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Don’t Breathe – Home Invasion mal andersrum

05 Sep

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Don’t Breathe

Kinostart: 8. September 2016

Von Volker Schönenberger

Horrorthriller // Mit seinem Langfilmdebüt „Evil Dead“ schlug Fede Alvarez 2013 wie eine Bombe in der Horrorgemeinde ein. Seine beinharte und ironiefreie Neuinterpretation von Sam Raimis Klassiker „Tanz der Teufel“ („The Evil Dead“, 1981) landete als blutiger Gewaltexzess zügig auf dem Index und ließ nur einige notorische Remake-Verächter und Original-Puristen nörgeln. Sollen sie.

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Kommt rein!

Nun hat der Drehbuchautor und Regisseur seinen zweiten Kinoschocker inszeniert. Und obwohl „Don’t Breathe“ einen völlig anderen Ansatz verfolgt und ohne Splattereinlagen daherkommt, mögen sich die Horrorfans erneut auf ein intensives Leinwanderlebnis einstellen, dass sie allein schon mit der Soundwand gnadenlos in die Kinositze drücken wird.

Ein Mann zieht eine Frau hinter sich her

Von weit oben sehen wir einen Mann, der auf einer Straße ein Bündel hinter sich herzieht. Die Kamera zoomt heran, das Bündel erweist sich als junge Frau, die Straße als brüchig, das Stadtviertel als abgewrackt. Offenbar eine Gegend, in der ein Mann morgens eine Frau verschleppen kann, ohne dass es jemanden gibt, der sich daran stört. Mit dieser verräterischen und damit in meinen Augen deplatzierten Szene beginnt „Don’t Breathe“, dann springt die Handlung ein paar Tage zurück.

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Das vermeintlich schlafende Opfer ist wach …

Die drei Freunde Rocky (Jane Levy), Money (Daniel Zovatto) und Alex (Dylan Minnette) sind in Detroit als Einbrecher unterwegs. Ihnen kommt zugute, dass Alex‘ Vater bei einer Sicherheitsfirma arbeitet und Alex auf diese Weise an Schlüssel gelangt und das elektronische Sicherheitssystem ausschalten kann. Vom Hehler kriegt Money einen todsicheren Tipp: Ein alter Kriegsveteran habe in seinem Haus ein Vermögen an Barschaft angehäuft, das er von einer reichen Familie als Abfindung für den Unfalltod seiner Tochter erhalten hat.

Ein letzter großer Beutezug lockt

Obwohl sich herausstellt, dass das neu auserkorene Opfer Kunde erwähnter Sicherheitsfirma ist, sträubt sich Alex gegen den Coup, hat das Diebestrio doch an sich vereinbart, nicht auf Bargeld zu gehen. Doch Rocky, die hofft, mit einer letzten großen Beute endlich ihre kleine Schwester schnappen und dem Elend ihres familiären Daseins mit einer abgewrackten Alkoholikerin von Mutter entkommen zu können, überredet ihren Kumpan schließlich doch. Money kennt sowieso keine Hemmungen. Der Beutezug scheint anfangs noch einfacher als erhofft zu sein: Das Haus liegt in einem gottverlassenen und heruntergekommenen Viertel Detroits, der Mann (Stephen Lang) lebt dort als letzter Mohikaner und ist obendrein blind.

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… und keineswegs hilflos

Auftritt Hund: Da schaut man nichts ahnend dem Trio zu, das im Auto sitzend das Haus ausspäht, da springt plötzlich ein geifernder Vierbeiner laut kläffend an der Seitenscheibe hoch und erschreckt die jungen Einbrecher und den Kinozuschauer bis ins Mark. Puh, durchatmen. Falsche Jump-Scares sind nicht ganz mein Fall. Wenn wir schon geschockt werden sollen, dann bitte richtig und mit Konsequenzen für die Protagonisten. In diesem Fall gibt das Erschrecken durch den Hund die Tonlage für den Rest des Films vor – der übrigens erfreulich kurz und damit knackig ausfällt. Wir sollen uns erschrecken, und tun es in der Folge des Öfteren, und zwar gewaltig.

Der Hund wird betäubt

Der Hund ist ein unerwartetes, aber keineswegs großes Hindernis. Ein mit einem Betäubungsmittel präpariertes Stück Fleisch reicht aus, schon zieht sich die Töle in ihre Hütte zurück und schläft den Schlaf des Gerechten. Das Trio dringt ins Haus ein und schaltet die Alarmanlage aus, auch das ist nicht allzu schwierig. Nun allerdings wird es für Rocky, Money und Alex haarig, um es harmlos auszudrücken. Das blinde Opfer ist keineswegs hilflos, das Haus wird zur Falle, die schnell zuschnappt.

