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Die Rückkehr des Dracula / Draculas Blutnacht – Vampire in Kalifornien

29 Okt

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The Return of Dracula

Von Volker Schönenberger

Horror // Gleich zu Beginn erfahren wir von einer Stimme aus dem Off, dass die Existenz von Graf Dracula in Mitteleuropa als Tatsache gilt – ein Untoter, der sich vom Blut unschuldiger Menschen ernährt und sie auf diese Weise zu seinesgleichen macht. Interessant. Knapp nur ist Graf Dracula (Francis Lederer) in Transsilvanien seinen Häschern entkommen. Im Zug tötet er einen mitreisenden Kunstmaler und nimmt dessen Identität an, reist anschließend per Schiff in die USA und per Zug weiter an die Ostküste. Als Bellac Gordal kommt er in einer kalifornischen Kleinstadt bei Familie Mayberry unter, Verwandten seines Opfers. Auch in seiner neuen Heimat ist Draculas Blutdurst nicht zu stillen.

Das Entstehungsjahr 1958 lässt vermuten, es könne sich bei „Die Rückkehr des Dracula“ um einen Abklatsch im Fahrwasser von „Dracula“ aus den englischen Hammer-Studios handeln. Aber mitnichten: Der US-Film feierte bereits im April jenes Jahres Kinopremiere, während der britische Vampirfilm in den USA im Mai und in Großbritannien im Juni in den Kinos startete. Umgekehrt wird aber ein Schuh draus: Der Erfolg des farbenprächtigen englischen Films mit dem charismatischen Christopher Lee als Vampirfürst bewirkte, dass das schwarz-weiße US-Pendant schnell in Vergessenheit geriet.

Vampir tarnt sich als Kunstmaler

Budgetbedingt spielt sich die Handlung an wenigen Schauplätzen ab, die Story vom europäischen Blutsauger in der amerikanischen Fremde ist aber reizvoll genug, darüber hinwegsehen zu lassen. Schwerer wiegt da schon die Naivität, mit der Rachel Mayberry (Norma Eberhardt) und ihre Lieben dem Neuankömmling seine Rolle abnehmen. Dass man sich über verschrobene Angewohnheiten wie eine ausgeprägte Abneigung gegen Spiegel nicht wundert, lässt sich vielleicht noch mit der Unkenntnis von Amerikanern über die europäische Lebensart erklären. Insgesamt aber ähnelt der entfernte Cousin Bellac Gordal doch zu sehr einem schmierigen Handelsvertreter oder gar Mafioso als einem Kunstmaler. Das hätte man anders lösen sollen, vielleicht mit einem anderen Hauptdarsteller als Francis Lederer, der weder als Kunstmaler-Hochstapler noch als Vampir eine mehr als durchschnittliche Figur macht.

Charmant inszeniert ist immerhin das Motiv von Rachel und ihrer Freundin Jennie Blake (Virginia Vincent), die Draculas erstes menschliches Opfer in dessen neuer Heimat wird. Die beiden Frauen sind klar erkennbar nach Mina Murray und Lucy Westenra aus Bram Stokers Romanvorlage modelliert – eine schöne Umsetzung. Sogar einen Van Helsing hat „Die Rückkehr des Dracula“ zu bieten: in Gestalt des Vampirjägers Meiermann (John Wengraf), der Dracula von Europa aus verfolgt hat. Der überzeugt kurzerhand den örtlichen Priester Doctor Whitfield (Gage Clarke) von der Existenz von Vampiren – eine kuriose Szene.

Den Mythos in die Moderne verlegt

Nicht nachdenken sollte man über den Sinn von Draculas Entscheidung, sich im US-Exil unter die Fittiche von Familie Mayberry zu begeben. Er schläft ohnehin in einem Sarg in einem nahe gelegenen Bergwerk, weshalb bezieht er überhaupt ein Zimmer bei den Mayberrys? Genug der Kritik. Gelangweilt habe ich mich keineswegs. Auch wenn „Die Rückkehr des Dracula“ nicht einmal annähernd an die bekannten Dracula-Adaptionen heranreicht, ist er doch in keinem Moment dröge. Lange vor Hammers „Dracula jagt Mini-Mädchen“ (1972) hat er den Mythos des Vampirfürsten in ein modernes Setting verlegt. Der ansonsten hauptsächlich fürs Fernsehen tätige Regisseur Paul Landres hat mit „Die Rückkehr des Dracula“ ein kleines Kuriosum in der Geschichte der Dracula-Filme inszeniert – das ist doch was. Als winziges Gimmick gibt es sogar eine ganz kurze Farbszene zu sehen, die die dazugehörige Sequenz wunderbar verstärkt – lasst euch überraschen!

2009 in Deutschland unter dem Titel „Draculas Blutnacht“ erschienen, ist der Film 2015 erneut bei uns veröffentlicht worden, nun als „Die Rückkehr des Dracula“. Die Neuveröffentlichung unterscheidet sich vom Vorgänger lediglich durch das unterschiedliche Cover und einen anderen Aufdruck auf der Disc, ihr Inhalt ist völlig identisch. Bild- und Tonqualität sind für eine Billigveröffentlichung eines Billigfilms erfreulich. Vampirfilm-Allessammler und filmhistorisch Interessierte können bedenkenlos zuschlagen.

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Veröffentlichung unter dem Titel „Die Rückkehr des Dracula: 23. Juli 2015 als DVD
Veröffentlichung unter dem Titel „Draculas Blutnacht“: 3. April 2009 als DVD

Länge: 74 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: The Return of Dracula
Deutscher Alternativtitel: Draculas Blutnacht
Britischer Verleihtitel: The Fantastic Disappearing Man
USA 1958
Regie: Paul Landres
Drehbuch: Pat Fiedler
Besetzung: Francis Lederer, Norma Eberhardt, Ray Stricklyn, Virginia Vincent, John Wengraf, Gage Clarke, Jimmy Baird, Greta Granstedt, Enid Yousen
Zusatzmaterial: Trailer, Wendecover
Vertrieb: KNM Home Entertainment / Mr. Banker Films

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Packshot: © KNM Home Entertainment / Mr. Banker Films

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