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Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster – Godzilla und die kiffende Kaulquappe

09 Mai

Gojira tai Hedora

Von Andreas Eckenfels

SF-Abenteuer // Japan stinkt zum Himmel: Die voranschreitende Umweltverschutzung der Industrienation ist besonderes an den Gewässern erkennbar. Aus einer dieser dickflüssigen, blubbernden Brühen hat ein alter Mann einen seltsamen Fisch aus dem Wasser gezogen, den er sogleich Dr. Yano (Akira Yamauchi) zu Untersuchungszwecken vorbeibringt. In den Nachrichten wird derweil über ein mysteriöses Ungetüm mit roten Augen berichtet, welches im Meer ganze Schiffe zerlegt. Als die Bedrohung immer größer wird, weiß Dr. Yanos kleiner Sohn Ken (Hiroyuki Kawase), dass nur noch einer helfen kann: Godzilla! Kurze Zeit später taucht Kens geschuppter, riesiger Held auch tatsächlich auf und nimmt den Kampf gegen das böse Kaulquappenmonster Hydrox auf.

Ist es ein U-Boot oder ein Ungeheuer?

Wieder einmal können wir über den deutschen Kinotitel aus den 70er-Jahren den Kopf schütteln. Natürlich greift hier keinesfalls der von Mary Shelley erdachte Wissenschaftler Dr. Frankenstein ins Geschehen ein, noch bekommt es Godzilla mit mehreren Teufelsmonstern zu tun. Sein einziger Gegner ist Hydrox, der im japanischen Original passender Hedora genannt wird, was so viel wie „Schlamm“ oder „Schlick“ bedeutet.

Von der Atombombe zur Umweltverschmutzung

Das elfte „Godzilla“-Abenteuer aus den berühmten Tōhō-Studios zählt ohne Frage zu einem der bizarrsten Teile der langlebigen Kaijū-Reihe. Dies beginnt bereits damit, dass der Film mit einer bunten Titelsequenz in bester James-Bond-Manier beginnt. Darin singt Schauspielerin Kaiko Mari vor der Großaufnahme einer wabernden Lavalampe und Bildern verschmutzter Gewässer über den Verlust von Flora und Fauna und die nötige Rettung der Erde. Während im Ur-„Godzilla“ von 1954 noch recht subtil vor den Gefahren der Atombombe gewarnt wurde, zieht sich der pädagogische Anspruch und ein damit verbundener erhobener Zeigefinger zum Thema Umweltverschmutzung in „Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster“ recht unverhohlen durch den gesamten Film. Passend zur Rückbesinnung auf die Natur wird auch der Hippiebewegung ein wenig Raum geboten. In einer fast psychedelisch anmutenden Discoszene, in der Mari erneut ihren Ohrwurm zum Besten gibt, wirft sich ein junger Mann eine Substanz ein, von der er Wahnvorstellungen bekommt: Die wie in Trance tanzenden Gäste tragen auf einmal Fischköpfe auf dem Hals. Später musizieren die Hippies auch am Lagerfeuer unter freiem Himmel. Dann macht das Ungetüm sie platt.

Godzilla geht in die Luft

Godzilla, der bei seinem ersten Auftritt wie ein Western-Held vor der aufgehenden, roten Sonne dem Publikum als Retter in der Not stolz entgegenstapft, bekommt es diesmal mit einem ebenbürtigen, aber ungewöhnlichen Gegner zu tun: Das Monster Hedora – wir bleiben mal beim Originalnamen – entpuppt sich nach Dr. Yanos Nachforschungen als Ausgeburt der zunehmenden Umweltverschmutzung des Landes. Es besteht zum Großteil aus kristallisiertem Kohlenstoff und ernährt sich von Industrieabfällen. Besonders skurril sind die Szenen, in denen sich das Riesenvieh über die rauchenden Schornsteine der Industrieanlagen hängt und tief einatmet. Dabei stellt sich heraus: Rauchen gefährdet bei Hedora keineswegs die Gesundheit und hemmt auch nicht sein Wachstum. Im Gegenteil: Das kiffende Kaulquappenmonster wird immer größer, nimmt verschiedene Formen an und kann sich so zunächst nur im Wasser, später aber auch an Land und in der Luft fortbewegen – und massive Zerstörungen durch giftigen Schlamm oder ätzende Gase anrichten. Um den Feind zu besiegen, muss Godzilla nicht nur mit den Menschen kooperieren, sondern auch erstmals dank seines Hitzestrahls abheben und dem Biest hinterherfliegen!

Dr. Yano (l.) wurde von Hydrox schwer verletzt

Regisseur und Drehbuchautor Yoshimitsu Banno (1931–2017) arbeitete zuvor unter anderem als Assistent von Akira Kurosawa. Welche Zielgruppe er mit dieser Ansammlung abgefahrener Ideen im Hinterkopf hatte, wird nicht ganz klar. Einerseits wird die Handlung immer wieder durch kurze Zeichentrick-Sequenzen unterbrochen, bei dem jedes Kind versteht, welche Bedrohung von der Umweltverschmutzung ausgeht. Andererseits geht es auch für Kaijū-Verhältnisse relativ brutal zur Sache, wenn die menschlichen Opfer, die Hedora bei seinen Verwüstungen hinterlässt, recht deutlich gezeigt werden. Aufgrund der zahlreichen überraschenden Momente zählt „Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster“ jedenfalls zu den unterhaltsamsten „Godzilla“-Abenteuern.

