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F.I.S.T. – Ein Mann geht seinen Weg: Gewerkschafter in den Fängen des Mobs

21 Jun

F.I.S.T.

Von Volker Schönenberger

Krimidrama // Über den guten Sly und seine begrenzten schauspielerischen Fähigkeiten ist im Lauf seiner Karriere viel Häme ausgeschüttet worden – etliche Goldene Himbeeren sprechen Bände, darunter die als schlechtester Schauspieler des Jahrzehnts 1990 sowie des Jahrhunderts im Jahr 2000 – für 99,5 Prozent von allem, was er je gemacht habe. Dazu hat zweifellos Sylvester Stallones bisweilen suboptimale Rollenwahl beigetragen, auch einige Teile seiner an sich ikonischen Reihen „Rocky“ und „Rambo“ sind nicht frei von Kritik. Wenn er denn mal überzeugend ablieferte, wie 1997 in James Mangolds „Cop Land“ an der Seite von Schwergewichten wie Robert De Niro und Harvey Keitel, wurde das als einmaliger Ausrutscher nach oben abgetan. Dabei wird oft verkannt, dass Stallone zu Beginn seiner Karriere ein paar guten Figuren Profil verlieh, allen voran natürlich seinem Rocky Balboa in „Rocky“. Dafür gab’s 1977 gar nicht mal unverdiente Nominierungen für den Oscar und den Golden Globe als bester Hauptdarsteller – für sein Drehbuch ebenfalls. Auch an seiner Verkörperung des Mafiosos Frank Nitti im Gangsterdrama „Capone“ (1975) gibt es wenig auszusetzen. Über die hierzulande später unter dem Titel „Randy – Die Sexabenteuer des Sylvester Stallone“ bekannt gewordene 1970er-Entgleisung „The Party at Kitty and Stud’s“ decken wir einfach den Mantel des Schweigens.

Sylvester Stallone als Arbeiterführer

Mimisch und stimmlich ist er zweifellos limitiert, was natürlich auch mit seiner geburtsbedingten Muskellähmung im Gesicht zu tun hat, aber dieses Manko lässt sich mit passender Rollenwahl ausgleichen. Das gelang dem 1946 in New York City geborenen und in Philadelphia aufgewachsenen Sylvester Stallone 1978 auch mit „F.I.S.T. – Ein Mann geht seinen Weg“. Er verkörpert darin den Hilfsarbeiter Johnny Kovak, der sich im Cleveland des Jahrs 1937 zu Beginn die Drangsalierungen seines Arbeitgebers nicht gefallen lässt und dafür prompt mit all seinen Kollegen gefeuert wird. Doch er ist einigen Leuten positiv aufgefallen und wird daher von der Fernfahrergewerkschaft „F.I.S.T.“ engagiert (der fiktiven „Federation of Interstate Truckers“). Derweil macht er auch der aparten Litauerin Anna Zarinkas (Melinda Dillon) den Hof. Johnny und sein bester Kumpel Abe Belkin (David Huffman) lassen sich von der Arbeitgeberseite nicht einschüchtern, organisieren einen Streik. Als der eskaliert, kommt ihnen Johnnys Freund aus Jugendtagen Vince Doyle (Kevin Conway) zu Hilfe, der sich im organisierten Verbrechen einen Namen gemacht hat. In der Gewerkschaftshierarchie steigt Johnny nun auf, doch die Unterstützung durch Mobster ist ein zweischneidiges Schwert.

Johnny macht Anna den Hof …

Zwar inszeniert Regisseur Norman Jewison („In der Hitze der Nacht“, 1967) das New-Hollywood-Krimidrama als fiktive Geschichte, die inhaltliche Nähe von „F.I.S.T. – ein Mann geht seinen Weg“ zu wahren Begebenheiten um die Transportarbeitergewerkschaft Teamsters und ihren kriminellen Führer Jimmy Hoffa ist jedoch unverkennbar. Hoffa verschwand am 30. Juli 1975 unter ungeklärten Umständen. 1992 drehte Danny DeVito das Biopic „Hoffa“ mit Jack Nicholson in der Titelrolle.

… und hat damit Erfolg

Stallones Johnny Kovak manövriert sich mit steigender Macht immer mehr in eine ausweglose Situation hinein. An sich will er seinen Idealen von Gerechtigkeit für die Arbeiter treu bleiben, doch mehr und mehr lässt er sich korrumpieren, erkennt auch keinen Ausweg aus der Verbindung zum organisierten Verbrechen. Dieses Dilemma verkörpert Sylvester Stallone mit einer Mischung aus Coolness und Leidenschaft. Meist verfolgen wir das Geschehen aus Johnny Kovaks Perspektive, die dadurch entstehende Nähe zu ihm macht es phasenweise schmerzhaft, seinen Aufstieg und Fall über mehrere Jahre zu verfolgen. Die sorgfältige Ausstattung trägt dazu bei, ein authentisch wirkendes Bild einer maroden Gewerkschaftsbewegung zu zeichnen, die mit dem hehren und legitimen Ziel aufgebrochen war, der Arbeiterschaft würdige Bedingungen zu verschaffen. In Nebenrollen werten Rod Steiger als Senator und Brian Dennehy als Gewerkschafter die Besetzung auf.

Erstmals ungekürzt in Deutschland

Koch Films hat hierzulande erstmals die ungekürzte US-Fassung von „F.I.S.T. – Ein Mann geht seinen Weg“ veröffentlicht. Bis dato war europaweit nur eine um eine runde Viertelstunde gekürzte Fassung erhältlich gewesen, deren Lücken spürbar sind. Zu den Unterschieden beider Fassungen sei auf den Schnittbericht verwiesen. Auf der Blu-ray von Koch ist die europäische Fassung im Zusatzmaterial enthalten, sie ist aber entbehrlich. Löblich, dass auch deutsche Stallone- und Film-Fans nun endlich in den vollen Genuss dieses trotz seiner Länge durchweg fesselnden Krimidramas kommen – die zusätzlichen Szenen sind nicht neu synchronisiert, sondern mit Untertiteln eingefügt worden. Ein Stern in Stallones Filmografie. Und nach „Creed – Rocky’s Legacy“ (2015) haben ihn ja sogar die Ausrichter der Goldenen Himbeere mit dem Himbeeren-Erlöser-Preis rehabilitiert.

Er steigt zum mächtigen Gewerkschaftsboss auf …

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Sylvester Stallone sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

… und wird vor einen Untersuchungsausschuss zitiert

Veröffentlichung: 25. Januar 2018 als Blu-ray und DVD

Länge: 145 Min. (Blu-ray), 131 Min. (Blu-ray, deutsche Kinofassung), 140 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: F.I.S.T.
USA 1978
Regie: Norman Jewison
Drehbuch: Joe Eszterhas
Besetzung: Sylvester Stallone, David Huffman, Melinda Dillon, Kevin Conway, Rod Steiger, Brian Dennehy, Peter Boyle, Tony Lo Bianco, Ken Kercheval
Zusatzmaterial: Interviews mit Regisseur Norman Jewison und Autor Joe Eszterhas, englischer Trailer, Bildergalerie, Wendecover, nur Blu-ray: deutsche Kinofassung
Label/Vertrieb: Koch Films

Copyright 2018 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2018 Koch Films

 

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