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Achterbahn – Hoch spannende Fahrt

26 Jan

Rollercoaster

Von Andreas Eckenfels

Thriller // Am frühen Morgen spaziert in Norfolk im US-Bundesstaat Virginia ein junger Mann (Timothy Bottoms) auf einem Pier entlang. An einer Bank macht er Halt und öffnet seinen Koffer, der Angelausrüstung enthält. Doch heraus holt er ein Fernglas. In aller Ruhe beobachtet der Mann die Holzachterbahn „Rocket“ des Ocean View Amusement Parks, der am anderen Ende des Sees gelegen ist. Er sieht einen Arbeiter, der in schwindelerregender Höhe die Gleise der Achterbahn überprüft. Der junge Mann fasst einen Plan, den er am nächsten Tag in die Tat umsetzt. Bei dem Attentat auf die Achterbahn sterben mehrere Menschen.

Kein Katastrophenfilm

In den 70er-Jahren brachten Katastrophenfilme die Leinwände regelmäßig zum Beben. Die Zerstörungswut kannte in „Airport“ (1970), „Die Höllenfahrt der Poseidon“ (1972), „Erdbeben“ (1974) und „Flammendes Inferno“ (1974) keine Grenzen. Auch „Achterbahn“ wird häufig fälschlicherweise mit dem Siegel „Katastrophenfilm“ abgestempelt, dabei handelt es sich um einen handfesten Thriller. Zwar müssen in dem Werk von James Goldstone („Indianapolis“) eine große Anzahl an Menschen um ihr Leben fürchten. Doch die Bedrohung geht nicht wie sonst üblich von einem technischen beziehungsweise menschlichen Versagen oder einer Naturkatastrophe aus, sondern von einem eiskalten Attentäter, der die Betreiber verschiedener Vergnügungsparks erpresst. Er fordert eine Million US-Dollar, sonst lässt er weitere Achterbahnen im ganzen Land in die Luft gehen. Der Sicherheitsinspektor Harry Calder (George Segal) wird dazu auserkoren, das Geld zu überbringen. Der Beginn eines hochspannenden Katz-und-Maus-Spiels.

Suspense, Angst und Vergnügen

Goldstone nutzt in „Achterbahn“ das Mittel der Suspense im besten Sinne nach Alfred Hitchcock: Der Zuschauer weiß immer ein Stück mehr als die Protagonisten, die den Täter stoppen wollen. Während in der brillant inszenierten Eingangssequenz, in der fast 15 Minuten kaum ein Wort gesprochen wird, und die Musik immer wieder zwischen bedrohlich klingenden Cellos und fröhlicher Jahrmarktsmusik hin und her wechselt, ist die Spannung zum Greifen nahe. Immer wieder rast eine vollbesetzte Bahn über die Gleise. Die Passagiere schreien vor Angst und Vergnügen – doch wann wird der Erpresser die Bombe zünden?

Als Gegenpol zu Timothy Bottoms wortkargem Attentäter, dessen Name und Beweggründe für seine Taten während der kompletten Spielzeit nicht genannt werden, fungiert George Segal als Harry Calder. Der geschiedene Sicherheitsinspektor ist keiner, der sich aus der Verantwortung stiehlt. Er ist überaus pflichtbewusst, mitfühlend – und will unbedingt das Rauchen aufgeben, was für einige Schmunzler sorgt. Calder unterzieht sich deswegen gleich zu Beginn einer Schocktherapie, später sucht er vergeblich nach Zigaretten, die in den Stresssituationen für kurzzeitige Entspannung sorgen sollen. Gleichzeitig hat er aber keine Probleme damit, seinen Vorgesetzten ordentlich die Meinung zu geigen und die werden immerhin von zwei Hochkarätern verkörpert: Henry Fonda und Richard Widmark. In ihrer ersten Kinorolle ist außerdem die damals 14-jährige Helen Hunt (Oscar für „Besser geht’s nicht“) als Calders Tochter zu sehen. Auch der damals noch unbekannte Steve Guttenberg („The Day After – Der Tag danach“) hat einen kurzen Auftritt.

Sensurround lässt die Kinosäle beben

„Achterbahn“ war einer von insgesamt nur fünf Filmen, die im Sensurround-Tonverfahren in den Kinos wiedergegeben wurden. Bei einer Vorführung in den USA soll bei den extrem tiefen Tönen sogar ein Teil der Decke heruntergekommen sein. In der Heimkinovariante kann dieses Gefühl nicht nachempfunden werden. Dafür fährt der Zuschauer aber durch einige eingestreute Egoperspektiven bei voller Geschwindigkeit in der Achterbahn mit.

Beim Kauf auf die Neuauflage achten

Zum 40. Geburtstag hat Koch Films die weltweit erste HD-Version von „Achterbahn“ veröffentlicht – und dies auch noch ungeschnitten. In der vorigen DVD-Fassung von Universal fehlten einige Sequenzen. Bevor die rasante Fahrt losgeht, sollte man allerdings beim Blu-ray-Kauf darauf achten, dass man nicht die Erstauflage mitnimmt. Dort sind die einst fehlenden Szenen nur im O-Ton mit deutschen Untertiteln enthalten. Es handelt sich dabei um einen Fehler, wie ein Koch-Mitarbeiter unter anderem im Cinefacts-Forum bestätigte. Eigentlich sollte der Film in einer komplett synchronisierten Version vorliegen. Ein Austausch der bereits erworbenen Blu-ray ist unter kundenservice@kochmedia.com möglich. Die Neuauflage soll daran zu erkennen sein, dass sie keinen O-Card-Schuber besitzt. Koch Films versendet sie seit Ende Januar an Kunden, die sich bereits gemeldet haben. Zeitgleich sollte sie auch in den Läden stehen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Henry Fonda und Richard Widmark sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 23. November 2017 als Blu-ray, 20. Oktober 2005 als DVD

Länge: 119 Min. (Blu-ray, ungeschnitten), 114 Min. (DVD, geschnitten)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Rollercoaster
USA 1977
Regie: James Goldstone
Drehbuch: Sanford Sheldon, Richard Levinson, William Link, Tommy Cook
Besetzung: George Segal, Timothy Bottoms, Henry Fonda, Richard Widmark, Harry Guardino, Susan Strasberg, Helen Hunt
Zusatzmaterial: Trailer, Radiospots, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial, Interview mit Autor Tommy Cook, Featurette „Die Achterbahn heute“
Label/Vertrieb: Koch Films

Copyright 2018 by Andreas Eckenfels
Packshot: © 2017 Koch Films

 

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