RSS

Goal of the Dead – 11 Zombies müsst Ihr sein: Ein müder Kick

03 Jul

Goal_of_the_Dead-Cover

Goal of the Dead

Von Volker Schönenberger

Horrorkomödie // Es ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Wann immer eine neue Zombiekomödie das Licht der Welt erblickt, wird sie mit einem Vergleich zu „Shaun of the Dead“ beworben. Leider wird ebenso zuverlässig kaum einmal das Niveau der liebevollen englischen Zombie-Hommage von 2004 erreicht – so auch nicht beim französischen „Goal of the Dead – 11 Zombies müsst Ihr sein“, den Koch Media pünktlich zur Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien auf den Markt wirft. „Der vielleicht lustigste Horrorfilm seit ,Shaun of the Dead‘“, so die Pressemitteilung zur Veröffentlichung – dieses Fazit geht weit an der Realität vorbei.

Zombies auf dem Fußballfeld

Dabei sind die Vorzeichen gar nicht mal schlecht: Rund um ein Fußballspiel bricht eine Zombie-Epidemie aus – das ist originell und lässt auf schöne Stadionszenen hoffen. Regisseur Benjamin Rocher inszenierte immerhin 2009 den actionreichen und unter Zombiefilmfans durchaus beliebten „Die Horde“.

Goal_of_the_Dead-2

Das Spiel wirkt recht statisch

Rocher ist für die erste Hälfte von „Goal of the Dead“ verantwortlich, in der das fiktive Erstliga-Team von Olympique de Paris in die Provinz reist, um im Pokalwettbewerb beim unterklassigen Club von Caplongue anzutreten. Brisanz gewinnt die Partie dadurch, dass im Team von Paris nach vielen Jahren ein verlorener und als Verräter gebrandmarkter Sohn nach Caplongue heimkehrt: der gealterte Star Sam Lorit (Alban Lenoir). Seine Begrüßung durch die Fans vor dem Stadion fällt entsprechend aus. Fußballfans sind eben nachtragend, wenn ihr Liebling wechselt, womöglich noch zum falschen Verein – da können Spieler wie Mario Götze, Manuel Neuer, Andy Möller und Bernd Hollerbach ein Lied von singen.

Mit Doping zum Untoten

Zum Ausbruch der Zombie-Epidemie kommt es, als einem Spieler von Caplongue von seinem Vater ein ominöses Dopingpräparat gespritzt wird. Unerfreuliche Nebenwirkung: Mutation zum blutrünstigen Zombie, der eine hoch ansteckende milchige Flüssigkeit verspritzt – ein eher lahmer Ekeleffekt übrigens. Als der mörderische untote Spieler während des Matches das Spielfeld stürmt, brechen die Dämme.

Der Film ist nach Vorgabe von Grindhouse-Double-Features und passend zu einem Fußballspiel in zwei Halbzeiten aufgeteilt – inklusive eines zweiten Vorspanns nach der Hälfte des Films. Dem Vernehmen nach lief „Goal of the Dead“ in den französischen Kinos auch als Double-Feature, für den deutschen Markt wurde der Streifen anscheinend von zwei mal 70 auf zwei Mal knapp 60 Minuten zusammengekürzt. Die zweite Hälfte inszenierte Thierry Poiraud, der 2004 beim hierzulande eher unbekannten „Atomik Circus – Le retour de James Bataille” auf dem Regiestuhl saß.

Goal_of_the_Dead-8

Dieser Spieler hat die Fans zum Fressen gern

Dass die längere Version es herausreißt, darf bezweifelt werden. „Goal of the Dead“ geht als lupenreine Enttäuschung durch, auch wenn der Rezensentenkollege der Zeitschrift „Deadline“ dem Film ein überraschend selbstironisches Gagfeuerwerk, Situationskomik und viele lustige Dialoge bescheinigt. Davon kann leider keine Rede sein. Lustige Szenen sind Mangelware, der Humor lässt nur selten schmunzeln, Schenkelklopfer und Lachattacken löst er zu keinem Zeitpunkt aus. Ein Beispiel: Wenn sich der Trainer und der schmierige Spielerberater zum Boxkampf aufstellen, so beginnt das sogar einigermaßen lustig. Dumm nur, dass die Zombies angreifen, bevor es weitergeht, und der Spaß in der Szene schneller vorbei ist als er begonnen hat. Ein paar Ekelsequenzen mit der ansteckenden milchigen Körperflüssigkeit sollen wohl ebenfalls lustig sein – der Spaß hält sich aber in Grenzen.

