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Horror für Halloween (IX): Wie schmeckt das Blut von Dracula? Lee lässt sich durch Gage locken

18 Okt

Taste the Blood of Dracula

Von Volker Schönenberger

Horror // Irgendwo in den Tiefen Osteuropas wird der Londoner Geschäftsmann Weller (Roy Kinnear) nach einem Gerangel aus einer Kutsche geworfen. Nachdem er das Bewusstsein zurückerlangt hat, rappelt er sich auf – und erblickt bald darauf Entsetzliches: das Ende von Graf Dracula (Christopher Lee), der gepfählt das Zeitliche segnet.

Lord Courtley (l.) überredet Hargood zu einem blutigen Ritual

Nach diesem dramatischen Prolog lernen wir William Hargood (Geoffrey Keen), Samuel Paxton (Peter Sallis) und Jonathon Secker (John Carson) kennen, die sich als Ehrenmänner geben. Speziell Hargood legt harte moralische Maßstäbe an, wenn es darum geht, dass seine halbwüchsige Tochter Alice (Linda Hayden) es gewagt hat, nach dem Gottesdienst mit Paxtons Sohn Paul (Anthony Higgins) zu sprechen. Tatsächlich frönt das nach außen so biedere Trio lüsternen Freuden, besucht regelmäßig gemeinsam ein Bordell.

Die Auferstehung von Graf Dracula

Dort lernen die drei eines Nachts den jungen Lord Courtley (Ralph Bates) kennen, dessen arrogante Art sie beeindruckt. Dem Bordellbetreiber zufolge ist er vor Jahren von seinem Vater verstoßen worden, der ihn bei einer schwarzen Messe in der Familiengruft ertappt habe. Er sei vom Teufel besessen. Auf der Suche nach dem ultimativen Kick lassen sie sich von Courtley zu einer düsteren Zeremonie überreden: der Auferstehung von Graf Dracula!

Wer kann sich Draculas Charme schon entziehen?

Mit dem eingangs erwähnten Prolog dockt „Wie schmeckt das Blut von Dracula?“ als vierter Hammer-Films-Beitrag zur Dracula-Saga unmittelbar an „Draculas Rückkehr“ („Dracula Has Risen from the Grave“, 1968) an. An sich war Christopher Lee der Rolle überdrüssig, ursprünglich sollte der Film ganz ohne Dracula auskommen: Eine frühe Skriptfassung sah vor, dass Lord Courtley bei der Erweckungszeremonie zum Vampir mutiert. Das passte dem US-Verleih jedoch nicht, sodass Hammer Films Christopher Lee mit einer kräftigen Erhöhung der Gage doch überredete. Tatsächlich übernahm er die Rolle des adligen Vampirs 1970 gleich vier Mal – außer in „Wie schmeckt das Blut von Dracula?“ auch in „Nachts, wenn Dracula erwacht“ von Jess Franco, Hammers „Dracula – Nächte des Entsetzens“ („Scars of Dracula“) und der von Jerry Lewis inszenierten Komödie „Die Pechvögel“ („One More Time“), in der Lee allerdings lediglich einen Cameo-Auftritt in seiner Paraderolle hat.

Das Lotterleben im Bordell

Anfang der 1970er-Jahre neigte sich die Ära der klassischen Hammer-Filme langsam, aber unaufhörlich dem Ende zu. Die Budgets sanken, was dazu führte, dass Vincent Price in „Wie schmeckt das Blut von Dracula?“ anders als vorgesehen doch nicht auftauchte. Er war als vierter im Bunde der Gentlemen mit dem Doppelleben vorgesehen. Das wäre interessant geworden, gleichwohl übt der Film auch ohne Price seinen Reiz aus. Die viktorianischen Kulissen bringen Charme, und wenn Lord Courtley in der Bordellszene zu Beginn der Haupthandlung ein mit Freiern und Huren belegtes Separee nach dem anderen nach der von ihm favorisierten Liebesdienerin durchsucht, fügt das dem Geschehen eine gehörige Prise Frivolität hinzu. Das war den zeitgenössischen Tugendwächtern offenbar zu viel Freizügigkeit – in den Kinos war die Sequenz seinerzeit nur massiv gekürzt zu sehen.

Was mag sich in dem Sarkophag verbergen?

Bei seinem vierten Auftritt als Graf Dracula war Christopher Lee die Rolle so sehr in Fleisch und Blut übergegangen, dass er seine Szenen bei aller Lustlosigkeit, die er verspürt haben mag, souverän herunterspielt. Er tritt hier als Racheengel in Erscheinung, die Ursache seines Drangs nach Vergeltung sei aber unerwähnt gelassen, um Spoiler zu vermeiden. So recht passt das meines Erachtens nicht, wenn man Draculas Charakter zu Ende denkt, aber da mag ich spitzfindig sein – jedenfalls bringt es die Handlung in blutige Fahrt. Die Rachsucht des Vampirs kulminiert in einer heftigen Pfählungsszene. So loben wir uns das.

Anolis spendiert exklusive Doku „A Taste of New Blood“

Für die Neuauflage als Mediabook und in herkömmlicher Verpackung hat sich Anolis Entertainment nicht lumpen lassen und eigens eine 44-minütige Doku produzieren lassen. „A Taste of New Blood“ ist mit seinem interessanten Hintergrundmaterial zum Film ausschließlich auf dieser Blu-ray erhältlich. Da Bild- und Tonqualität, Booklet sowie das übrige Bonusmaterial den üblichen Anolis-Standard halten, hat das Label somit einmal mehr ein kräftiges „Daumen hoch!“ verdient.

Eine Vampirin!

Die Anolis-Entertainment-Reihe mit Produktionen von Hammer Films haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Christopher Lee sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Graf Dracula mag nach wie vor keine Kreuze

Veröffentlichung: 31. August 2018 als Blu-ray im limitierten Mediabook (in drei Covervarianten) und Blu-ray, 18. November 2016 als Blu-ray, 24. September 2004 als DVD

Länge: 95 Min. (Blu-ray), 91 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Taste the Blood of Dracula
GB 1970
Regie: Peter Sasdy
Drehbuch: Anthony Hinds (als John Elder)
Besetzung: Christopher Lee, Dolph Lundgren, Geoffrey Keen, Gwen Watford, Linda Hayden, Peter Sallis, Anthony Higgins, Isla Blair, John Carson, Martin Jarvis, Roy Kinnear, Michael Ripper, Ralph Bates
Zusatzmaterial Blu-ray: Audiokommentar mit Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad, Exklusiv-Dokumentation „A Taste of New Blood“ (44 Min.), britischer Kinotrailer, deutscher Kinotrailer, Super-8-Fassungen (120 und 60 Meter), britisches Campaign Book, britische Ad Card, US-Pressbook, deutscher Werberatschlag, Bildergalerie, nur Mediabook: 28-seitiges Booklet mit Texten von Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad
Label/Vertrieb Mediabook & Blu-ray 2018: Anolis Entertainment GmbH
Label/Vertrieb Blu-ray 2016: Studio Hamburg
Label/Vertrieb DVD: Warner Home Video

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshots: © 2018 Anolis Entertainment GmbH

 

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