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Ernest Borgnine (VII): Poseidon Inferno – Die Höllenfahrt der Poseidon

21 Jul

The Poseidon Adventure

Von Volker Schönenberger

Action-Abenteuer // Majestätisch zieht die „SS Poseidon“ kurz vor dem Jahreswechsel ihre Bahn durchs Mittelmeer. Das große Passagierschiff befindet sich auf dem Weg von New York nach Athen, wo es ausgemustert wird. Weil der Oceanliner im letzten Hafen keinen Ballast gebunkert hatte, muss er sich mühsam durch die raue See kämpfen. Auf der Brücke befindet sich auch ein Vertreter des Eigentümerkonsortiums der „Poseidon“, der Kapitän Harrison (Leslie Nielsen) nötigt, mit voller Kraft zu fahren.

Die „Poseidon“ kentert

Von den Spannungen auf der Brücke bekommen die Passagiere nichts mit. Der aufbrausende Polizist Mike Rogo (Ernest Borgnine) sorgt sich um seine seekranke Frau Linda (Stella Stevens), die junge Susan Shelby (Pamela Sue Martin) muss sich mit ihrem aufmüpfigen kleinen Bruder Robin (Eric Shea) herumplagen, das Pensionärs-Ehepaar Rosen (Shelley Winters, Jack Albertson) genießt einfach die Fahrt. An Bord befinden sich auch die Bordsängerin Nonnie Parry (Carol Lynley), der rebellische Geistliche Reverend Scott (Gene Hackman) und der schüchterne Einzelgänger James Martin (Red Buttons).

Seebeben löst Riesenwelle aus

Pünktlich zu Silvester klart das Wetter auf. Doch während die Passagiere im Ballsaal der „Poseidon“ das neue Jahr begrüßen und „Auld Lang Syne“ singen, bricht das Verderben über sie herein: Ein Seebeben hat eine Riesenwelle hervorgebracht. Als Kapitän Harrison das heranrasende Unheil bemerkt, ist es bereits zu spät, das Schiff zu drehen, die Welle fällt von der Seite über die „Poseidon“ her und bringt sie zum Kentern. Nach wenigen Momenten ist der Spuk vorbei, das riesige Gefährt treibt kieloben in der See. Eine kleine Gruppe Überlebender macht sich vom Ballsaal auf, zum Wellentunnel im Heck der „Poseidon“ zu gelangen, weil nur dort der Stahl des Rumpfs dünn genug sei, um durchbrechen zu können.

Tod im Ballsaal

Katastrophenfilme haben immer Konjunktur. Trotz technisch perfekter moderner, bisweilen gigantomanischer Umsetzungen wie „San Andreas“ (2015), „2012“ (2009), „The Day After Tomorrow“ (2004) und natürlich „Titanic“ (1997) und „Twister“ (1996) lohnt sich der Blick noch weiter zurück: etwa in die 1970er-Jahre, als mit „Flammendes Inferno“, „Erdbeben“ (beide 1974) und eben „Poseidon Inferno – Die Höllenfahrt der Poseidon“ (1972) drei ikonische Genrebeiträge mit großer Starpower entstanden. Letztgenannter Vertreter gilt als Auslöser der Welle an Katastrophenfilmen jener Dekade.

Fünf Oscar-Preisträger an Bord

Mit Gene Hackman („French Connection – Brennpunkt Brooklyn“), Ernest Borgnine („Marty“), Shelley Winters („Das Tagebuch der Anne Frank“, „Träumende Lippen“), Red Buttons („Sayonara“) und Jack Albertson („The Subject Was Roses“) wartet die Besetzung mit gleich fünf Oscar-Preisträgern auf. Das Ensemble funktioniert dann auch formidabel, die Anstrengungen und Spannungen der Überlebenden in der klaustrophobischen Enge der Schiffsgänge werden hautnah nachvollziehbar. Hackmans Prediger und Borgnines Polizist liefern sich dabei ein paar Alphatier-Auseinandersetzungen. Die Figurenkonstellation und ihre Beziehungen sind deutlich besser gezeichnet als in vielen heutigen Blockbustern. Mit Oscar-Preisträger Stirling Silliphant („In der Hitze der Nacht“) zeichnete ein versierter Autor fürs Drehbuch verantwortlich, der Paul Gallicos Romanvorlage gekonnt für die Leinwand umschrieb. Gallico war dem Vernehmen nach zu seiner Geschichte inspiriert worden, als er an Bord der „RMS Queen Mary“ erlebte, wie eine überdimensionale Welle den Oceanliner in Schlagseite brachte.

