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Piranhas – Abgenagt bis auf die Knochen

22 Jul

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Piranha

Horror // MILITARY TEST SITE – RESTRICTED AREA – NO TRESPASSING!

Ein solches Schild kann man auch einfach mal befolgen. Oder ist das zu spießig? Nein, im US-Horrorfilm wäre es clever, vor allem, wenn man sexuell freizügiger Teenager ist. Das tun sie aber leichtsinnigerweise nicht, auch nicht das Pärchen, das in mondklarer Nacht den Zaun erreicht, an dem das Schild befestigt ist. Dahinter verlockt ein Rückhaltebecken zum nächtlichen Nacktbaden. Es endet tödlich. Aufgrund des Filmtitels kennt der Zuschauer die Todesursache.

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Doctor Robert Hoak hat ganz spezielle Fische gezüchtet

Mit diesem fürs Horrorgenre typischen, aber stimmungsvollen Prolog beginnt Joe Dantes „Piranhas“. Die Versicherungsdetektivin Maggie McKeown (Heather Menzies) sucht die beiden vermissten Teenager. In Begleitung des unwilligen Hinterwäldlers Paul Grogan (Bradford Dillman) gelangt sie zum Becken. Die beiden entdecken Utensilien der jungen Leute. Um sie zu finden, lassen sie das Wasser aus dem Becken in den Fluss ab. Eine fatale Entscheidung …

Effekthascherische Schocksequenzen?

Das Lexikon des internationalen Films, ohnehin nicht unbedingt Horror-affin, urteilte seinerzeit: In der Nachfolge des „Weißen Hai“ und anderer Tierhorrorfilme angelegter Thriller, der Seitenhiebe auf arrogante Militärs und verantwortungslose Forscher mit massiven effekthascherischen Schocksequenzen zudeckt. Der damalige Rezensent meint „effekthascherisch“ durchaus kritisch, verkennt dabei aber, dass gewisse Effekte zum Tierhorror nun mal dazugehören. Tatsächlich sind die Piranha-Attacken effektvoll inszeniert und dienen klar dem Zweck, den Horror dieser niedlichen kleinen Fische spürbar zu machen. Das funktioniert – ich jedenfalls würde niemals in ein Becken mit Piranhas springen.

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Paul und Maggie lösen eine Katastrophe aus

Richtig ist der Hinweis auf das Fahrwasser von „Der weiße Hai“. Ohne Steven Spielbergs Klassiker hätte es manchen Kreaturenhorror nicht gegeben, vermutlich auch nicht „Piranhas“. Das ändert aber nichts daran, dass auch Joe Dantes Film heute zu Recht zu den Klassikern des Tierhorrors zählt. Ob man von einem großen Haifischgebiss zerfleischt oder von vielen kleinen Gebissen bis auf die Knochen abgenagt wird, ändert am Ergebnis sowieso nichts. Die „Der weiße Hai“ produzierenden Universal Studios wollten die Produzenten von „Piranhas“ sogar verklagen, weil sie ihren Film plagiiert sahen. Aber weil Steven Spielberg Joe Dantes Film mochte, kam es nicht dazu. Spielberg gefiel drei Jahre später auch Dantes „The Howling – Das Tier“, weshalb er ihn 1984 den von ihm koproduzierten „Gremlins – Kleine Monster“ inszenieren ließ.

Wer springt freiwillig in ein Gewässer voller Piranhas?

Schauspielerisch ist das in „Piranhas“ recht belanglos geraten. Die eher unbeholfen agierende Maggie und ihr grummeliger Sidekick Paul als Hauptfiguren bieten kaum Identifikationspotenzial. Auch die zahlreichen Opfer sind nur als Fischfutter gut. Entscheidend sind ohnehin die Spannungsbögen und der Suspense im Vorfeld der Piranha-Attacken. Und die funktionieren ganz vorzüglich. Es wird anständig geschrien. Die Massenszenen lassen das Entsetzen gut nachempfinden. Nicht alle der aus zahlreichen Wunden blutenden Opfer werden das rettende Ufer erreichen. Ein paar kleine Ungereimtheiten verzeiht man da gern. Ich bin sehr dafür, ein Kind von einem sinkenden Kanu zu retten. Aber dafür in einen Fluss voller blutrünstiger Piranhas springen?

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In einer Nebenrolle als Dr. Mengers ist Barbara Steele zu sehen, die 1960 mit Mario Bavas „Die Stunde, wenn Dracula kommt“ und ein Jahr später mit Roger Cormans „Das Pendel des Todes“ bekannt wurde.

Etikettenschwindel bei Italo-Horror

Die Fortsetzung „Fliegende Killer – Piranha II“ („Piranha Part Two – The Spawning“, 1981) inszenierte James Cameron („Terminator“). Ich werde sie bei „Die Nacht der lebenden Texte“ beizeiten im Rahmen der James-Cameron-Reihe vorstellen. Ein 1979 unter der Regie von Antonio Margheriti (als Anthony M. Dawson) entstandenes italienisches Rip-off mit Lee Majors wurde in Deutschland unter dem Titel „Piranhas II – Die Rache der Killerfische“ vermarktet, obwohl es kein Sequel von „Piranhas“ ist. Im Original trägt es den Titel „Killer Fish“.

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Vorsicht, bissige Fische!

Eine wie das Original von Roger Corman produzierte Neuverfilmung entstand 1995 unter dem Titel „Die Rückkehr der Piranhas“ („Piranha“), ist aber wie „Killer Fish“ eher entbehrlich. Die zweite Neuverfilmung inszenierte Alexandre Aja („High Tension“, „Horns“) 2010 in 3D als irrwitziges Splatterspektakel mit vielen Comedy-Elementen.

Koch Media hat mit „Mörderspinnen“ eine neue Reihe mit dem Titel „Creature Feature“ gestartet. „Piranhas“ ist Teil 2 davon und erscheint auch in einer limitierten 3-Disc Collector’s Edition. Allerdings hat mir das Label auf Anfrage mitgeteilt, dass die Reihe vorerst nicht fortgesetzt wird. Schade drum.

Die Filme der Reihe „Creature Feature”:

01. Mörderspinnen (Kingdom of the Spiders, USA 1977)
02. Piranhas (Piranha, USA 1978)
03. In der Gewalt der Riesenameisen (Empire of the Ants, USA 1977)
04. Der Polyp – Die Bestie mit den Todesarmen (Tentacoli, IT/USA 1977)

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Roger Corman und Joe Dante sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, auch solche, bei denen Corman Produzent war wie in diesem Fall.

Veröffentlichung: 23. Juli 2015 als 3-Disc Limited Collector’s Edition Blu-ray, Blu-ray und DVD

Länge: 94 Min. (Blu-ray), 90 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Piranha
USA 1978
Regie: Joe Dante
Drehbuch: John Sayles
Besetzung: Bradford Dillman, Heather Menzies-Urich, Kevin McCarthy, Keenan Wynn, Barbara Steele, Dick Miller, Belinda Balaski, Melody Thomas Scott, Barry Brown, Paul Bartel
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Regisseur Joe Dante und Produzent Jon Davison, Featurette „They Are Eating the Guests!“, Featurette „Piranha-Symphonie“, Behind the Scenes, Sitges-Preisverleihung, Outtakes, zusätzliche Szenen aus der TV-Fassung, deutscher und englischer Trailer, Teaser, TV-Spot, Trailers from Hell, Bildergalerie
Vertrieb: Koch Media

Copyright 2015 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshots: © 2015 Koch Media

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