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Die Taschendiebin – Sinnliche Filmkunst aus Südkorea

05 Jul

Ah-ga-ssi

Von Matthias Holm

Drama // Park Chan-wook hat sich seit den 2000ern einen Ruf als meisterhafter Regisseur erarbeitet. Ob das Militärdrama „JSA – Joint Security Area“ (2000) als erstes Ausrufezeichen, die Rache-Trilogie mit dem kongenialen „Oldboy“ (2003) oder der märchenhafte „I’m a Cyborg, But That’s Okay“ (2006), jedem seiner Werke könnte man den Stempel „Kult“ verpassen. Nach seinem Hollywood-Ausflug „Stoker – Die Unschuld endet“ (2013) kehrt der Regisseur mit „Die Taschendiebin“ zu seinen koreanischen Wurzeln zurück.

Hideko (l.) und Sook-Hee kommen einander näher

Die junge Sook-Hee (Kim Tae-ri) wird als Anstandsdame bei der jungen Adligen Hideko (Kim Min-hee) eingestellt. Was Hideko nicht weiß: Sook-Hee gehört zum Plan von Fujiwara (Ha Jung-woo). Dieser möchte Hideko verführen und sich dann mit ihrem Geld aus dem Staub machen. Doch wie das immer so ist mit elaborierten Plänen – irgendwas kommt immer dazwischen.

Alles ist möglich

Was das nun im Falle von „Die Taschendiebin“ ist, soll an dieser Stelle natürlich nicht verraten werden. Nur so viel: Wenn man während des ersten Drittels noch das Gefühl hat, einen ansehnlichen, aber doch eher konventionellen Film zu schauen, kann man sich im weiteren Verlauf des Eindrucks nicht erwehren, dass alles möglich ist. So zwingt Park Chan-wook seine Zuschauer, auch auf die kleinsten Regungen seiner Darstellerinnen zu achten, und schafft direkt einen Anreiz für weitere Sichtungen.

Über den eigentlichen Plot hinaus werden immer wieder gesellschaftliche Themen angeschnitten. So nimmt Erotik einen großen Teil der Handlung ein. Doch während einige Lesungen erotischer Texte, die Hideko auf Geheiß ihres perversen Onkels Kouzuki (Jo Jin-woong) vor anderen Männern abhält, immer etwas lasterhaft wirken, sind die Sexszenen sehr emotional und gefühlvoll dargestellt. Dieser Umstand wirkt wie ein Kommentar gegen die heutige Pornoindustrie – während die Männer schon vom Anblick einer Frau erregt werden, die schmuddelige Dinge vorliest, ist der Akt an sich immer viel befreiender als sämtliche Hirngespinste.

Fujiwara versucht, Hideko zu verführen

Auch spielt die Sprache eine wichtige Rolle. Zwar kommt Sook-Hee aus Korea, dient aber einer japanischen Herrin. So wird wild zwischen den beiden Sprachen hin und her gewechselt, eine tiefere Anaylyse dieser Wechsel ist sicherlich möglich. Umso schöner ist es, dass Koch Films bei den Sprachvarianten nicht geizt. Natürlich kann man den Film komplett auf Deutsch gucken, Freunde des Originaltons kommen in den Genuss der koreanisch-japanischen Variante. Wer hier einen Mittelweg finden will, kann auch auf eine deutsch-japanische Variante zurückgreifen, die die Intention hinter den Sprachwechseln sicherlich deutlicher macht.

Wunderschöne Sammleredition

Und wer ähnlich begeistert vom Film ist, kann sich mal nach der Sammleredition umschauen. Die kostet zwar nicht wenig, bietet aber eine wunderschöne Verpackung und massig weitere Extras, darunter ein Fotobuch, einen Kurzfilm und, eigentlich am wichtigsten, eine mehr als 20 Minuten längere Version des Hauptfilms. Allerdings ist das gute Stück auf 2000 Exemplare limitiert, was durchaus ein Problem in der Anschaffung sein kann.

„Die Taschendiebin“ ist sinnliches Asia-Kino – hocherotisch, klug und wunderschön bebildert. Es gibt den einen oder anderen merkwürdigen Moment, bei dem die Herkunft des Regisseurs durchscheint. Dennoch haben wir es hier mit einem Ausnahmewerk zu tun.

Erotische Inszenierung, Marke Asia-Kino

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Park Chan-wook sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Veröffentlichung: 8. Juni 2017 als Blu-ray und DVD

Länge: 145 Min. (Blu-ray), 139 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Koreanisch/Japanisch, Deutsch/Japanisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Ah-ga-ssi
KOR 2016
Regie: Park Chan-wook
Drehbuch: Park Chan-wook, Jeong Seo-kyeong, nach dem Roman „Fingersmith“ von Sarah Waters
Besetzung: Kim Min-hee, Kim Tae-ri, Ha Jung-woo, Cho Jin-woong, Kim Hae-sook, Moon So-ri
Zusatzmaterial: Making-of, Cannes-Premiere, Cast, Regisseur, Trailer, Teaser
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2017 by Matthias Holm

Fotos, Packshot & Abbildung Sammleredition: © 2017 Koch Films

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4 Antworten zu “Die Taschendiebin – Sinnliche Filmkunst aus Südkorea

  1. Morgen Luft

    2017/07/06 at 16:35

    Fantastischer Film, habe mir auch gleich die Box zugelegt. Trotz der Thematik zum Schwelgen geeignet und entgegen meinem Vorgänger: Für mich klar vor Oldboy

     
    • Matthias Holm (@MatzeHolm)

      2017/07/07 at 09:22

      Hui, da muss ich gegen an gehen – einfach auch weil Oldboy einer meiner All Time Favourites ist. Da gefallen mir die psychologischen Abgründe einfach so viel mehr.
      Auf die Box bin ich ja so ein bisschen neidisch, die ist schon extrem geil 😀

       
      • Morgen Luft

        2017/07/12 at 15:05

        Die haben mir auch gefallen, aber der war mir zu vorhersehbar und hat mich nicht so gehabt wie Die Taschendiebin

         
  2. christianneffe

    2017/07/05 at 14:57

    Mal wieder ein fantastischer Film von. Chan-wook – auch wenn ich Oldboy und Stoker noch einen Tick besser finde

     

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