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George A. Romero (I): Bruiser – Der Mann ohne Gesicht: Prügelknabe auf Rachetrip

08 Sep

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Bruiser

Dass der Blogger diesen Regisseur sehr schätzt, erkennt man schon am Namen des Blogs. Der Schöpfer des modernen Zombiefilms hat ganz sicher eine Retrospektive verdient.

Von Andreas Eckenfels

Horrordrama // Es war eine harte Zeit für Romero-Fans: Stolze sieben Jahre mussten sie auf neuen Stoff warten, bis der Horrormeister endlich wieder auf dem Regiestuhl Platz nahm. Die Schaffenspause zwischen „Stephen King’s Stark“ (1993) und „Bruiser“ (2000) bezeichnete Romero in einem Interview im Nachhinein als frustrierendste Zeit seines Lebens. Doch der Regisseur hatte keinesfalls eine kreative Pause eingelegt, verdiente laut eigener Aussage in diesen Jahren sogar so viel Geld wie nie zuvor.

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Verlierer Henry ergeht sich in Tagträumen

Obwohl er mit der US-Produktionsfirma New Line Cinema einen Vertrag geschlossen hatte und gleichzeitig unter anderem für Fox und Universal Drehbücher schrieb, war er zutiefst unzufrieden. Sein gesamtes Material – darunter ein abgelehntes „Resident Evil“-Skript – blieb stets in der Entwicklungsphase hängen. Keiner wollte ihm Geld geben, damit er einen neuen Film inszenieren konnte. Schließlich ging Romero nach Toronto und drehte dort „Bruiser“. Das bescheidene Budget von knapp fünf Millionen US-Dollar wurde größtenteils von der französischen Produktionsfirma Studio Canal+ finanziert. Es war sein erster Film, der nicht zum größten Teil in Pittsburgh realisiert wurde.

Unterdrückte Wut bricht aus

Henry Creedlow (Jason Flemyng) hat es nicht leicht: Seine Frau (Nina Garbiras) geht fremd, sein angeblich bester Freund (Andrew Tarbet) bestiehlt ihn und sein sexistischer Boss (Peter Stormare) macht ihn vor versammelter Mannschaft zur Schnecke. Nur die Fotografin Rosemary (Leslie Hope) hält zu dem Prügelknaben, der alle Gemeinheiten dieser Welt ohne Widerworte schluckt.

Doch eines Tages ändert sich dies: Henry erwacht mit einer konturlosen, weißen Maske, welche offenbar fest mit seinem Gesicht verwachsen ist. Durch diese anonyme Identität fühlt sich Henry plötzlich so stark wie nie zuvor. Seine über Jahre unterdrückte Wut erwacht zum Leben. Er geht auf einen blutigen Rachefeldzug, bei dem alle Übeltäter dran glauben sollen, die ihn einst gedemütigt haben.

Gesellschaftskritik und Humor

Auch nach der langen Pause hat Romero seine pessimistische Weltsicht beibehalten: Die Figuren sind besessen von Macht, Geld und Sex. Sensationsgeil wird in einer Radiosendung über den Selbstmord eines Anrufers berichtet. Es wird klar: Brave Menschen wie Henry haben in der modernen Gesellschaft keine Chance.

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Miles wird nach einem von Henrys begangenen Morden von der Polizei ohne Hose erwischt

Der typische morbide Humor des Regisseurs kommt in „Bruiser“ ebenfalls nicht zu kurz. In Tagträumen stellt sich Henry vor, wie er seine ihn quälenden Mitmenschen umbringt. Diese Eigenschaft hat er mit einer Figur aus dem Horrorepisodenfilm „Die unheimlich verrückte Geisterstunde“ (1982) gemein, bei dem Romero die Regie führte und Stephen King die Drehbücher lieferte: Hal Holbrook verkörpert darin in der Folge „Expedition ins Tierreich“ ebenfalls einen unterdrückten Verlierer mit dem Vornamen Henry, der seine Frau (Adrienne Barbeau) am liebsten umbringen will.

Eine weitere Parallele findet sich in „Bruiser“ zu Romeros bisheriger Filmografie: In „Martin“ (1977) wissen wir nicht, ob der blutsüchtige Protagonist wirklich ein Vampir ist oder sich alles nur einbildet. Ebenso verhält es sich mit Henry: Klebt die angsteinflößende Maske in seinem Gesicht – oder ist sie nur ein Hirngespinst? Wie Romero im Audiokommentar berichtet, inspirierte ihn der französische Horrorklassiker „Das Schreckenshaus des Dr. Rasanoff“ (1960) zum Aussehen der Maske.

Unspannend und blutarm

Jason Flemyng („Bube Dame König grAs“) ist es zu verdanken, dass die Zuschauer durchaus Mitleid mit dem armen Henry verspüren. Dagegen ist Peter Stormares Darstellung als abgedrehter und sexgeiler Chef, der seinen Angestellten auch mal sein bestes Stück präsentiert, völlig übertrieben geraten.

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Der Mann ohne Gesicht schlägt wieder zu

Nach dem gelungenen Einstieg, verliert Romero leider seine eigene Geschichte aus den Augen. Sobald Henrys Gewaltfantasien Wirklichkeit werden, rückt die gelungene Gesellschaftskritik zunehmend in den Hintergrund. „Bruiser“ wandelt in der zweiten Hälfte auf den Pfaden eines herkömmlichen Rache-Slashers, dem es dazu sowohl an Spannung als auch an Blut mangelt. Das Ganze gipfelt im Finale in einer verrückten Underground-Party bei der die Punkband „Misfits“ einen Autritt hat und ein todbringender Laser zum Einsatz kommt.

