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Friedhof der Kuscheltiere 2 – Das Grauen ist zurück in Ludlow

17 Apr

Pet Sematary II

Von Andreas Eckenfels

Horror // Some stories just won’t stay dead. Mit diesem Slogan hätte man auch die Neuverfilmung des Stephen-King-Bestsellers bewerben können, doch der Spruch war bereits für die 1992 entstandene Fortsetzung verwendet worden. Mit einem US-Einspielergebnis von inflationsunbereinigten 57 Millionen US-Dollar rangiert „Friedhof der Kuscheltiere“ in den USA noch heute auf Platz 5 der erfolgreichsten Adaptionen nach Werken des Horrormeisters. In Deutschland gruselten sich mehr als 1,7 Millionen Kinozuschauer vor dem Schrecken, welcher Familie Creed widerfuhr. Somit war es nur eine Frage der Zeit, bis Hollywood der unsterblichen Geschichte ein zweites Kapitel hinzufügen würde. Es dauerte dann auch nur drei Jahre.

Begräbnis mit Folgen

Der 13-jährige Jeff (Edward Furlong) muss mit eigenen Augen mit ansehen, wie seine Mutter (Darlanne Fluegel) bei einem Unfall am Set zu Tode kommt. Das Begräbnis der berühmten Schauspielerin findet in ihrem Heimatort Ludlow im US-Bundesstaat Maine statt, wo auch Jeff mit seinem Vater Chase (Anthony Edwards) ihr Sommerhaus frisch bezieht. Der Tierarzt will mit dem Umzug seinem traumatisierten Sohn einen Neustart ermöglichen. Doch der Junge hat es schwer in der Schule. Besonders von Rabauke Clyde (Jared Rushton) und seinen Kumpels wird er immer wieder tyrannisiert. Dafür freundet sich Jeff mit Außenseiter Drew (Jason McGuire) an, der von seinem verhassten Stiefvater Gus (Clancy Brown), dem Sheriff des Örtchens, regelmäßig schikaniert wird. Als Gus eines Nachts Drews geliebten Hund Zowie erschießt, hilft Jeff seinem trauernden Freund dabei, das Tier auf einem mystischen Indianerfriedhof zu begraben. Tatsächlich bewahrheitet sich die Legende, die in der Kleinstadt herumspukt: Zowie kehrt aus dem Reich der Toten zurück. Der Beginn grausamer Ereignisse …

Stephen King wendet sich ab

Nach dem Erfolg des Erstlings wurde Mary Lambert auch für den zweiten Teil mit der Regie betraut. Sie sprach sich dafür aus, dass sich die Fortsetzung auf Ellie, die Tochter der Familie Creed, konzentriert. Doch im fertigen Film ist nur kurz das verbarrikadierte Creed-Haus zu sehen und wird ebenfalls nur kurz über das Schicksal der Familie gesprochen. Paramount wollte lieber einen männlichen Protagonisten und fand ihn in Newcomer Edward Furlong, der gerade durch sein Debüt in „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“ Bekanntheit erlangt hatte. Laut Produzent Ralph S. Singleton wollte Stephen King diesmal nicht, dass sein Name im Zusammenhang mit dem Film genannt wird.

Ob die Abstinenz des Horrorautors der Grund dafür war, dass „Friedhof der Kuscheltiere 2“ schwächer als sein Vorgänger ist, sei dahingestellt. Dafür hat King auch schon einige miesere Machwerke in Drehbuchform oder „Rhea M. – Es begann ohne Warnung“ (1986) als Regisseur abgeliefert. Der Film belegt vielmehr das Klischee von Horror-Fortsetzungen, die wenige Jahre später von Wes Cravens „Scream“-Reihe clever offengelegt wurden: mehr Blut, weniger Story. Überhaupt variiert die Geschichte nur leicht, lässt aber Spannung, Atmosphäre und die emotionale Wucht des Erstlings größtenteils vermissen. Auch das Mysterium um den Indianerfriedhof wird nicht näher beleuchtet. Zudem sorgen einige Drehbuchentscheidungen für Stirnrunzeln: Warum nimmt Jeff sein Kätzchen mit in die Schule? Warum sucht sich Clyde ausgerechnet Jeff als Prügelknabe aus und warum feiern später die Gepeinigten Jeff und Drew dennoch gemeinsam mit Clyde und dessen Clique Halloween am Lagerfeuer? Das sind nur einige von vielen Fragen, die sich während der Sichtung stellen. Furlong gibt dabei mit gewohnt grimmig-traurigem Gesichtsausdruck den vom Schicksal gebeutelten Teenager. Edwards erhält wenig zu tun. 1994 nahm seine Karriere mit der Arztserie „E.R. – Emergency Room“ endgültig Fahrt auf.