Authentischer Fußball – Fehlanzeige

Der erwähnte Rezensent des Deadline-Magazins will obendrein erkannt haben, dass sich jeder Fußballfan innerhalb weniger Minuten zu Hause fühlen werde. Da frage ich mich: War er noch nie in einem Fußballstadion? Niemals entsteht auch nur annähernd ein Gefühl von Authentizität – nicht auf dem Fußballfeld, nicht auf den Rängen.

Gute Fußballszenen zu inszenieren, ist in der Tat schwierig, wenn man kein Budget für echte Profis hat. Sehen wir über die Unzulänglichkeiten bei den Match-Szenen also gnädig hinweg. Eine Fankurve hingegen sollte hinzukriegen sein: Da muss man doch nur am Drehort beim nächstgelegenen Fußballverein in der Fanszene nach Statisten fragen, dann inszeniert sich das von selbst. So jedoch wirkt „Goal of the Dead“ für stadionerfahrene Filmgucker eher dilettantisch.

Die Figur des oben erwähnten Spielerberaters hatte Potenzial, wird aber aufgrund grober Schnitzer verschenkt. Wenn der Typ kurz vor Anpfiff in die Kabine rauscht, um vom Trainer zu verlangen, dass der seinen vor einem lukrativen Transfer stehenden Jungstar nicht einsetzt, so ist das schlicht ärgerlich. Es sei jedem Regisseur unbenommen, die Spezies der Spielerberater nicht zu mögen. Aber dann denke man sich doch bitte ein paar gelungene Seitenhiebe aus und nicht derlei Unzulänglichkeiten.

Splatter in Zeitlupe – immerhin etwas, aber zu wenig

Ein paar stimmungsvolle Szenen hat der Film zu bieten. Wenn Pyro-Rauchschwaden das Spielfeld in einen Nebel tauchen und daraus die Untoten auftauchen, hat das was. Visueller Höhepunkt sind zwei in Zeitlupe gezeigte Kopfschüsse nebst Einschlag, die wirklich klasse aussehen, aber seltsam verloren im Raum stehen – eine gelungene kleine Spielerei, die nicht recht zum Rest des Films passt. Insgesamt sind blutige Sequenzen ohnehin eher sparsam gesät, die FSK-16-Freigabe gerechtfertigt. Wenn Körperflüssigkeiten ins Spiel kommen, handelt es sich dabei meist um besagte milchige Flüssigkeit. Dass sie nicht blutrot ist, mag dem Wunsch nach einer niedrigen Altersfreigabe geschuldet sein. Schade drum.

Goal_of_the_Dead-4

Ob er sich langweilt?

Um noch einmal auf den Print-Rezensenten einzugehen: Er schreibt, aufgrund des allgegenwärtigen runden Leders stelle dieser Film die perfekte WM-Vorbereitung für alle Fans ähnlich gelagerter Horrorkomödien dar. Nichts für ungut, aber dem ist zu widersprechen. Man kann sich „Goal of the Dead – 11 Zombies müsst Ihr sein“ zwischen dem 18-Uhr- und dem 22-Uhr-Match bei der WM durchaus geben, zumal im Fußball-Kontext genug Bier bereitstehen dürfte, um ihn sich schönzutrinken. Zehn Minuten nach Anpfiff der zweiten Partie des Tages ist er dann aber zu Recht vergessen.

Veröffentlichung: 12. Juni 2014 als Blu-ray und DVD

Länge: 116 Min. (Blu-ray), 112 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Französisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Goal of the Dead
F 2014
Regie: Thierry Poiraud, Benjamin Rocher
Drehbuch: Quoc Dang Tran, Nicolas Peufaillit, Ismaël Sy Savané, Tristan Schulmann, Laëtitia Trapet, Marie Garel Weiss
Besetzung: Xavier Laurent, Alban Lenoir, Jean François Cayrey, Charlie Bruneau, Tiphaine Daviot, Xavier Laurent, Sebastien Vandenberghe, Ahmed Sylla
Zusatzmaterial: Originaltrailer
Vertrieb: Koch Media

Copyright 2014 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2014 Koch Media

Advertisements
 

Schlagwörter: , , , , , , , , , ,

2 Antworten zu “Goal of the Dead – 11 Zombies müsst Ihr sein: Ein müder Kick

  1. Tom Schmitt

    2015/06/10 at 07:35

    Die Rezi trifft es genau. Deadline redet irre viele Filme schön.

     
  2. covercity

    2014/07/22 at 14:13

    Very good horror.

     

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: