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Wir waren Helden – Soldaten waren sie!

25 Jan

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We Were Soldiers

Von Volker Schönenberger

Kriegs-Action // Ein Trupp französischer Soldaten bewegt sich im Juni 1954 durchs zentrale Hochland von Vietnam. Es sind die letzten Tage des Französischen Indochinakriegs. Die Einheit gerät in einen Hinterhalt der Việt Minh und wird in einem der Gefechte der Schlacht am Mang-Yang-Pass vollständig massakriert. Việt-Minh-Anführer Nguyễn Hữu An (Duong Don) macht keine Gefangenen, weil er annimmt: Kill all they send, and they will stop coming. Töte man alle, die auftauchen, werde der Feind irgendwann aufhören, weitere Soldaten zu schicken.

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Glücklich verheiratet: Hal und Julie

Die Franzosen haben das offenbar tatsächlich irgendwann eingesehen, aber dann kommen die Amerikaner: Elf Jahre später erhält Lieutenant Colonel Hal Moore (Mel Gibson) den Auftrag, das 7. Kavallerieregiment der 1. US-Kavalleriedivision in Vietnam in den Kampf zu führen. Die Truppen sollen nach einer neuartigen Methode vorgehen: Tollkühne Helikopterpiloten wie Major Bruce „Snake“ Crandall (Greg Kinnear) fliegen die Männer zum Ort des Geschehens, setzen sie dort ab und holen sie nach Ende des Kampfes wieder ab. So die Idealvorstellung, die in den USA wieder und wieder geübt wird, bevor es nach Südostasien geht.

Die Schlacht im Ia-Drang-Tal

Am 14. November 1965 kommt es zur ersten großen Auseinandersetzung des Vietnamkriegs: der Schlacht im Ia-Drang-Tal. Trotz permanenter Luftunterstützung können Moore und seine Männer es nicht verhindern, eingekesselt zu werden. Die nordvietnamesischen Truppen rücken ihnen so eng auf die Pelle, dass die US-Flugzeuge den Feind mit ihren Bomben und Raketen nicht dezimieren können.

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Seine Ehefrau verbirgt die Angst um ihren Mann

Neben den üblichen unerfahrenen Soldaten wie dem jungen 2nd Lieutenant Jack Geoghegan (Chris Klein) finden wir weitere Stereotypen des Kriegsfilms, darunter den erfahrenen Sergeant Major Basil Plumley (Sam Elliott), ein Kerl wie eine Eiche, den nichts aus der Ruhe bringen kann. Auch ein Kriegsfotograf greift ins Geschehen ein: Joe Galloway (Barry Pepper), der dann auch zur Waffe greift und Seite an Seite mit den anderen Soldaten ums Überleben kämpft. Das wird arg plakativ, wenn ihn nach Ende der Schlacht eingeflogene Reporterkollegen befragen wollen – hier Galloway, in Uniform, dreckig bis zur Schwärze, dort die übrigen Journalisten, in Zivil, sauber gekleidet, ahnungslos. Endgültig zu viel wird es, wenn Hal Moore kurz darauf mit Tränen in den Augen zu Reporter Galloway sagt, er könne es sich nie verzeihen, dass seine Männer gestorben sind und er selbst nicht. Hohler kann soldatisches Pathos nicht sein, Hauptsache mit getragenen Streicherklängen unterlegt.

Waren das Helden?

Während der langen, ja ausufernden Kampfszenen mit ihrem enorm hohen Body Count auf beiden Seiten und der drastischen Darstellung des Sterbens war ich kurz versucht, „Wir waren Helden“ eine Antikriegs-Botschaft zuzugestehen. Zu sinnlos erscheint es, dass Soldaten 14.000 Kilometer weit transportiert werden, um dort aus antikommunistischen Motiven gegen ein kleines Land zu kämpfen. Sie sind aber dann doch alle zu heldenhaft, die Männer um Hal Moore – jederzeit bereit, für die Kameraden alles zu tun. Sie waren eben Soldaten, wie der Originaltitel des Films ausdrückt: „We Were Soldiers“. Das impliziert: Sie taten das, was zu tun war, weil es ihnen befohlen worden ist. Der deutsche Verleih hielt es offenbar für nötig, das Heldentum stärker zu betonen – „Wir waren Helden“ eben.

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Es geht los

In einzelnen, kurzen Momenten versucht der Film, eine Haltung zu entwickeln, einen Hauch von Kritik einzubringen – woran auch immer: Der Erzähler aus dem Off spricht zu Beginn von einem Krieg, den sein Land nicht verstehe. Wen er allerdings mit seinem Land meint, bleibt offen. Es mag die Friedensbewegung sein, die damals in den USA gegen den Vietnamkrieg auf die Straße ging, was bei manchen Apologeten des Krieges eine Dolchstoßlegende entstehen ließ. Wenn nach dem Massaker an den französischen Soldaten zehn Jahre übersprungen werden, sehen wir 1964 in Fort Benning (Georgia) zwei Offiziere, die den kommenden Gegner nicht recht ernst nehmen: Der eine spricht von Höhlenmenschen in Pyjamas. Als sein Nebenmann erwidert, diese hätten bereits die französische Armee geschlagen, äußert er nur geringschätzig: The French Army? What’s that? Da hat man wohl den Gegner sträflich unterschätzt, soll das heißen, das Thema bleibt aber Momentaufnahme, später geht es ausschließlich ums Soldatentum.

