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Pans Labyrinth – Der Bürgerkrieg und die Fabelwesen

30 Aug

El laberinto del fauno

Von Simon Kyprianou

Fantasy-Drama // Der Spanische Bürgerkrieg ist vorbei, die Faschisten haben gewonnen, von den Revolutionären sind nur noch kleine Splittergruppen übrig, die sich vor der Armee verstecken.

Ofelia geht gern in den Wäldern spazieren

In der Unterwelt – nicht jene düstere altgriechische Vorstellung, wo die Seelen nach dem Tod hinwandern, sondern schlicht eine andere Welt unter der unsrigen – ist lange Zeit vorher die Tochter des Königs ausgerissen. Auf der Oberfläche angekommen starb sie, und eine Legende erzählt von ihrer Wiedergeburt als Menschenkind.

Die Wiedergeburt der Prinzessin?

In den Nachkriegswirren reist die junge Ofelia (Ivana Baquero) mit ihrer Mutter Carmen (Ariadna Gil) zu einem Außenpunkt des Militärs, wo Hauptmann Vidal (Sergi López), der Ehemann von Carmen, den letzten Revolutionären nachjagt, die sich dort in den Wäldern verstecken. In eben jenen Wäldern kommt Ofelia zum ersten Mal mit den Repräsentanten der Unterwelt in Berührung, einem Pan (Doug Jones) samt Elfen, die in ihr die Wiedergeburt der Prinzessin entdecken und ihr drei Prüfungen auferlegen, die ihre Herkunft beweisen mögen.

Dabei trifft sie auf einen Pan

Seit März 2018 doppelter Oscar-Preisträger (bester Film und beste Regie für „Shape of Water – Das Flüstern des Wassers“), bewies Guillermo del Toro schon 2006 seinen unbändigen Drang darzustellen, zu zeigen, vorzuführen, abzubilden was geschieht, sowohl auf der realen als auch auf der magischen Ebene. Und der mexikanische Regisseur spielt diese beiden Ebenen nicht gegeneinander aus, lässt auch nicht zu, dass die eine die andere ausblendet. Die Brutalität der Realität wird nicht etwa durch eine Flucht in die Märchenebene ausgeblendet, im Gegenteil: del Toro ist sehr gewissenhaft darin, die kriegerischen Gewalttaten samt der dazugehörigen Ideologien explizit abzubilden, aber auch die Gewalt und Unheimlichkeit der magischen Aventüren, sodass die magische Welt nicht vorbehaltlos als Eskapismusstrategie funktioniert, wohl auch nicht funktionieren soll. Strukturell gibt es also keinen Schwarz-Weiß-Dualismus, es wirkt eher so, als schwappe die Gewalt des Krieges auch auf diesen magischen Ort über. Bis zum Schluss bleibt er ein Ort der Unsicherheit, lässt del Toro es doch offen, ob die Absichten des Pans wirklich gut sind.

Für den muss das Mädchen drei Prüfungen bestehen

Getrieben von diesem Drang zu zeigen, gestaltet del Toro seine Bilder sehr detailliert, auch die Bilder der Gewalt sind genau und direkt. Auf der Märchenebene scheint es, als könne sich die Kamera ebenso wie Ofelia und der Zuschauer nicht entscheiden, mal will sie in die Welt hineingleiten, mal verharrt sie unsicher auf Distanz. Handwerklich ist „Pans Labyrinth“ ein Genuss: Ausstattung, Set-Design – das alles ist hervorragend und detailversessen, das muss es auch, um del Toros Ambition der genauen Abbildung gerecht werden zu können. Verdienter Lohn: die Oscars für Szenenbild und Make-up 2007, einen dritten Academy Award gab’s für die Kamera. Beim spanischen Filmpreis Goya hatte „Pans Labyrinth“ kurz zuvor schon die Kategorien Originaldrehbuch, Nachwuchsdarstellerin (Ivana Baquero), Kamera, Ton, Maske, Spezialeffekte und Schnitt gewonnen.

Im Double Feature mit „The Devil’s Backbone“

„Pans Labyrinth“ funktioniert auch als Schwesternfilm oder auch als Weiterführung in größerem Rahmen zu „The Devil’s Backbone – Das Rückgrat des Teufels“ (2001), deshalb ist es sehr schön, dass beide Filme in jüngster Zeit aufwendig wiederveröffentlicht wurden – del Toros Frühwerk im März dieses Jahres von Wicked-Vision Media, „Pans Labyrinth“ vier Monate später von capelight pictures. Beide Veröffentlichungen haben eine ausgezeichnete Bildqualität und lassen sich hervorragend zusammen anschauen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Guillermo del Toro sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Hauptmann Vidal macht gnadenlose Jagd auf Partisanen

Veröffentlichung: 19. Juli 2018 als 3-Disc Limited Collector’s Edition Mediabook (2 Blu-rays & DVD) und Ultimate Edition (Mediabook, 2 weitere Blu-rays & Soundtrack-CD), 3. Juni 2009 als Blu-ray, 15. Januar 2015 und 30. Juli 2007 als DVD (Senator Film), 30. Juli 2007 als 3-Disc Limited Collector’s Edition DVD

Länge: 119 Min. (Blu-ray), 114 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Spanisch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: El laberinto del fauno
SP/MEX/USA 2006
Regie: Guillermo del Toro
Drehbuch: Guillermo del Toro
Besetzung: Ivana Baquero, Ariadna Gil, Sergi López, Maribel Verdú, Doug Jones, Álex Angulo, Manolo Solo, César Vea, Roger Casamajor, Ivan Massagué, Juanjo Cucalón
Zusatzmaterial Mediabook: 24-seitiges Booklet, Ultimate Edition zusätzlich auch: Blu-ray mit der Dokumentation „Creature Designers – The Frankenstein Complex“ (102 Min., OmeU), Blu-ray mit vier Stunden weiteren Extras, inklusive der Vortragsreihe „Masterclass mit Guillermo del Toro“, Soundtrack-CD, 100-seitiges Storyboard-Booklet, 6 Postkarten, Poster, nummeriertes Zertifikat
Label: capelight pictures
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2018 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © 2018 capelight pictures

 

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