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Kinder des Zorns – Tod im Maisfeld

22 Feb

Children of the Corn

Von Volker Schönenberger

Horror // Im beschaulichen Örtchen Gatlin in Nebraska schien an jenem Tag alles seinen gewohnten Gang zu gehen. Während seine Schwester Sarah (Anne Marie McEvoy) mit Fieber zu Hause im Bett lag, besuchte der Knirps Job (Robby Kiger) mit seinem Vater die Kirche und anschließend ein Diner-Restaurant. Beiläufig berichtet Job – als Stimme aus dem Off –, dass er an dem Tag das einzige Kind beim Gottesdienst war. Alle anderen waren mit einem gewissen Isaac (John Franklin) ins Maisfeld gegangen. Jobs Vater mochte Isaac nicht. Eine Vorahnung? Entsetzt musste der kleine Job ansehen, wie die anwesenden Jugendlichen seinen Vater und alle anderen erwachsenen Gäste des Lokals niedermetzeln. So geschah es auch überall anderswo in Gatlin.

Isaac schlägt die Minderjährigen von Gatlin in seinen Bann

Drei Jahre später ist das junge und sehr verliebte Pärchen Vicky („Terminator“-Heroine Linda Hamilton) und Burt (Peter Horton) in den Weiten Nebraskas abseits der Highways unterwegs. Auf einer Nebenstrecke zwischen weiten Maisfeldern steht aus heiterem Himmel plötzlich ein Junge auf der Fahrbahn. Burt hat keine Chance auszuweichen und fährt ihn über den Haufen. In einem Maisfeld entdeckt Burt jedoch einen blutgesprenkelten Koffer – der Junge war offenbar schon tot, bevor er auf der Straße landete. Bald darauf gerät das Paar nach Gatlin und in die Fänge eines mörderischen Kults.

Job muss Schreckliches ansehen

Religiöser Wahn oder Einfluss eines Dämons? „Kinder des Zorns“ lässt das lange Zeit offen, was die Spannungsschraube durchaus anzieht. Zu den großen Stephen-King-Verfilmungen schließt der Horrorfilm nicht auf, er war im Kino aber ein anständiger Erfolg und hat über die Jahre seine Fans gefunden. Etwas mehr Substanz hätte die Kurzgeschichten-Adaption gut vertragen können, aber mehr gab die Vorlage eben nicht her – ein paar Freiheiten hat sich der Drehbuchautor genommen. Der Junge Job als nicht dem Kult verfallenes Kind beispielsweise ist neu hinzugekommen. Die Inszenierung der bedrückenden Weite der Maisfelder setzt in einigen Passagen atmosphärische Akzente und bringt Spannung. Das Grauen spielt sich vornehmlich bei Tageslicht ab, durchaus ungewöhnlich für einen Horrorfilm. Als Pluspunkt ist die Personalie John Franklin zu werten, der Isaac mit Engelsgesicht und hypnotisierendem Blick eine sinistre Aura verleiht. Auch Courtney Gains passt gut in die Rolle von Isaacs eifrigem Handlanger Malachai – einfach gestrickt, dienstbeflissen bis zur Skrupellosigkeit, böse und sogar gegenüber seinem jüngeren Boss mit eigenem Kopf. Insgesamt hebt sich „Kinder des Zorns“ somit über den Durchschnitt der vielen Stephen-King-Verfilmungen, von denen es ja durchaus einige völlig missratene gibt. Wer an Filme mit mörderischen Kindern interessiert ist, möge sich Narciso Ibáñez Serradors spanischen Schocker „Ein Kind zu töten …“ („¿Quién puede matar a un niño?“, 1976) zu Gemüte führen, der hierzulande aufgrund einer skurrilen Auflösung in der deutschen Synchronisation auch unter dem bescheuerten Titel „Tödliche Befehle aus dem All“ vermarktet worden ist und 2012 in Mexiko ein sogar recht gelungenes Remake mit dem Titel „Come Out and Play – Kinder des Todes“ erhalten hat.

