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Bordello of Blood – Das Ende des Cryptkeepers?

13 Jun

Bordello of Blood

Von Andreas Eckenfels

Horrorkomödie // Eigentlich hätte „Dead End“ der zweite Teil der geplanten „Geschichten aus der Gruft“-Trilogie werden sollen. So hatte es zumindest der Cryptkeeper am Ende von „Ritter der Dämonen“ angekündigt. Doch stattdessen entschied man sich für „Bordello of Blood“ als indirekte Fortsetzung der Reihe. Die Grundidee der Geschichte stammte von Bob Gale und Robert Zemeckis. Das Skript hatten die beiden „Zurück in die Zukunft“-Autoren bereits in ihrer Studentenzeit Anfang der 70er-Jahre verfasst. Regisseur Gilbert Adler arbeitete gemeinsam mit A L Katz am Drehbuch und verpasste diesem den typischen „Geschichten aus der Gruft“-Mix aus überbordenden Blutszenen und makabrem Humor. Beide waren bereits an mehreren Folgen der TV-Serie beteiligt, die auf den „Tales from the Crypt“-Comics von William M. Gaines aus dem Hause EC Comics basiert. Was im Sommer 1996 noch niemand ahnte: „Bordello of Blood“ sollte das vorläufige Ende der beliebten Grusel-Reihe sein. Sofern man Autor A L Katz Glauben schenkt, war Mega-Produzent Joel Silver dafür verantwortlich – und Sylvester Stallone.

In einem Sarg landen Reggie (l.) und Caleb …

In ihrer Stammkneipe erhalten Caleb (Corey Feldman) und Reggie (Matt Hill) von einem merkwürdigen Fremden einen heißen Tipp: In einem nahegelegenen Bestattungsinstitut befinde sich ein geheimes Bordell, in welchem den halbstarken Jungs ihre intimsten Wünsche erfüllt werden. Die Kumpels lassen sich nicht lange bitten. Nach einigen Umwegen finden sie den Weg in das exklusive Etablissement, welches von der rothaarigen Lilith (Angie Everhart) geführt wird. Erst im Schlafgemach bemerken Caleb und Reggie, dass es sich bei den heißen Damen um bluthungrige Vampirinnen handelt, die ihre lüsternen Freier als Nahrungsquelle missbrauchen.

Nachdem Caleb mehrere Tage nicht nach Hause gekommen ist, beauftragt dessen Schwester Katherine (Erika Eleniak) den Privatdetektiv Rafe Guttmann (Dennis Miller) mit der Suche nach ihrem Bruder. Guttmann findet bald heraus, dass Lilith und der gottesfürchtige Reverend J. C. Current (Chris Sarandon) – ausgerechnet der Arbeitgeber von Katherine – unter einer Decke stecken.

Blut und Brüste – nur die Bundesprüfstelle mag das nicht

Der Film hält, was der Titel verspricht: „Bordello of Blood“ erfreut die Horrorgemeinde mit einer unwiderstehlichen Mischung aus reichlich Blut und Brüsten; zu viel davon, meinte die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) – sie setzte die Horrorkomödie ebenso wie ihren Vorgänger auf den Index. Dass sich die „Geschichten aus der Gruft“-Reihe auch aufgrund des doppeldeutigen Wortwitzes überhaupt nicht ernst nimmt und die Gewalt comichaft überzeichnet ist, wurde offenbar damals nicht erkannt. Umso besser, dass „Ritter der Dämonen“ und „Bordello of Blood“ im Dezember 2015 neu geprüft wurden und nun beide Werke ungeschnitten mit einer Altersfreigabe ab 16 Jahren erhältlich sind.

Der antike Schlüssel, welcher mit dem Blut von Jesus Christus gefüllt ist, bildet in „Bordello of Blood“ die einzige Verbindung zum ersten Teil. Bereits zu Beginn erfahren wir in der überaus stimmungsvoll inszenierten Erweckungssequenz von Lilith, dass die gierige Mutter aller Vampire mithilfe dieses Artefakts unter Kontrolle gehalten werden kann. Wenn die böse Vampirin mit dem heiligen Reverend einen diabolischen Pakt eingeht, schwingt sogar ein Hauch Kirchenkritik mit. Bei der finalen Vampirjagd durften die Spezial- und Make-up-Effektemacher sich wieder ordentlich austoben. Detektiv Guttmann nutzt zur Säuberung des Freudenhauses eine mit Weihwasser gefüllte Wasserspritzpistole, welches die Blutsauger regelrecht explodieren lässt – da spritzt das Blut und abgetrennte Körperteile fliegen – und laufen – fröhlich über die Leinwand.

