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Horror für Halloween (XXII): Willy’s Wonderland – Nicolas Cage lässt die Puppen tanzen

16 Okt

Willy’s Wonderland

Von Volker Schönenberger

Horror-Actionkomödie // Zwei platte Reifen auf einmal – das ist Pech. Irgendjemand hatte eine Nagelkette auf der Fahrbahn platziert. Der schweigsame Fahrer (Nicolas Cage) hat Glück, dass nach nur ein paar Stunden Wartezeit in der Einöde Nevadas „zufällig“ Jed Love (Chris Warner) im Abschleppwagen vorbeikommt und ihn und seinen Sportwagen ins nächstgelegene Kaff Hayesville mitnimmt. Weil es dem Fremden an der notwendigen Barschaft von immerhin 1.000 Dollar zum Bezahlen des Reifenwechsels mangelt, nimmt ihn Jed zum schmierigen Unternehmer Tex Macadoo (Ric Reitz) mit. Der macht ihm ein Angebot, das er nicht ablehnen kann: Er möge über Nacht Macadoos heruntergerocktes Entertainment Center „Willy’s Wonderland“ einer sorgfältigen Grundreinigung unterziehen, im Gegenzug begleiche der Jed Loves Rechnung. Da dem wortkargen Neuankömmling keine Wahl bleibt, nimmt er an, obgleich angesichts solcher Großzügigkeit wohl ein Haken zu erwarten ist und er bemerkt hat, dass in der Gegend wohl seit langer Zeit Menschen verschwinden.

Liv klärt den Fremden über „Willy’s Wonderland“ auf

Die neue Putzkraft nimmt die Herausforderung an und wird dafür im Innern eingeschlossen. Er schrubbt Böden, wienert Flippergeräte und andere Daddelautomaten – und wird plötzlich von Ozzie, dem Strauß, attackiert, einer der acht Dekorationsfiguren in Menschengröße, die in „Willy’s Wonderland“ herumstehen. Mit Müh und Not kann der Fremde das zum Leben erwachte animatronische Biest unschädlich machen, aber die Nacht hat gerade erst begonnen …

Cage mutiert zum Horrorspezialisten

Wenn man trotz Oscar und Golden Globe – 1996 für „Leaving Las Vegas – Liebe bis in den Tod“ – in Hollywoods A-Liga verbrannt ist, weil man jahrelang aus Geldnot miese Rollen angenommen hat, kann man aus der Not auch eine Tugend machen und sich vermehrt auf Rollen in durchgeknallten Horrorfilmen stürzen. So mag es sich Nicolas Cage gedacht haben, wie beispielsweise „Mandy“ (2018) und „Die Farbe aus dem All“ (2019) belegen. „Willy’s Wonderland“ fügt sich da vorzüglich ein und versucht gar nicht erst, die Sinnlosigkeit des Plots zu kaschieren. Das Publikum bekommt beizeiten erklärt, weshalb die von Schauspielern in Kostümen verkörperten Figuren zum Leben erwachen, das dient als Aufhänger für ein blutiges Spektakel, das man nicht ernst nehmen sollte, weil es das selbst nicht tut. So stört sich der Fremde skurrilerweise gar nicht groß an den Attacken der Monster. Hat er eins unschädlich gemacht, geht er wieder zu seiner Arbeit über oder legt eine Runde Flipper ein, bis es wieder an der Zeit ist zu kämpfen. Speziell dem Flippern räumt er irgendwann hohe Priorität ein. Wer glaubt, angesichts solcher Mätzchen im falschen Film zu sein, ist wohl im falschen Film.

Für den Namenlosen geht es handfest zur Sache

Damit nicht nur Cages namenlose Hauptfigur gegen die possierlichen Tierchen anzutreten hat, sondern auch reichlich Kunstblut fließen kann, treten Liv (Emily Tosta) und ihre Clique aus Herumtreibern auf den Plan. Die jungen Leute kennen das düstere Geheimnis von „Willy’s Wonderland“ und wollen das Entertainment Center in genau der Nacht niederbrennen, in der sich der Putzmann im Gebäude aufhält. Weil Liv ihn nicht mitverbrennen will, finden sich sie und die anderen bald darauf im Innern von „Willy’s Wonderland“ wieder. Es stellt wohl keinen Spoiler dar, zu verraten, dass nicht alle das Etablissement lebendig verlassen werden. Ein paar Rückblenden aus der Historie erhöhen den blutigen Body Count.

