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Skyscraper – Action für Anfänger

11 Jul

Skyscraper

Kinostart: 12. Juli 2018 in 3D und 2D

Von Lutz R. Bierend

Actionthriller // Es gibt eine alte Goldene Regel für den ambitionierten Drehbuchautoren, der sein Skript im Elevator-Pitch an den gelangweilten Produzenten bringen will: Nie, nie nie niemals präsentiere deine Geschichte als „Blockbuster A meets Blockbuster B“. Leider hat Rawson Marshall Thurber („Central Intelligence“) wohl noch nie etwas von dieser Regel gehört. Für den Zuschauer umso bedauerlicher ist es, dass Produzent Dwayne Johnson offensichtlich die Vorstellung gefiel, sich einmal als Symbiose aus Steve McQueen und dem jungen Bruce Willis durch einen Actionfilm zu kämpfen, weshalb er diese „Flammendes Inferno“-meets-„Stirb Langsam“-Geschichte unter seine Fittiche nahm.

Will Sawyer (r.) soll für den Tycoon Zhao Long Ji (l.) die Sicherheit des Wolkenkratzers prüfen

Leider treffen sich diese Klassiker in „Skyscraper“ nur an ihren belanglosesten Stellen. Ein Hochhaus brennt. Nicht irgendein Hochhaus, sondern der gigantische Wolkenkratzer „The Pearl“ in Hongkong. Und dieses überdimensionierte Gebäude haben Terroristen unter ihre Kontrolle gebracht, welche zu allem Überfluss die Familie der Hauptfigur Will Sawyer (Johnson) in ihrer Gewalt haben. Weder hat Dwayne Johnson die stoische Coolness eines Steve McQueen noch die lässige Schnodderigkeit eines Bruce Willis, der als ganz normaler Cop einfach nur zur falschen Zeit an der richtigen Stelle war, um einen Haufen Terroristen zu stoppen und seiner Frau zu zeigen, dass er doch der richtige Mann in ihrem Leben ist. Obendrein mangelt es Regisseur und Autor Thurber am dramaturgischen Geschick eines John McTiernan, der in den 80ern mit „Predator“ und eben „Stirb langsam“ zwei Klassiker mit bleibendem Eindruck gedreht hat.

Mit der Prothese über den Abgrund

Während Johnsons vorheriges Werk „Rampage“ immerhin mit der infantilen Zerstörungswut seiner 80er-Spielkonsolenvorlage zu überzeugen wusste und ihm keine unüberwindlichen schauspielerischen Leistungen abverlangte, ist das Positivste, was man zu „Skyscraper“ sagen kann, dass er der erste Inklusionsfilm des Action-Kinos ist. Gleich zu Beginn erfahren wir, wie Johnson sein Bein verliert und damit seine Familie findet. Was er so alles mit seiner Prothese anstellt, ist schon so beeindruckend, dass sich der Film fast wie ein Werbefilm für die Prothesenindustrie sehen lässt. Wenn man sieht, wie er damit von einem Kran auf Höhe des 105. Stockwerkes zwanzig Meter über den Abgrund springt, um sich an einem zertrümmerten Fensterrahmen des brennenden Hochhauses festzuhalten und ins Gebäube zu retten, mag man fast die Hoffnung haben, dass dies einfach augenzwinkernde Over-the-Top-Action ist, wie sie Bruce Willis im vierten Teil seines „Stirb Langsam“-Franchises anständig zelebriert hat, aber leider ist hier kein ironisches Augenzwinkern zu bemerken.

„The Pearl“ – sicher dat!

Die Charaktere sind dermaßen holzschnittartig gezeichnet, dass es schwerfällt, mit ihnen mitzufiebern. Wenn Wills von Neve Campbell gespielte Ehefrau Sarah mit seinen kleinen Sohn auf dem Rücken über ein schmales Brett über der lodernden Feuersbrunst balanciert, während „The Rock“ die Stahlseile festhält, damit die Brücke nicht zusammenbricht, wissen wir ohnehin, dass alles gutgehen wird, denn die gesamte Geschichte ist viel zu sehr auf gefälligen Blockbuster gestrickt, als dass man hier wirklich jemanden in Gefahr wähnt, er könne abstürzen und verbrennen. Es sei denn, er kollaboriert mit den Bösen – auch das sieht man den Darstellern meist schon lange an, bevor das Drehbuch glaubt, das Publikum damit überraschen zu können.

Lieber noch einmal „Stirb langsam“

Es bleibt die Frage, für wen ein Film wie „Skyscraper“ gemacht wurde? Vermutlich nur für jene Teenager, deren Eltern die anständigen Originale aus Gründen des Jugendschutzes gut versteckt haben. Jeder Erwachsene, mit einem etwas größeren Fundus in der Filmgeschichte wird um diesen Film vermutlich einen großem Bogen machen und lieber zu einem der Klassiker greifen. Es macht selbst beim x-ten Mal mehr Spaß, sich anzuschauen, wie Bruce Willis ein nicht am Computer generiertes Hochhaus in Schutt und Asche legt. Und Alan Rickman gibt als Hans Gruber einen interessanteren Schurken ab als der Däne Roland Møller in „Skyscraper“.

Kann Will seine Liebste retten?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Dwayne Johnson sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet. Einen lesenswerten Text zu „Skyscraper“ hat „Die Nacht der lebenden Texte“-Autor Andreas auf dem Blog „Fluxkompensator“ veröffentlicht.

Sich mit Klebeband am Fenster befestigen – wenn’s weiter nichts ist

Länge: 102 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Skyscraper
USA 2018
Regie: Rawson Marshall Thurber
Drehbuch: Rawson Marshall Thurber
Besetzung: Dwayne Johnson, Neve Campbell, Pablo Schreiber, Noah Taylor, Chin Han, Tzi Ma, Hannah Quinlivan, Byron Mann, Roland Møller, McKenna Roberts, Noah Cottrell, Kevin Rankin
Verleih: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2018 by Lutz R. Bierend

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2018 Universal Pictures Germany GmbH

 

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