Zombiepersiflage ohne Schrecken

Clancy Browns Darstellung als wiederkehrender Gus bleibt dagegen positiv wie auch negativ am stärksten im Gedächtnis. Als hünenhafter Schwertschwinger in „Highlander – Es kann nur einen geben!“ (1986) wollte er Christopher Lambert einen Kopf kürzer machen, in „Friedhof der Kuscheltiere 2“ muss Brown dagegen komplett aberwitzig und übertrieben agieren. Nach seiner Rückkehr von den Toten vergewaltigt er unnötigerweise erst mal seine Frau, bevor er am Abendbrottisch vor Jeff und Drew mit dem Essen spielt und später seinen geliebten Hasen den Hals umdreht, um sie anschließend zu häuten und roh zu verspeisen. Schrecken versprüht dieser sadistische Freak in keiner Weise. Verfügte Teil eins noch über einen ernsten Unterton, der sich einigermaßen tiefgründig mit den Themen Verlust, Trauer und Schuld auseinandersetzte, verkommt der zweite Teil zu einer relativ sinnfreien Zombiepersiflage.

Zugegebenermaßen ist Browns Gus ebenso wie einige der handgemachten Goreszenen aber auch nicht ohne Unterhaltungswert. Verbrannte Gesichter, ausgerissene Hautfetzen und eine laufende Bohrmaschine, die ins Fleisch eindringt. Da geht es für 90er-Jahre-Verhältnisse ordentlich zur Sache – und dies nach Meinung der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien so heftig, dass die VHS des Films bereits 1993 indiziert wurde. Zuvor hatten sich ordentliche 529.000 Zuschauer in die deutschen Kinos gewagt. In den USA spielte die Fortsetzung 17 Millionen US-Dollar ein. Wohl zu wenig für einen dritten Aufguss. Erst mit der Neuverfilmung wurde die Geschichte 2019 wiederbelebt.

Warten auf die Blu-ray – und den Workprint

Die Indizierung hatte bis Ende 2016 Bestand. Die deutsche DVD ist nicht mehr erhältlich, laut den Angaben bei der ofdb verfügt die UK-DVD allerdings über deutschen Ton. Laut dem „X-Rated“-Magazin konnte sich 84 Entertainment bereits 2015 die Rechte für beide „Friedhof der Kuscheltiere“-Teile sichern. Teil eins wurde 2016 auf Blu-ray veröffentlicht, Teil 2 lässt leider noch immer auf sich warten. Weltweit ist bis dato keine HD-Fassung von „Friedhof der Kuscheltiere 2“ erschienen. Hoffen wir für Liebhaber des Films darauf, dass diese Lücke bald geschlossen wird und dann auch die etwa acht Minuten längere Workprint-Fassung in bestmöglicher Qualität mit an Bord ist.

Veröffentlichung: 9. Oktober 2002 als DVD

Länge: 96 Min.
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch u. a.
Untertitel: Deutsch, Englisch u. a.
Originaltitel: Pet Sematary II
USA 1992
Regie: Mary Lambert
Drehbuch: Richard Outten
Besetzung: Edward Furlong, Anthony Edwards, Clancy Brown, Jared Rushton, Darlanne Fluegel, Jason McGuire, Sarah Trigger, Lisa Waltz
Zusatzmaterial: Trailer
Vertrieb: Paramount Home Entertainment

Copyright 2019 by Andreas Eckenfels

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