Joel Silver mischt sich ein

Keine Frage: Der Spaßfaktor ist bei „Bordello of Blood“ hoch. Dennoch fällt der zweite Teil im Vergleich zu „Ritter der Dämonen“ deutlich ab, was neben der dünnen Story und dem fehlenden Spannungsfaktor zum großen Teil an der Besetzung festzumachen ist. Mit Ausnahme der genreerfahrenen Corey Feldman („The Lost Boys“) und Chris Sarandon („Die rabenschwarze Nacht – Fright Night“) agieren die übrigen Darsteller äußerst lustlos. Hier klärt das informative, vom US-Label Shout Factory produzierte Making-of auf, welches ebenfalls im Bonusmaterial der Blu-ray von Koch Films enthalten ist.

… im geheimen Bordell von Lilith

Drehbuchautor A L Katz erzählt darin, dass sich Joel Silver als ausführender Produzent extrem ins Casting einmischte. Silver wollte unbedingt den damaligen „Saturday Night Live“-Star Dennis Miller als Hauptdarsteller. Doch der Comedian wollte nicht und forderte die utopische Gage von einer Million US-Dollar – die ihm Silver bewilligte. Aber Miller drehte parallel seine eigene Comedy-Show und konnte deswegen häufig nicht mit seinen Kollegen gemeinsam vor der Kamera stehen. Diese zusammengefügten Schuss-Gegenschuss-Szenen wirken recht störend.

Sylvester Stallone bringt sein Supermodel unter

Für die Rolle von Lilith war ursprünglich Robin Givens („Boomerang“) vorgesehen. Doch auch hier mischte sich Silver ein: Er drehte gerade „Assassins – Die Killer“ mit Sylvester Stallone. Der Actionstar empfahl Silver seine damalige Freundin, das Supermodel Angie Everhart, als Blutsaugerin zu besetzen. Die verfügte jedoch über keinerlei Schauspielerfahrung. Somit ist es kein Wunder, dass der Mutter der Vampire der nötige Biss fehlt. Corey Feldman berichtet zudem im Making-of, dass sich die „Baywatch“-Schönheit Erika Eleniak zu allem Überfluss in den Drehpausen komplett in ihrem Wohnwagen verschanzte und somit keinerlei Kontakt zu den Kollegen pflegte.

Reverend Current hat mit …

Vielleicht war es diese fehlende Chemie, die „Bordello of Blood“ zum Flop werden ließ: Bei Produktionskosten von 13 Millionen US-Dollar spielte der Film gerade mal 5,7 Millionen ein. Folge: Die Fernsehserie wurde nach sieben Staffeln eingestellt. Immerhin wurde die Film-Trilogie beendet, wenn auch nur inoffiziell: Miramax kaufte von Universal Studios die Rechte am geplanten finalen Teil „Das Ritual – Im Bann des Bösen“ (2002). Bei dem losen Remake von „Ich folgte einem Zombie“ mit Jennifer Grey und Tim Curry wurden allerdings alle Hinweise darauf entfernt, dass es sich um einen Film aus der „Geschichten aus der Gruft“-Reihe handelt.

Ob der Cryptkeeper mit seinen Gruselgeschichten trotz aller Bemühungen und der großen Fanbase noch einmal ins TV oder ins Kino zurückkehrt, ist derzeit unwahrscheinlich. Zuletzt wurde im Juni 2017 das geplante Serien-Reboot unter der Federführung von M. Night Shyamalan vom US-Sender TNT wieder auf Eis gelegt.

… Obervampirin Lilith einen Pakt geschlossen

Veröffentlichung: 13. April 2017 als Blu-ray im Steelbook, 3. April 2015 als 2-Disc-Limited Collector’s Edition Mediabook (Blu-ray & DVD), diverse weitere Veröffentlichungen, siehe hier

Länge: 87 Min. (Blu-ray), 83 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Bordello of Blood
USA 1996
Regie: Gilbert Adler
Drehbuch: A L Katz, Gilbert Adler nach einer Geschichte von Robert Zemeckis und Bob Gale
Besetzung: Erika Eleniak, Dennis Miller, Corey Feldman, Angie Everhart, Chris Sarandon, Aubrey Morris, Phil Fondacaro, William Sadler, John Kassir, Matt Hill
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Drehbuchautor A L Katz, Interviews, Hinter den Kulissen, Making-of-Dokumentation „Tainted Blood“, deutscher und englischer Kinotrailer, Bildergalerie
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels
Fotos & Packshot: © 2017 Koch Films

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