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Stephen King’s Werwolf von Tarker Mills – Das haarige Biest und der Knirps im Rollstuhl

24 Nov

Silver Bullet

Von Volker Schönenberger

Horror // Die wenigsten seiner Romane und Kurzgeschichten hat Stephen King selbst zu Drehbüchern gemacht. „Friedhof der Kuscheltiere“ von 1989 ist wohl das bekannteste Beispiel. Auch bei seiner glücklicherweise einzigen Regiearbeit „Rhea M. – Es begann ohne Warnung“ (1986) legte der Meister des literarischen Horrors selbst Hand ans Skript, das auf seiner Kurzgeschichte „Trucks“ basiert.

Der kopflose Bahnarbeiter

Ebenfalls ein Stephen-King-Drehbuch finden wir bei „Werwolf von Tarker Mills“, das auf seinem im Stil einer Kalendergeschichte verfassten und vergleichsweise kurzen Roman „Das Jahr des Werwolfs“ beruht: Es ist in zwölf Kapitel unterteilt. Das passt insofern, als Werwölfe ja nur bei Vollmond zuschlagen, mithin etwa monatlich. Erstes Opfer des haarigen Biests ist ein Bahnarbeiter, der umgehend Kopf und Leben verliert. Weil er als Trunkenbold bekannnt war, glaubt man in der Kleinstadt Tarker Mills in Maine an einen Unfall auf den Gleisen. Beim nächsten Opfer kann ein Unfall ausgeschlossen werden: Eine junge Frau wird in ihrem Zimmer abgeschlachtet. Das nächste Opfer lässt nicht lange auf sich warten.

Der Werwolf findet …

Nur einer ahnt bald, dass ein Werwolf hinter den Morden steckt: der Schüler Marty (Corey Haim), gelähmt und im Rollstuhl sitzend – ein motorisiertes Gefährt, das er „Silver Bullet“ getauft hat, daher der schön zweideutige Originaltitel, denn wie man einen Werwolf erlegt, wissen wir Lykanthropie-Experten ja alle. Martys Schwester Jane (Megan Follows) fungiert dabei als Erzählerin aus dem Off. Dann ist da noch ihr Onkel Red (Gary Busey, „Lethal Weapon – Zwei stahlharte Profis“), ein Tunichtgut, der zu viel Alkohol trinkt, aber von gutmütiger Natur ist und seinen Neffen sehr lieb hat. Und wenn sich der Mob der Stadt zusammenrottet, zur Jagd auf den vermeintlichen Serienmörder in den Wald zieht und sich auch nicht vom Priester (Everett McGill, „Heartbreak Ridge“) aufhalten lässt, weiß man: Das geht nicht gut aus – für den Mob.

30 Jahre zwischen zwei Sichtungen

Bei der Erstsichtung 1986 im Kino hat mir „Werwolf von Tarker Mills“ gut gefallen, sofern mich meine Erinnerung nicht trügt. Der Spaß stellte sich bei der nun erfolgten zweiten Sichtung 30 Jahre später zügig wieder ein. Zwar ist der Film visuell klar in den 80er-Jahren verankert – das hat er mit vielen Horrorfilmen jener Zeit gemeinsam; aber die Angriffe des Werwolfs sind effektvoll inszeniert, packend und blutig. Es mag besser gestaltete Werwölfe geben, aber damals hat man Maske und Kostüm noch von Hand produziert und nicht am Computer, das ist vorzuziehen, auch wenn es in diesem Fall ein wenig veraltet wirkt und natürlich nicht an die Creature-Effekte in John Landis‘ fünf Jahre früher entstandenem „American Werewolf“ heranreicht.

Wer ist der Werwolf?

Mensch, Sheriff Joe Haller kommt mir so bekannt vor, woher kenne ich ihn bloß? Dem Internet sei Dank sind solche Fragen heutzutage schnell beantwortet: Terry O’Quinn hatte eine tragende Rolle in der Serie „Lost“: die des John Locke. So sind nun alle Fragen beantwortet – bis auf eine: Wer ist der Werwolf? Einen Verdacht fasst man zügig, ebenso zügig stellt er sich dann auch als richtig heraus. Um eine Jagd auf einen Unbekannten handelt es sich somit nicht, dennoch ist „Werwolf von Tarker Mills“ auch drei Jahrhehnte nach seiner Entstehung angetan, Werwolf-Fans viel Freude zu bereiten. Wundert euch nicht über unterschiedliche Altersangaben auf DVD-Hüllen: Auf VHS ist der Film mit einer Freigabe ab 16 Jahren in geschnittener Form erschienen, 2001 dann ungeschnitten als DVD mit FSK-18-Logo. Nach Herabstufung ist mittlerweile auch die ungeschnittene Fassung ab 16 Jahren freigegeben.

… ein Opfer

Hauptdarsteller Corey Haim stieg in den 80er-Jahren zum gefragten Kinder- und Teenie-Star auf. 1987 spielte er im Vampir-Horrorfilm „The Lost Boys“ an der Seite von Kiefer Sutherland, Jason Patric und Dianne Wiest. Er entwickelte jedoch eine Drogensucht, die seine Karriere immer wieder ins Stocken brachte und seine Gesundheit ruinierte. Corey Haim starb am 10. März 2010 im Alter von 38 Jahren.

Marty will die Bestie aufhalten

Stephen King bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Der dunkle Turm (2017)
Es (2017)
11.22.63 – Der Anschlag (2016)
Mercy – Der Teufel kennt keine Gnade (2014)
Stephen King’s A Good Marriage (2014)
Carrie (2013)
Stephen Kings Stark – The Dark Half (1993)
Manchmal kommen sie wieder (1991)
Katzenauge (1985)
Werwolf von Tarker Mills (1985)
Der Feuerteufel (1984)
Christine (1983)
Dead Zone (1983)
Shining (1980, geplant)
Carrie – Des Satans jüngste Tochter (1976)

Aber sie ist stark

Veröffentlichung: 14. September 2017 als Blu-ray und DVD, 16. Oktober 2001 als DVD (Studiocanal Home Entertainment)

Länge: 95 Min. (Blu-ray), 91 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Spanisch, Italienisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Spanisch, Italienisch, Niederländisch, Portugiesisch, Türkisch
Originaltitel: Silver Bullet
USA/NL 1985
Regie: Daniel Attias
Drehbuch: Stephen King nach seiner eigenen Romanvorlage
Besetzung: Corey Haim, Gary Busey, Everett McGill, Megan Follows, Robin Groves, Leon Russom, Terry O’Quinn, Bill Smitrovich, Joe Wright
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Regisseur Daniel Attias, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial, Originaltrailer
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2016 by Volker Schönenberger

werwolf_von_tarker_mills-packshot

Fotos & Packshot: © 2017 Koch Films

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