Monster und Schöpfer werden verbannt

Produzent Tomoyuki Tanaka (1910–1997), der während des Drehs im Krankenhaus lag, zeigte sich von dem Endergebnis allerdings überhaupt nicht begeistert. Er soll dermaßen sauer gewesen sein, dass er entschied, dass Yoshimitsu Banno zu Tanakas Lebzeiten keinen weiteren Teil der Reihe drehen dufte. Somit fiel Bannos geplante Fortsetzung ins Wasser, die in Afrika angesiedelt werden sollte. Ironischerweise konnte sich Yoshimitsu Banno einige Jahre nach Tanakas Tod die Rechte an „Godzilla“ sichern und war somit auch bei der neuen Hollywood-Variante von Gareth Edwards und deren Sequel „Godzilla II – King of the Monsters“, das am 30. Mai in den Kinos startet, als ausführender Produzent beteiligt.

Hedora alias Hydrox sorgt in Japan für dicke Luft

Das Monster Hedora ereilte ein ähnliches Schicksal wie sein Schöpfer Yoshimitsu Banno: Es wurde nahezu verbannt. Nach „Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster“ gab es mit ihm erst mehr als 30 Jahre später ein einziges, denkbar kurzes Wiedersehen in „Godzilla – Final Wars“ (2004). Immerhin konnte sich Schauspieler Kenpachiro Satsuma, der in Hedoras Kostüm sein Debüt für die Tōhō-Studios feierte, für weitere Aufgaben empfehlen. Besonders während der Heisei-Ära durfte Satsuma auch regelmäßig als Godzilla einen großen Auftritt hinlegen.

Die 2015 als Teil 10 der „Kaiju Classics“ von Anolis Entertainment veröffentlichte Doppel-DVD im sogenannten Star Metalpak ist längst vergriffen und gesucht. Umso schöner für die vielen deutschen Kaijū-Fans, dass es Anolis gelungen ist, „Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster“ nun auch für eine deutsche Blu-ray zu lizenzieren. Das gilt auch für „Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer“ und „Frankensteins Höllenbrut“ – das Label hat alle drei Filme als Blu-ray im Softcase herausgebracht. Sammler der Reihe können nun endlich ihren Gutschein fürs HD-Upgrade einsetzen, den Anolis seinerzeit den Star Metalpaks beigelegt hatte. „Mothra bedroht die Welt“ ist kürzlich sogar gleich in der schmucken Blechdose mit Blu-ray und DVD erschienen. So loben wir uns das.

Zu Wasser, zu Land und in der Luft: Godzilla nimmt den Kampf auf

Die Anolis-Entertainment-Reihe „Kaiju Classics“ haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt. Lesenswerte Texte zu „Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster“ finden sich auch im „Filmforum Bremen“ und auf dem Fluxkompensator.

Veröffentlichung: 14. Dezember 2018 als Blu-ray, 6. Februar 2015 als 2-DVD-Edition im auf 1.500 Exemplare limitierten Star Metalpak als Nr. 10 der Reihe „Kaiju Classics“

Länge: 85 Min. (Blu-ray), 82 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Gojira tai Hedora
JAP 1971
Regie: Yoshimitsu Banno
Drehbuch: Yoshimitsu Banno, Takeshi Kimura (als Kaoru Mabuchi)
Besetzung: Akira Yamauchi, Toshie Kimura, Hiroyuki Kawase, Toshio Shiba, Keiko Mari, Yoshio Yoshida, Haruo Suzuki, Yoshio Katsube
Zusatzmaterial Blu-ray: Trailer, Wendecover
Zusatzmaterial DVD: Audiokommentare von Jörg Buttgereit und Bodo Traber, Thorsten Rosemann und Florian Bahr, Interview mit Yoshimitsu Banno, Werberatschläge, Trailer, Bildergalerie u. a., 20-seitiges Booklet mit einem Text von Ingo Strecker
Label/Vertrieb: Anolis Entertainment GmbH

Copyright 2019 by Andreas Eckenfels

Szenenfotos: © 2019 Anolis Entertainment GmbH

 
 

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3 Antworten zu “Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster – Godzilla und die kiffende Kaulquappe

  1. Wortman

    2019/05/09 at 13:43

    Ich fand den gar nicht so schlecht 🙂

     
    • V. Beautifulmountain

      2019/05/09 at 14:18

      Muss den endlich mal schauen. Die Kaiju-Classics-DVD liegt schon lange im Regal (hab die Reihe vollständig).

       
      • Wortman

        2019/05/09 at 15:35

        Ich hab auch alle Filme bis auf einen. Den, wo Godzilla bzw. Minja richtig spricht. Den quark muss ich nicht haben 😉
        Ich hab auch fast alle Gamera – Filme.

         

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