Ein bizarrer Kult entsteht

Stephen Kings Kurzgeschichte „Kinder des Mais“ („Children of the Corn“) wurde erstmals 1977 im Penthouse-Magazin veröffentlicht. Ein Jahr später erschien sie als Teil der Kurzgeschichtensammlung „Nachtschicht“ („Night Shift“), aus der einige King-Verfilmungen hervorgingen, darunter „The Mangler“ (1995), „Manchmal kommen sie wieder“ (1991) sowie Kings einzige – und missratene – Regiearbeit „Rhea M – Es geschah ohne Warnung“ (1986).

„Und ein Kind soll sie führen.“ So steht es geschrieben

capelight pictures hatte „Kinder des Zorns“ im Verbund mit Teil zwei und drei 2014 als Blu-ray im Mediabook veröffentlicht – damals waren alle drei Filme noch indiziert. 2017 erfolgte die Listenstreichung inklusive Einstufung mit FSK-Freigabe ab 16 Jahren, sodass das Label nunmehr eine ebenso schöne Edition als Steelbook mit Reliefprägung folgen ließ, der obendrein das fürs Fernsehen gedrehte 2009er-Remake von Teil eins beiliegt. Ob man sich das Mediabook oder das Steelbook in die Sammlung stellt, bleibt wohl Geschmackssache – die einen schwören auf das eine Format, die anderen auf das andere. Das Steelbook enthält die neue Arrow-Video-Abtastung des ersten Teils, das mag für manchen Filmfan den Ausschlag geben. Dem Steelbook-Verächter entgeht damit das TV-Remake, wer auf das Mediabook verzichtet, dem entgeht auch das schöne Booklet mit vielen Bildern und einem kenntnisreichen Text von Gerhard Maier. Insgesamt brachte es das „Kinder des Zorns“-Franchise bislang auf sieben Teile plus die erwähnte Fernseh-Neuverfilmung.

Das Liebespaar Vicky und Burt muss um sein Leben fürchten

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Stephen-King-Adaptionen sind in unserer Rubrik Filmreihen aufgelistet.

Auch Isaac muss Federn lassen

Veröffentlichung: 27. Dezember 2017 als Blu-ray im Steelbook (inklusive der Fortsetzungen „Kinder des Zorns II“, „Kinder des Zorns III“ und dem TV-Remake „Kinder des Zorns“), 8. Dezember 2017 als DVD, 5. Dezember 2014 als Blu-ray im 3-Disc Limited Collector’s Edition Mediabook (3 Blu-rays inklusive der beiden Fortsetzungen), 5. September 2009 als DVD mit Teil 1 und 2, 1. September 2004 als DVD (gekürzt, FSK 16), 10. April 2001 als DVD

Länge: 92 Min. (Blu-ray), 88 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Children of the Corn
USA 1984
Regie: Fritz Kiersch
Drehbuch: George Goldsmith, nach einer Kurzgeschichte von Stephen King
Besetzung: Linda Hamilton, Peter Horton, R. G. Armstrong, John Franklin, Courtney Gains, John Philbin, Robby Kiger, Anne Marie McEvoy, Julia Maddalena
Zusatzmaterial Steelbook: Bonusmaterial zu Teil 1: Audiokommentar mit „Kinder des Zorns“-Historiker John Sullivan und Horror-Journalist Justin Beahm, Audiokommentar mit Regisseur Fritz Kiersch, Produzent Terrence Kirby und den Schauspielern John Franklin & Courtney Gains, „Cut from the Cornfield“: Interview mit Rich Kleinberg über die berüchtigte „verlorene“ „Blue Man“-Szene, „Field of Nightmares“: Interview mit Drehbuchautor George Goldsmith, „Harvesting Horror“: Das Making-of von „Kinder des Zorns“, „It Was the Eighties!“: Interview mit Linda Hamilton, „Stephen King on a Shoestring“: Interview mit Produzent Donald, P. Borchers; „Welcome to Gatlin“: Interview mit Produktionsdesigner Craig Stearns und Komponist Jonathan Elias, Bilder- Postergalerie, Storyboard-Skizzen, Titelsequenz-Skizzen, Kinotrailer zu Teil 1–3, Blu-ray-Remake-Bonus: Featurette: „Rough Cuts: Remaking Children of the Corn“ – „Neue Richtungen“, „Die Darsteller“, „Leben und Sterben in Gatlin“, „Fliege
an der Wand“, Kinotrailer „Kinder des Zorns“ (1984)
Label: capelight pictures
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

Szenenfotos: © capelight pictures / Al!ve AG

 

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