Beschwerlicher Aufstieg durch den Schornstein

Als „Poseidon“ zu Beginn des Films fungiert ein Modell der „Queen Mary“, einige Szenen entstanden tatsächlich auf dem Schiff. Der Vollständigkeit halber sei der Oscar für den Filmsong „The Morning After“ erwähnt, hinzu kam bei der 1973er-Verleihung ein „Special Achievement Award“ für die visuellen Effekte. Oscarnominiert waren auch Shelley Winters als Nebendarstellerin, Harold E. Stine für die Kamera, die Ausstattung, das Kostümdesign,Ton, Schnitt sowie der Score von John Williams. Winters hatte für ihre Rolle kurz zuvor einen Golden Globe gewonnen.

Tsunami vs. Monsterwelle

Die Erklärung für die die „Poseidon“ zum Kentern bringende Welle erscheint etwas ungenau. Seebeben lösen gemeinhin zwar riesige Wellen aus, dabei handelt es sich aber in der Regel wohl um Tsunamis, die den Schiffen auf See kaum gefährlich werden, weil sie sich unterseeisch mit Tiefenwasser auftürmen und erst an der Küste hochschlagen. Anfang der 1970er-Jahre war der Begriff Tsunami im Westen ohnehin weitgehend unbekannt. Sogenannte Monsterwellen, die Schiffe auf See kentern lassen, galten früher als Seemannsgarn, bis ihre Existenz belegt wurde. Sie entstehen aus vielfältigen Ursachen, die mit dem Wetter, Strömungen und anderen Aspekten zusammenhängen.

Reverend Scott sucht unter Wasser einen Fluchtweg …

Auf „Poseidon Inferno – Die Höllenfahrt der Poseidon“ folgte 1979 „Jagd auf die Poseidon“ („Beyond the Poseidon Adventure“) mit Michael Caine und Sally Field, in welchem Abenteurer das Wrack des nach wie vor kieloben treibenden Schiffs erkunden, weil sie darin ein Vermögen vermuten. Dabei treffen sie im Innern des Wracks sogar auf Überlebende. Regie führte „Master of Disaster“ Irwin Allen, der den Vorgänger sowie 1974 auch „Flammendes Inferno“ produziert hatte. 2005 entstand das TV-Remake „Der Poseidon-Anschlag“ („The Poseidon Adventure“) mit Adam Baldwin und Rutger Hauer, ein Jahr später verfilmte Wolfgang Petersen die Geschichte erneut unter dem Titel „Poseidon“. In den Hauptrollen: Josh Lucas, Kurt Russell und Richard Dreyfuss. Alle drei Umsetzungen erreichen zu keinem Zeitpunkt die Intensität des Originals. „Poseidon Inferno – Die Höllenfahrt der Poseidon“ ist auch heute noch eins der großen Highlights des Katastrophenfilms.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Shelley Winters sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Ernest Borgnine unter Schauspieler.

… und leistet geistlichen Beistand

Veröffentlichung: 22. März 2018 als Blu-ray und DVD, 30. März 2012 als Blu-ray, 27. Dezember 2006 als 2-Disc Special Edition DVD im Steelbook, 26. Juni 2006 als 2-Disc Special Edition DVD, 27. März 2003 als DVD

Länge: 117 Min. (Blu-ray), 112 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Polnisch
Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte, Französisch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch, Dänisch, Schwedisch, Norwegisch, Finnisch, Polnisch u. a.
Originaltitel: The Poseidon Adventure
USA 1972
Regie: Ronald Neame
Drehbuch: Stirling Silliphant, nach einem Roman von Paul Gallico
Besetzung: Gene Hackman, Ernest Borgnine, Shelley Winters, Red Buttons, Carol Lynley, Roddy McDowall, Stella Stevens, Pamela Sue Martin, Jack Albertson, Arthur O’Connell, Eric Shea, Sheila Allen, Fred Sadoff
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Regisseur Ronald Neame, Audiokommentar mit den Darstellerinnen Pamela Sue Martin, Stella Stevens und Carol Lynley, Hollywood Backstories: Poseidon Inferno, Das Ensemble blickt zurück, Ernies Sturz nach oben, Der Autor: Stirling Silliphant, Die Helden der Poseidon, The Morning After: Die Story zum Song, R.M.S. Queen Mary, Gespräche mit Ronald Neame, Fotogalerien, Storyboard-Vergleiche, Featurette von 1972, Originalteaser, Originaltrailer, Wendecover
Label: Black Hill Pictures GmbH
Vertrieb: Koch Films
Label/Vertrieb 2012 und älter: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshot Blu-ray: © 2018 Black Hill Pictures GmbH

 
 

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Eine Antwort zu “Ernest Borgnine (VII): Poseidon Inferno – Die Höllenfahrt der Poseidon

  1. Titanica

    2018/07/25 at 19:51

    Einer meiner absoluten Lieblingsfilme als ich ein Teenager war …

    Immer wieder sehenswert.

     

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