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Don’t breathe!

Das Sounddesign spielt in „Don’t Breathe“ eine große Rolle. Das fehlende Augenlicht gleicht der Mann aus, indem er seine übrigen Sinne geschärft hat. Er hört viel besser als die drei Einbrecher und nutzt den Vorteil, das verschachtelte Haus in- und auswendig zu kennen. Und wenn im Keller das Licht ausgeht, ist Blindheit ohnehin kein Nachteil mehr. Eine lange Sequenz erinnert sicher nicht von ungefähr an den Showdown im Dunkeln zwischen Agent Starling und Buffalo Bill in „Das Schweigen der Lämmer“.

Das verkommene Detroit

Der Niedergang der US-Automobilindustrie war auch Detroits Niedergang: 2013 erklärte die Stadt in Michigan ihre Insolvenz. Offenbar gibt es großen Leerstand an Gewerbe- und Wohnraum, Gebäude und ganze Stadtviertel verfallen. Kurze Szenen außerhalb des Hauses illustrieren das in „Don’t Breathe“ sehr anschaulich, auch wenn sich die Handlung hauptsächlich im Innern des Hauses abspielt, das kaum einen Blick nach draußen zulässt. Drinnen offenbart sich Einbrechern wie Filmguckern nach einiger Zeit eine rabenschwarze Wendung, die die Taktzahl nach oben schnellen lässt.

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Auch Rocky hält still

Die Jungdarsteller sind Genre-erfahren: Dylan Minnette mit „Gänsehaut“ und „Let Me In“, Daniel Zovatto mit „It Follows“ und „Beneath“. Jane Levy war sogar in Alvarez‘ „Evil Dead“ am Start. Stephen Lang kennt man aus „Avatar – Aufbruch nach Pandora“. Ihr Zusammenspiel funktioniert sehr gut.

Stellt das Atmen ein!

Die Kamera ist den Protagonisten von Beginn an dicht auf den Fersen, schwenkt auch mal kurz auf Details, die womöglich wichtig werden. Das erhöht die Spannung, Fede Alvarez weiß, wie man die richtigen Stellschrauben dreht. Mir kam zudem während der Sichtung häufig der Filmtitel in den Sinn: Wenn in unmittelbarer Nähe der Gegner mit scharfem Gehör im Dunkeln lauert, empfiehlt es sich, das Atmen einzustellen. Dumm nur, dass man irgendwann wieder Luft holen muss – das ist dann am Ende arg laut. Also versuche man, gaaanz leise zu atmen – auch nicht so einfach. Derlei Gedankengänge werden wohl manch einen Zuschauer im Kinositz beschleichen.

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Blindheit kann man ausgleichen

Bei der Pressevorführung in Hamburg war der Ton unfassbar laut, was besonders die Jump-Scares sehr verstärkte und bisweilen unangenehm ausfiel. Der geschätzte Filmrezensent und Korrekturleser Andreas hat das in einer Preview ein paar Tage später nicht ganz so empfunden. Darin war schon die deutsche Synchronfassung zu hören, während wir in der Pressevorführung die Original-Sprachfassung vorgesetzt bekommen hatten, da mag es ohnehin Unterschiede geben. Wie auch immer, vielleicht tut der eine oder andere Kinobetreiber bei der Lautstärke ein wenig zu viel des Guten. Etwas Vorsicht ist also geboten. Jedenfalls erweist sich Fede Alvarez mit „Don’t Breathe“ zum zweiten Mal als Meister unerbittlichen Terrorkinos. Ab und zu übertreibt er es zwar mit dem Einsatz von Lautstärke-Erhöhung bei Jump-Scares, insgesamt hat er aber einen herausragenden Schocker abgeliefert, dem man sich als Zuschauer nach kurzer Zeit völlig ausgeliefert fühlt.

Länge: 88 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Don’t Breathe
USA 2016
Regie: Fede Alvarez
Drehbuch: Fede Alvarez, Rodo Sayagues
Besetzung: Stephen Lang, Jane Levy, Dylan Minnette, Daniel Zovatto, Emma Bercovici, Franciska Töröcsik, Christian Zagia, Katia Bokor, Sergej Onopko
Verleih: Sony Pictures Germany

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Filmplakat & Fotos: © 2016 Sony Pictures Germany

 

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