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Großangriff der Zombies – Wenn verstrahlte Untote aus dem Flugzeug strömen

10 Feb

Incubo sulla città contaminata

Von Volker Schönenberger

Horror // Wie wir im Laufe des Tages bereits mehrfach gemeldet haben, ist aus dem staatlichen Nuklearzentrum im Norden der Stadt eine hochradioaktive Gaswolke von enormen Ausmaßen entwichen. So verbreitet es der Nachrichtensprecher des Fernsehsenders BWC, bei dem auch der Reporter Dean Miller (Hugo Stiglitz) arbeitet. Miller erhält den Auftrag, am nächsten Tag zum Flughafen zu fahren, um einen der Wissenschaftler des Instituts zu interviewen. Kaum ist er mit seinem Kameramann (Antonio Mayans) eingetroffen, landet dort außerplanmäßig ein Militärflugzeug, zu dem der Tower keinen Funkkontakt hatte. Sicherheitskräfte umstellen die Maschine, doch gegen das Grauen, welches aus dem Flugzeug strömt, haben sie keine Chance: Zum Teil grausam entstellte und verbrannte Menschen fallen über die Überraschten her und metzeln sie mit Messern, Schuss- und Hiebwaffen nieder – um anschließend ihr Blut zu trinken.

Vom Kannibalen- zum Zombiefilm

Ein Zombiespezialist wie sein Landsmann Lucio Fulci war Umberto Lenzi nie, aber dem Exploitationfilm stets verhaftet. Insofern passt „Großangriff der Zombies“ dann doch sehr gut in die Filmografie des Italieners, der als Begründer des Kannibalenfilms gilt. Ungewöhnlich für die damalige Inszenierung der Untoten: Lenzis Zombies sind flink und vergleichsweise intelligent. Sie können Auto fahren, gehen taktisch vor, durchschneiden auch schon mal ein Telefonkabel, wenn es ratsam erscheint – auch wenn sich der Sinn der Aktion den Zuschauern nicht wirklich erschließt.

Vertuschungsversuche durch das Militär

Die Handlung wirkt unstrukturiert und springt etwas willenlos zwischen den Schauplätzen in der nicht näher benannten Stadt hin und her. Das macht sich besonders zu Beginn bemerkbar, wenn die Zombies ihren Großangriff noch nicht flächendeckend ausgeweitet haben. Zurück beim Fernsehsender, muss sich Reporter Miller erst einmal damit befassen, dass das Militär in Gestalt von General Murchinson (Mel Ferrer) den Zwischenfall am Flughafen unter den Teppich kehren will – und Millers Boss unterstützt ihn dabei. Millers Kampf um sein journalistisches Ethos bringt etwas Leerlauf, auch Szenen mit dem Fernsehballett ziehen sich ein wenig. Immerhin dringen die Zombies dann doch alsbald ins Gebäude ein und fallen über alles her, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist. Wie sie unbemerkt vom Flughafen zum Fernsehsender gelangen konnten, hat Lenzi allerdings nicht interessiert. Insgesamt ist am Tempo kaum etwas auszusetzen.

Zombifizierung durch Radioaktivität?

Da es sich bei den Zombies um radioaktiv verstrahlte Menschen handelt, weisen die meisten von ihnen schwere Verbrennungen auf. Die Masken haben wir schon schlechter gesehen, oft allerdings auch schon viel besser. Dafür bringt das apokalpytische Szenario ein paar stimmungsvolle Sequenzen mit sich. Ob Menschen, die durch radioaktive Verstrahlung zu blutrünstigen Bestien mutierten, als Zombies korrekt bezeichnet sind, darüber lässt sich trefflich streiten. Regisseur und Drehbuchautor Lenzi sieht sie jedenfalls nicht als solche. Obendrein wollte er den Film auch als Warnung vor möglichen Folgen der Kernenergie verstanden wissen. Seine Äußerung in allen Ehren, aber die Botschaft geht unter.

In den Mühlen deutscher Zensur

Mit Blut geizt „Großangriff der Zombies“ nicht. In Deutschland hatte und hat der Film von Anbeginn an mit Zensur in Form von Indizierungen und Beschlagnahmen zu kämpfen – das hält bis heute an. Von der gekürzten 2008er-DVD solltet Ihr jedenfalls die Finger lassen, so Ihr euch den Film denn unbedingt geben wollt. Ganz am Ende kommt es zu einer Wendung, die man überraschend finden kann, die aber nicht mehr ist als ein charmantes kleines Gimmick. Den Zombie-Großtaten von George A. Romero und Lucio Fulci kann Umberto Lenzis deutlich trashiger angelegter „Großangriff der Zombies“ nicht das Wasser reichen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Umberto Lenzi sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet. Einen lesenswerten Text über „Großangriff der Zombies“ gibt’s auch bei den Kollegen von Evil Ed zu lesen.

Veröffentlichung: 9. Mai 2008 als DVD

Länge: 91 Min. (Blu-ray), 88 (DVD), 77 Min. (FSK-12-DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Italienisch
Untertitel: keine Angabe
Originaltitel: Incubo sulla città contaminata
Internationale Titel: City of the Walking Dead / Nightmare City / Invasion by the Atomic Zombies
IT/SP/MEX 1980
Regie: Umberto Lenzi
Drehbuch: Antonio Cesare Corti (als Tony Corti), Luis María Delgado
Besetzung: Mel Ferrer, Hugo Stiglitz, Laura Trotter, Maria Rosaria Omaggio, Francisco Rabal, Sonia Viviani, Eduardo Fajardo, Stefania D’Amario, Ugo Bologna, Manuel Zarzo, Tom Felleghy
Zusatzmaterial: keine Angabe
Label/Vertrieb: KSM GmbH

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

Packshot DVD: © 2008 KSM GmbH

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