Nach der langen Pause konnte der halbgare „Bruiser“ die hohen Erwartungen der Romero-Fans nicht erfüllen. Sie sollten schließlich fünf weitere Jahre auf seine nächste Regiearbeit warten müssen. Mit „Land of the Dead“ (2005) kehrte der Filmemacher wieder zu seinen Wurzeln zurück und gab der Horrorgemeinde endlich das, wonach sie sich zwei Jahrzehnte lang gesehnt hatte: haufenweise blutgierige Romero-Zombies. Welcher Romero-Film ist euer absoluter Favorit?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von George A. Romero sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme von und/oder mit Jason Flemyng unter Schauspieler.

Veröffentlichung: 8. September 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: 96 Min. (Blu-ray/DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Bruiser
USA/KAN/F 2000
Regie: George A. Romero
Drehbuch: George A. Romero
Besetzung: Jason Flemyng, Peter Stormare, Leslie Hope, Nina Garbiras, Andrew Tarbet, Tom Atkins, Jonathan Higgins
Zusatzmaterial: Audiokommentar, Musikvideo von den Misfits, Starinfos, Trailer
Vertrieb: Tiberius Film

Copyright 2016 by Andreas Eckenfels
Fotos & Packshot: © 2016 Tiberius Film

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26 Antworten zu “George A. Romero (I): Bruiser – Der Mann ohne Gesicht: Prügelknabe auf Rachetrip

  1. Biggy

    2016/10/03 at 18:36

    Dawn of the dead.

     
  2. Stefan

    2016/10/02 at 12:43

    Dawn of the Dead!

     
  3. Sven Plog

    2016/09/27 at 05:38

    Dawn of the Dead ist wohl der wichtigste ( damals das 20 mal kopierte VHS Tape mit Zombies im Kaufhaus;)), am liebsten sehe ich jedoch Stark.
    Land of the Dead war noch mal ein schöner Ausreißer nach oben , Survival ging dann gar nicht

     
  4. Justin Lohaus

    2016/09/24 at 15:38

    Ich würde schon zu The Crazies tendieren, kenne leider das Original nicht (Schande über mein Haupt :D) aber das Remake fand ich doch schon recht originell und spannend 🙂

     
  5. Michael Behr

    2016/09/24 at 15:36

    Day of the Dead

     
  6. Sascha Winkler

    2016/09/23 at 22:31

    Dawn of the dead.

     
  7. Mike Hennig

    2016/09/23 at 21:10

    Mein absoluter Favorit ist immer noch Zombie (Dawn of the Dead).

     
  8. Gleske Daniel

    2016/09/23 at 12:24

    Zombie

     
  9. alloe

    2016/09/23 at 10:59

    Ich schwanke zwischen Nacht der lebenden Toten und Dawn Of The Dead.

     
  10. Daniel Wagener

    2016/09/23 at 00:13

    Stephen Kings Stark weil Kings Bücher schon sonst einfach die Wucht sind.

     
  11. Tobias Maack

    2016/09/22 at 20:03

    Für mich ganz klar DAWN OF THE DEAD:

     
  12. DB

    2016/09/22 at 19:27

    Absolut Dawn of the Dead!!!

     
  13. Ingo Maaßen

    2016/09/22 at 16:09

    Mein Favorit ist „Crazies“, aber selbstverständlich das Original!

    Natürlich sind aber alle anderen Filme von ihm nicht minder sehenswert! 🙂

     
  14. Movie Markus

    2016/09/22 at 14:58

    Mein absoluter Favorit ist „Zombie 1 (1978)“ ;-).

     
  15. Jürgen Winterstein

    2016/09/22 at 11:07

    Dawn of the Dead ist und bleibt für mich der beste Zombiefilm aller Zeiten.

     
  16. Markus Staudt

    2016/09/22 at 10:46

    Zombie 2

     
  17. Claudia Benz

    2016/09/22 at 10:36

    Ich will 🙂

     
  18. Filmschrott

    2016/09/22 at 09:36

    Selbstverständlich Dawn Of The Dead

     
  19. Johannes

    2016/09/22 at 09:28

    Day of the Dead! Da passt einfach alles zusammen 🙂

     
  20. Maximilian Raimer

    2016/09/22 at 07:54

    „Dawn of the Dead“ 🙂

     
  21. BWLBlog

    2016/09/22 at 07:33

    Dawn of the Dead/Zombies

     
  22. Tanja Harnack

    2016/09/22 at 07:00

    Mein persönlicher Favorit ist Stephen King’s Stark The Dark Half!😀❤✌

     
  23. Maik G.

    2016/09/22 at 06:52

    Dawn of the Dead!

     
  24. massi

    2016/09/10 at 08:58

    Für mich ist und bleibt es, „Day of the Dead“, empfinde ich einfach als intensiveres Erlebnis, als „Dawn of…“.

     
  25. amourfoufilm

    2016/09/09 at 05:41

    Dawn Of The Dead

     
  26. Dirk Busch

    2016/09/08 at 09:24

    Mein Romero Favorit wird auf ewig Dawn of the Dead sein.

     

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