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Pistoleros – Revolverschwinger-Duo entzweit sich

21 Jun

All’ombra di una colt

Von Volker Schönenberger

Western // Klar – wenn man zu Filmen wie „Nackt unter Kannibalen“, „Zombies unter Kannibalen“ und „Porno Holocaust“ den Soundtrack liefert, rümpfen manche Zeigenossen die Nase. Das ändert aber nichts daran, dass Nico Fidenco dem italienischen Film einige famose Kompositionen gegeben hat. Das gilt auch für seinen stimmungsvollen Score zu „Pistoleros“. Fidencos musikalische Untermalung dieses frühen Italo-Western-Kleinods muss sich überhaupt nicht vor einem Ennio Morricone verstecken.

Duke (l.) und Steve …

Die Geschichte folgt den beiden käuflichen Revolverschwingern Steve Blaine (Stephen Forsyth, „Hatchet for the Honeymoon“) und Duke Buchanan (Conrado San Martín, „Der Koloss von Rhodos“). Gleich zu Beginn erhalten wir eine Kostprobe ihres Könnens, wenn das Duo ein mexikanisches Dorf von einer Banditenplage befreit. Duke wird dabei allerdings angeschossen. Das nutzt Steve kaltblütig aus: Er brennt mit Dukes Tochter Susan (Anne Sherman) durch. Schon lange wollte er sein Dasein als „Gun for Hire“ beenden und als Farmer sesshaft werden. Seine Wahl fällt auf das Örtchen Providence. Dort haben allerdings die beiden kriminellen Bankiers Jackson (Franco Ressel) und Burns (Franco Lantieri) das Sagen, denen es gelungen ist, mit ihren Spießgesellen nach und nach fast alle Farmer der Gegend um ihren Grundbesitz zu bringen. Steve lässt sich davon nicht beirren, doch er sticht in ein Wespennest.

… nehmen es auch mit einer ganzen Banditenhorde auf

Duke hatte Steve gewarnt: Er werde nicht dulden, dass der mit seiner Tochter etwas anfange. Eher werde er ihm eine Kugel in den Kopf jagen. Zum erneuten Aufeinandertreffen der beiden kommt es aber erst im Finale, wenn sich der Jüngere mit den versammelten Schurken von Providence herumschlagen muss. Dukes Haltung zur Liebe zwischen Steve und Susan wirkt dabei etwas aufgesetzt, hat kaum Konsequenzen für die Handlung, der Ausgang ihres Konflikts ist auch vorhersehbar.

Steve will mit Susan sesshaft werden

Zugegeben: Das Motiv des einsamen Revolverschwingers, der in eine von Schurken unterjochte Stadt kommt, ist alles andere als originell. Okay, ganz so einsam ist Steve nicht, er hat Susan dabei, die sich stets fern vom Geschehen in Sicherheit befindet, wenn es für ihren Liebsten brenzlig wird. Offenbar hatte Drehbuchautor und Regisseur Giovanni Grimaldi keine zündende Idee, wie er der Figur mehr Tiefe und Spielraum verschaffen kann, ohne dass aus Susan mehr würde als eine Geisel der Verbrecher.

Dafür muss er sich aber mit ein paar örtlichen Schurken anlegen

Dem bekannten Sujet zum Trotz unterhält „Pistoleros“ formidabel. Stephen Forsyth verleiht seinem des Tötens müden Steve Blaine eine coole Aura, gleichzeitig ist er aber kein eiskalter Killer, sondern vertritt Werte, die ihn als Identifikationsfigur tauglich machen. 1965 stand der Italo-Western noch nicht in voller Blüte, die Zeit der amoralischen Antihelden sollte noch kommen. Die Einflüsse der klassischen US-Western reichten noch bis Italien, was man auch daran merkt, dass es weniger staubig und schlammig zugeht. So verkommen Jackson und Burns auch sind, verzichten sie doch darauf, allzu viele ihrer Mitmenschen ins Jenseits zu befördern. Der Body Count ist zwar ansehnlich, aber es sind doch in erster Linie Bösewichte, die ins Gras beißen. Das macht „Pistoleros“ etwas harmlos, aber nur etwas. Der bleihaltige Showdown entschädigt für mangelnde Konsequenz im Handeln der beiden Antagonisten. Hart genug ist das schon.

Der Revolverheld a. D. gerät auch ins Visier des Sheriffs

Nach „Rocco – Der Mann mit den zwei Gesichtern“ bildet „Pistoleros“ den zweiten Teil der neuen Koch-Films-Reihe „Westernhelden“. Mit dem Terence-Hill-Vehikel „Verflucht, Verdammt und Halleluja“ und „Den Geiern zum Fraß“ sind für den 10. August bereits Teil drei und vier angekündigt. Westernfans müssen also keinen Nachschubmangel befürchten. Mit „Pistoleros“ machen sie jedenfalls nichts falsch. Über welche Filmmusik-Komponisten außer dem oben erwähnten Ennio Morricone freut Ihr euch, wenn Ihr ihre Namen im Vorspann eines Films erblickt?

Die Filme der Reihe „Westernhelden“:

01. Rocco – Der Mann mit den zwei Gesichtern (Sugar Colt, IT/SP 1966)
02. Pistoleros (All’ombra di una colt, IT/SP 1965)
03. Verflucht, verdammt und Halleluja (E poi lo chiamarono il magnifico, IT/F 1972)
04. Den Geiern zum Fraß (All’ultimo sangue, IT 1968)
05. Stirb oder töte (Killer calibro 32, IT 1967)
06. Ein Halleluja für zwei linke Brüder (Jesse & Lester – Due fratelli in un posto chiamato Trinità, IT 1972)

Es naht der Showdown

Veröffentlichung: 22. Juni 2017 als 2-Disc Edition „Westernhelden“ #02 (Blu-ray & DVD)

Länge: 81 Min. (Blu-ray), 78 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Italienisch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: All’ombra di una colt
IT/SP 1965
Regie: Giovanni Grimaldi (als Gianni Grimaldi)
Drehbuch: Giovanni Grimaldi
Besetzung: Stephen Forsyth, Conrado San Martín (als Conrado Sanmartin), Anna Maria Polani (als Anne Sherman), Helga Liné, Aldo Sambrell (als Aldo Sanbrel), Eugenio Galadini (als Graham Sooty)
Zusatzmaterial: Featurette „Pistolen-Symphonie“ (20 Min., Interview mit Komponist Nico Fidenco, Italienisch mit deutschen Untertiteln), italienischer und deutscher Trailer, alternative Vorspänne, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2017 Koch Films

 
 

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Eine Antwort zu “Pistoleros – Revolverschwinger-Duo entzweit sich

  1. Mike Hennig

    2017/06/21 at 21:01

    Wow…. Den Western kenn ich noch gar nicht. Liest sich aber recht vielversprechend. Ich freue mich, wenn als Komponist in einem Film Jerry Goldsmith auftaucht. Horner gefällt mir aber auch ganz gut.

     

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