. Sie lebt abgeschieden unter dem Dach, Familie Rolf soll sich während ihres Aufenthalts um die Greisin kümmern. Marion erklärt sich gern bereit, diese Arbeit zu übernehmen. Dass die Besitzer, ein älteres Geschwisterpaar, einen etwas wunderlichen Eindruck machen, ist schnell vergessen und der Sommerurlaub in der Villa beschlossene Sache.

Doch bereits nach kurzer Zeit bröckelt das Idyll: Die Familie lebt sich auseinander, Ben leidet an schrecklichen Albträumen, die eigentlich vitale und jugendliche Tante Elizabeth wird von heute auf morgen kränklich. Vor allem Marion verändert sich stark, fühlt sich von dem Haus und der unter dem Dach lebenden alten Dame sonderbar angezogen.

Albtraumhafter Rausch der Bilder

Das langsame Zerbrechen der Familie, die am Anfang noch trügerisch harmonisch erscheint, wird von Dan Curtis präzise beobachtet. Das Leben in der Villa lässt die bereits vorhandenen Risse anfangs erst sichtbar werden und sie dann aufklaffen. Immer mehr entgleitet den Figuren die Kontrolle, immer mehr fallen sie in einen traumartigen Schockzustand, genau wie der Film selbst immer albtraumhaftere Bilder für den Schrecken findet. Regisseur Dan Curtis inszeniert wilde, wüste Farbräusche, ganz wie bei Dario Argentos „Suspiria“, der fast zeitgleich erschien. Selbst profane Dinge werden bei Curtis zu mysteriösen Brutstätten des Übels: So verwandelt sich ein Swimming-Pool plötzlich in eine grünlich-trübe Welt des Schreckens. Traumszenen sind bei Curtis völlig losgelöst von der eigentlichen Handlung, die Traumszenen setzten sich in zu einer ganz eigenständigen kleinen Horror-Geschichte zusammen.

Curtis spielt mit dem Horrorgenre, umgeht seine Regeln und bricht mit Erwartungen, treibt ein Spiel mit vagen, oft trügerischen Andeutungen, die nicht selten ins Leere laufen. Überhaupt ist beinahe alles an dem Film vage, der Schrecken lässt sich nur erahnen, schwelt bedrohlich unter der Oberfläche. Erst am Ende darf er sich in einem kurzen, aber eindringlichen Finale entladen, und doch bleiben eigentlich alle Fragen offen.

Einfluss aufs Horrorgenre

„Burnt Offerings“, so der Originaltitel von „Landhaus der Toten Seelen“, ist wie ein dunkler Riss. Einen klaren Blick auf den Schrecken gibt er nicht frei, er lässt ihn nur erahnen, aber das was man sehen kann ist bereits mehr als genug. Die Bedeutung von „Landhaus der toten Seelen“ für das Horrorgenre ist gar nicht hoch genug einzuschätzen. Für den großartigen Ti West („The House of the Devil“, „The Innkeepers – Hotel des Schreckens“) beispielsweise war er ein wichtiger Einfluss. Umso schlimmer, dass er in einschlägigen Listen der besten Horrorfilme so gut wie nie auftaucht und gerade hier in Deutschland so sträflich unbekannt ist.

Veröffentlichung: 27. September 2013 als DVD-Hartbox

Länge: 112 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Burnt Offerings
USA 1976
Regie: Dan Curtis
Drehbuch: William F. Nolan, Dan Curtis, nach einem Roman von Robert Marasco
Besetzung: Karen Black, Oliver Reed, Burgess Meredith, Eileen Heckart, Lee Montgomery, Dub Taylor, Bette Davis, Joseph Riley, Todd Turquand, Anthony James
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Regisseur und Darstellern, Trailer, Filmografien
Vertrieb: NSM Records

Copyright 2015 by Simon Kyprianou
Packshots: © 2013 NSM Records

 
 

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2 Antworten zu “Landhaus der toten Seelen – Horror-Großtat unter unserem Radar

  1. Evil Ash

    2015/10/31 at 07:20

    Gerade vor zwei Tagen die US-Blu-ray erhalten. Habe mich schon als Kind immer vor dem Film gegruselt – im positiven Sinne natürlich. Freue mich, ihn seit langer Zeit mal wieder anzusehen.

     
  2. scathach25

    2015/10/30 at 05:44

    Klingt wirklich gut…Filme in dieser Richtung mag ich ja sehr gern.

     

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