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Akira – Bahnbrechender Science-Fiction-Anime

12 Dez

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Akira

Von Volker Schönenberger

Anime-Science-Fiction // Am 16. Juli 1988 detoniert eine Atombombe über Tokio und macht die japanische Hauptstadt dem Erdboden gleich.

Wir schreiben das Jahr 2019. 31 Jahre nach dem Dritten Weltkrieg ist Neo-Tokio ein Hort der Gewalt. Jugendliche aus Bōsōzoku-Gangs machen auf Motorrädern die Straßen unsicher, die überforderte Polizei und das Militär reagieren mit unerbittlicher Gewalt. Die Capsules unter ihrem Anführer Shōtarō Kaneda liefern sich schwere Auseinandersetzungen mit der verfeindeten Gang der Clowns. Bei einer dieser gewalttätigen Begegnungen trifft Capsules-Mitglied Tetsuo auf einem kleinen Mann mit beunruhigendem Äußeren – einen Mutanten namens Takashi, der mit übermenschlichen Kräften Tetsuos Motorrad zerstört. Soldaten nehmen die Capsules gefangen und bringen sie in ein Militärhospital. Während der verletzte Tetsuo dort untersucht wird, trifft Kaneda auf die Revolutionärin Kei.

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Auf schnellem Ofen durch Neo-Tokios Straßen

Alles andere als Kinderkram

Mangas und Animes? Das ist doch Kinderkram! An dieser im Westen lange Zeit verbreiteten Haltung mögen TV-Serien wie „Heidi“ und „Die Biene Maja“ nicht ganz schuldlos sein, mit denen wir in den 70er- und 80er-Jahren aufgewachsen sind. Dass sich diese Einstellung ab den 90er-Jahren gewandelt hat, wird gemeinhin „Akira“ in Verbindung mit „Ghost in the Shell“ zugeschrieben, auch wenn „Pokémon“ und dergleichen auch später noch das Pendel in Richtung Unterhaltung für Kinder ausschlagen ließen.

Kinderkram ist „Akira“ ganz sicher nicht. Die dort skizzierte Zukunftsvision ist finster und anarchistisch. Der Staat als undemokratischer, mit harter Hand und undurchsichtig agierender Machtapparat auf der einen, eine entschlossene, wenn auch kleine Revolutionsbewegung auf der anderen Seite, dazwischen marodierende Banden – das ist nichts für Kinder, in seinem Gewaltgrad auch für Jugendliche nur bedingt geeignet.

Akira – wer soll das sein?

Anime-Fans wie Gastautor Matthias Holm werden „Akira“ schon lange kennen, ihnen würde ein Spoiler nichts ausmachen. Aber da es womöglich Leser gibt, die sich den Film erst nach Lektüre dieses Textes zu Gemüte führen werden, unterlasse ich es, an dieser Stelle darüber zu schreiben, was Tetsuo ab seinem Eintreffen im Militärhospital widerfährt. Ist „Akira“ zu Beginn lediglich eine finstere Dystopie mit nihilistischen Anklängen, wandelt sich der Anime vom Zeitpunkt der Begegnung Tetsuos mit dem Mutanten Takashi enorm. Die übernatürlichen Kräfte spielen künftig eine große Rolle, ihre Gefahr, ihre Nutzbarmachung. Im späteren Verlauf der Handlung gerät das Ganze vollends außer Kontrolle, eine irrwitzige Eskalation ist die Folge. Und wer oder was ist eigentlich Akira?

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Entfesselte Kräfte

Das ohnehin meist eher konservativ urteilende Lexikon des internationalen Films hält „Akira“ für inhaltlich belanglos, teilweise ärgerlich. Das ist unfair! Klar, die Vision einer Zukunft nach dem Dritten Weltkrieg mag zu überzogen sein, um gehaltvolle Rückschlüsse aufs Hier und Jetzt zu ziehen, aber ist das nicht eine arg westliche Sicht? Mit Kenntnis japanischer Gegebenheiten mag das ganz anders wirken – ich äußere mich mit dem „mag“ bewusst unverbindlich, weil mir derlei Kenntnisse fehlen. Belanglos wirkt „Akira“ keinesfalls; wo der Anime ärgerlich sein soll, ist vollends unklar.

Heute schon ein Klassiker des Zeichentrickfilms

Der Anime-Zeichenstil ist Geschmackssache, meinen trifft er nicht recht. Der Wucht des Films konnte ich mich dennoch nicht entziehen. „Akira“ ist großes Kino und gilt völlig zu Recht als einer der großen Animes und auch einer der großen Zeichentrickfilme, um das Feld noch weiter zu fassen. Und obwohl ich auch durch diesen Film nicht zum Anime-Fan mutieren werde, hat er doch mein Interesse geweckt, mir nun auch „Ghost in the Shell“ zu geben. Das ist doch was!

Veröffentlichung: 31. Oktober 2014 als Blu-ray und DVD (jeweils im Steelbook)

Länge: 124 Min. (Blu-ray), 119 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Akira
JAP 1988
Regie: Katsuhiro Ôtomo
Drehbuch: Katsuhiro Ôtomo, Izô Hashimoto, nach Ôtomos Graphic Novel
Zusatzmaterial: Animation Library, Art Works Gallery, Booklet (32 Seiten), Making-of, Original Japanischer Trailer, Teaser & TV-Spots
Vertrieb: Universum Film

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Was geschieht hier?

Copyright 2014 by Volker Schönenberger
Szenenbilder & Packshot: © 2014 Universum Film

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