Die Ehefrauen bangen daheim um ihre Männer – und bleiben pflichtbewusst

Den ohnehin nicht wirklich eingeschlagenen Pfad der Kritik am Wesen des Krieges verlässt „Wir waren Helden“ vollends mit der Darstellung der bangenden Familien daheim: Offiziersgattin Julie Moore (Madeleine Stowe) organisiert den Zusammenhalt der Ehefrauen am Stützpunkt. Sie lässt auch die Telegramme mit den Nachrichten an die Ehefrauen Gefallener zu sich bringen, um die bittere Botschaft persönlich zu überbringen. Das bringt großen Schmerz für die Witwen mit sich, aber je ein Wort der Kritik? Ein Aufschrei einer der Witwen über die Sinnlosigkeit des Todes ihres Liebsten? Fehlanzeige. Ist’s Zufall, dass in diesen Szenen stets das Sternenbanner zu sehen ist? Trotz all ihrer Angst halten die Ehefrauen den Männern an der Front und damit der US-Army als Ganzes brav den Rücken frei – über den Tod des Ehemanns hinaus. So wünscht sich eine Krieg führende Nation die Ehefrauen ihrer Soldaten.

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Lieutenant Colonel Hal Moore führt seine Soldaten in den Kampf …

Soldaten und ihre Angehörigen haben pflichtbewusst zu sein – sie sind eben Soldaten. Dieser kritiklose Militarismus wertet „Wir waren Helden“ leider stark ab. „Leider“ deshalb, weil er als Kriegs-Actionfilm enorm unterhaltsam und spannend geraten ist und zu keinem Zeitpunkt Langeweile aufkommt – und das, obwohl es über weite Strecken ununterbrochen und ohne Abwechslung mit Kampfszenen zur Sache geht. Das könnte irgendwann langweilen, tut es aber nicht. Regisseur Randall Wallace hat für seine zweite Regiearbeit nach „Der Mann in der eisernen Maske“ (1998) mit Leonardo DiCaprio gut aufgepasst, was Schlachtenszenen angeht: Für Mel Gibsons „Braveheart“ (1995) und Michael Bays „Pearl Harbor“ (2001) hatte er die Drehbücher geschrieben, also immerhin schon als Autor Erfahrung mit kriegerischen Auseinandersetzungen gesammelt.

Kriegs-Action ohne kritische Töne

Korrekte Namen, korrekte Schauplätze – „We Were Soldiers“ suggeriert Authentizität. Abgesehen von einigen aus Gründen der Dramaturgie veränderten Geschehnissen könne es so gewesen sein. Auch der echte Hal Moore gab dem Film dem Vernehmen nach seinen Segen. Aber vielleicht glaubt er auch heute noch, in einem gerechten Krieg gekämpft zu haben. Mit ganz viel Augenzudrücken lässt sich „Wir waren Helden“ als reine Kriegs-Action sehr gut schauen, erst recht, wenn man Heldenkino mag. Für Hollywoods A-Liga ist das viel zu wenig. Als Beitrag zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der US-Intervention in Vietnam ist der Film denkbar ungeeignet. Aber da befindet er sich mit Filmen wie „Rambo II – Der Auftrag“, „Missing in Action“ und „Im Wendekreis des Söldners“ in guter Gesellschaft.

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… und fordert Luftunterstützung an

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von und/oder mit Mel Gibson sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

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Moore ist den Männern jederzeit ein Vorbild

Veröffentlichung: 6. September 2007 als Blu-ray, 5. November 2003 als DVD (FSK 16), 19. März 2003 als DVD

Länge: 138 Min. (Blu-ray), 133 Min. (DVD), 121 Min. (DVD FSK 16)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: We Were Soldiers
USA/D 2002
Regie: Randall Wallace
Drehbuch: Randall Wallace, nach einer Vorlage von Harold G. Moore und Joseph L. Galloway
Besetzung: Mel Gibson, Madeleine Stowe, Greg Kinnear, Sam Elliott, Chris Klein, Keri Russell, Barry Pepper, Duong Don, Ryan Hurst, Robert Bagnell, Marc Blucas, Josh Daugherty, Jsu Garcia, Jon Hamm, Clark Gregg, Desmond Harrington, Dylan Walsh
Zusatzmaterial: keine Angabe
Vertrieb: Concorde Home Entertainment

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © Concorde Home Entertainment

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