Können Liv und der Putzmann die Kreaturen bezwingen?

Bisweilen wird Cage ja Overacting vorgeworfen. In puncto Dialoge gilt das diesmal sicher nicht – er hat schlicht keine. Der Fremde bleibt nicht nur namenlos, sondern über die gesamte Zeit auch vollständig wortlos. Auch mimisch hält sich Cage zurück, dafür geht er mit vollem Körpereinsatz in den Infight mit den Kreaturen, die trotz übernatürlicher Herkunft mit herkömmlicher Gewalt ausgeschaltet werden können. Zugegeben, wenn er vor dem Flipperautomat zu tänzeln beginnt, bekommen Cage-Lästerer Wasser auf ihre Mühlen, aber solche Szenen können auch ein Markenzeichen werden. Wie es Tex Macadoo formuliert: My hat’s off – that is one tough hombre! Cage hatte jedenfalls so viel Lust auf diesen Film, dass er sich auch in die Produzentenriege einreihte.

Ungeschnitten auch als Mediabook

In Deutschland kommen wir in den Genuss der ungeschnittenen Fassung mit FSK-18-Freigabe. Das Label splendid film hat „Willy’s Wonderland“ nicht nur als Blu-ray und DVD in herkömlichen Softcases veröffentlicht, sondern dem Film auch eine sogenannte Fan-Edition mit Kartenset und ein Mediabook spendiert. Wer den Regisseur Kevin Lewis so wie ich nicht einordnen kann, möge sich nicht wundern – zuvor hatte es keiner seiner Handvoll Filme zu uns geschafft. Bei „Willy’s Wonderland“ handelt es sich um seine erste Regiearbeit seit 14 Jahren.

Liv will überleben

Wer denkt sich sowas aus? Und wie kommt man auf sowas? Egal, Bier und Chipstüte öffnen, zurücklehnen, Spaß haben. Wer zum Lachen in den Keller geht oder nur Arthauskino goutiert, möge „Willy’s Wonderland“ meiden wie der Teufel das Weihwasser. Alle anderen mutieren am Ende noch zu Nicolas-Cage-Fans. Mit „Pig“ steht schon der nächste sonderbare Streifen mit ihm in der Hauptrolle in den Startlöchern.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Nicolas Cage haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Kein Freund vieler Worte

Veröffentlichung: 28. Mai 2021 als Blu-ray und DVD, 21. Mai 2021 als Fan-Edition Blu-ray, Fan-Edition DVD und Blu-ray im limitierten Mediabook

Länge: 89 Min. (Blu-ray), 85 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Niederländisch
Originaltitel: Willy’s Wonderland
USA 2021
Regie: Kevin Lewis
Drehbuch: G. O. Parsons
Besetzung: Nicolas Cage, Emily Tosta, Beth Grant, Ric Reitz, Chris Warner, Kai Kadlec, Caylee Cowan, Jonathan Mercedes, Terayle Hill, Christian Delgrosso, David Sheftell, Jiri Stanek, Jessicar Graves Davis, Taylor Towery, Chris Schmidt Jr., Christopher Bradley, Duke Jackson, Billy Bussey, BJ Guyer, Chris Padilla, Olga Cramer
Zusatzmaterial: Featurettes „Colorful Darkness“ und „Inside the Fun“, nur Fan-Editon: Animatronics Cardset mit 10 Fancards, nur Mediabook: 24-seitiges Booklet
Label: splendid film
Vertrieb: WVG Medien GmbH

Copyright 2021 by Volker Schönenberger
Szenenfotos & Packshots: © 2021 splendid film

 

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