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Champagne – Mr. Hitchcock, warum haben Sie das gemacht?

29 Mai

Champagne-Cover

Stummfilm-Komödie // Welche Filmregisseure kann man als Genies bezeichnen? Stanley Kubrick darf mit Fug und Recht genannt werden, Ingmar Bergman ebenfalls, vielleicht auch Orson Welles. Viele mehr sind’s nicht, ganz sicher aber noch einer: Alfred Hitchcock.

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Lebenslustig: Betty

So richtig schimmert sein Genie in der 1928er-Komödie „Champagne“ allerdings noch nicht durch. Der Meister selbst äußerte gar im Gespräch mit dem Regisseur und Filmjournalist François Truffaut, der Film sei wahrscheinlich der absolute Tiefpunkt in seiner Karriere und habe überhaupt keine Story – nachzulesen im formidablen Buch „Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?“, Pflichtlektüre für jeden Filminteressierten.

Ganz so arg ist’s nicht mit „Champagne“, den Studiocanal nun in der Reihe „Arthaus Retrospektive“ herausbringt. Nun gut, die Geschichte ist harmlos genug: Betty (Betty Balfour), verwöhnte Tochter aus gutem Hause, will ihren Freund (Jean Braden) heiraten, den ihr Vater (Gordon Harker) für einen Tunichtgut und Mitgiftjäger hält. Um das junge Paar auf die Probe zu stellen, gibt Bettys alter Herr, ein Champagnerfabrikant, vor, sein Betrieb sei bankrott, er selbst mittellos.

Zugegeben: Etwas Besonderes ist „Champagne“ wahrlich nicht. Die Handlung plätschert charmant, aber belanglos vor sich hin, die Figuren sind dem Zuschauer so gleichgültig, wie sie Alfred Hitchcock vielleicht auch waren. Die Inszenierung ist sauber, der Meister war 1928 natürlich schon versiert genug. Hitchcock-Komplettisten dürfen zugreifen, übrige Filmfans aus historischem Interesse mal einen Blick riskieren. Schwarzhumorig ging es in Hitchcocks Filmen ja gern mal zu, ausgewiesene Komödien hat er aber nur wenige gedreht, etwa „Mr. und Mrs. Smith“ (1941).

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Papa ist nicht amüsiert

Das Schwarz-Weiß-Bild ist angestaubt, wie es einem Film aus den späten 1920er-Jahren angemessen ist. Der Ton ist – ach nein, es ist ja ein Stummfilm. Optional gibt’s immerhin eine Tonspur mit Klavierbegleitung durch den bekannten Essener Stummfilm-Pianisten Joachim Bärenz – eine Bereicherung der DVD.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Alfred Hitchcock sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Die Filme der Arthaus Retrospektive von Studiocanal:

01. Goldenes Gift (Out of the Past, 1947)
02. Liebe 1962 (L’eclisse, 1962)
03. Macao (Macao, 1952)
04. Mr. und Mrs. Smith (Mr. and Mrs. Smith, 1941)
05. Der nackte Kuss (The Naked Kiss, 1964)
06. The Fallen Idol – Kleines Herz in Not (The Fallen Idol, 1948)
07. Im Geheimdienst (Cloak and Dagger, 1946)
08. Liebe in der Stadt (L’amore in città, 1953)
09. Pläsier (Le plaisir, 1952)
10. Der Tod ritt dienstags (I giorni dell’ira, 1967)
11. Der Pakt mit dem Teufel (La beauté du diable, 1950)
12. Der Rabe (Le corbeau, 1943)
13. Stunde der Wahrheit (Histoire immortelle, 1968)
14. Tagebuch einer Kammerzofe (The Diary of a Chambermaid, 1946)
15. Der Tiger (The Enforcer, 1951)
16. Das Wort (Ordet, 1955)
17. Bis zum letzten Atemzug (Only the Valiant, 1951)
18. Ich folgte einem Zombie (I Walked with a Zombie, 1943)
19. Der Leichendieb (The Body Snatcher, 1945)
20. Panik um King Kong (Mighty Joe Young, 1949)
21. Schweigen ist Gold (Le silence est d’or, 1947)
22. Goldhelm (Casque d’or, 1952)
23. Hafen im Nebel (Le quai des brumes, 1938)
24. Verbotene Spiele (Jeux interdits, 1952)
25. Der Mann im weißen Anzug (The Man in the White Suit, 1951)
26. Schrei, wenn du kannst (Les cousins, 1959)
27. Der Diener (The Servant, 1963)
28. Eva und der Priester (Léon Morin, prêtre, 1961)
29. Vincent, François, Paul und die anderen (Vincent, François, Paul… et les autres, 1974)
30. Champagne (Champagne, 1928)
31. Die Nonne (La religieuse, 1966)
32. Ossessione – Von Liebe besessen (Ossessione, 1943)
33. Seine Gefangene (La prisonnière, 1968)
34. Das Testament des Orpheus (Le testament d’Orphée, ou ne me demandez pas pourquoi! 1960)

Veröffentlichung: 22. Mai 2014 als DVD

Länge: 85 Min.
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: entfällt
Untertitel: Deutsch
GB 1928
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Alfred Hitchcock, Eliot Stannard, nach einem Roman von Walter C. Mycroft
Besetzung: Betty Balfour, Jean Bradin, Ferdinand von Alten, Gordon Harker
Zusatzmaterial: Klavierbegleitung von Joachim Bärenz, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment

Copyright 2014 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2014 Studiocanal Home Entertainment

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