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Die Schlange im Regenbogen – Die Zombies von Haiti

07 Mrz

The Serpent and the Rainbow

Von Volker Schönenberger

Horror // In the legends of voodoo the Serpent is a symbol of Earth. The Rainbow is a symbol of Heaven. Between the two, all creatures must live and die. But because he has a soul Man can be trapped in a terrible place where death is only the beginning. In den Legenden des Voodoo symbolisiert die Schlange unsere Erde. Der Regenbogen ist ein Symbol des Himmels. Alle Lebewesen müssen zwischen diesen beiden leben und sterben. Doch weil der Mensch eine Seele hat, kann er an einen schrecklichen Ort geraten, wo der Tod nur der Anfang ist. So erfahren wir es von einer Texttafel zu Beginn des Films. Von einer Schlange „im“ Regenbogen kann also keine Rede sein, aber deutschen Titelerdenkern sind solche Details ja gern mal gleichgültig. Jedenfalls folgt dieser Erläuterung über die Symbolkraft von Schlange und Regenbogen der Hinweis, das folgende Geschehen sei inspiriert von wahren Begebenheiten. Nun ja, das hat schon mancher Horrorfilm mehr oder minder wahrheitsgemäß behauptet. In diesem Fall allerdings …

Dennis Alan erhält eine unmissverständliche Drohung

Eine Beerdigung auf Haiti im Jahr 1978. Unter den trauernden Rufen der Witwe schaufeln die Totengräber Sand auf den Sarg von Christophe Durand (Conrad Roberts). Durch eine Öffnung im Sarg fällt Licht auf den Leichnam. Wir sehen eine Träne, die ihm aus dem Auge tritt – er schlägt die Augen auf …

Zombiefizierung durch Magie oder Drogen?

Sieben Jahre später reist der Anthropologe und Ethnobotaniker Dennis Alan (Bill Pullman) im Auftrag eines US-Pharma-Unternehmens nach Haiti. Christophe Durand sei als Untoter gesichtet worden. Alans Auftraggeber vermuten eine als Anästhetikum wirkende Droge, die die Zombifizierung verursache. Der Pharma-Konzern verspricht sich von Alans Trip großen Reibach – er soll das Mittel finden, damit es pharmazeutisch vermarktet werden kann. In dem bitterarmen Land trifft der Wissenschaftler die Psychiaterin Marielle Duchamp (Cathy Tyson, „Mona Lisa“), die ihm als Kontaktperson dient. Doch er erregt auch die Aufmerksamkeit von Dargent Peytraud (Zakes Mokae), einem Bocor-Schwarzmagier, der gleichzeitig die Tonton Macoute-Miliz des Duvalier-Regimes leitet.

Kehren die Toten aus ihren Gräbern zurück?

1988 war das Zombiegenre bereits fest in der Hand der einst von George A. Romero erschaffenen Untoten, die einzig von der Gier nach Menschenfleisch getrieben werden. Umso außergewöhnlicher, dass Wes Craven („The Last House on the Left“) die Zombies zu ihrem Ursprung zurückführte – dem Voodoo-Kult, in welchem Menschen mittels Magie und spezieller Narkotika in einen Zustand des Todes oder Scheintodes versetzt werden, um nach ihrer Beerdigung wieder ins Leben zurückzukehren und fortan ein Dasein als willenlose Sklaven zu führen.

Halluzination? Albtraum?

Mit suggestivem Score und starken exotischen Bildern erschafft Craven eine berückende Atmosphäre, die schaudern lässt. Albtraumhafte Sequenzen tragen das Ihre zur Verwirrung bei. Hat Dennis Alan gerade geträumt, das Geschehen tatsächlich erlebt oder wurde es ihm als schwarzmagische Halluzination in den Kopf gepflanzt? Nicht einfach zu entschlüsseln. Geschickt vermengt der Regisseur dabei seine fantastische Geschichte mit der politischen Gemengelage Haitis in jener Zeit gegen Ende der Diktatur von Jean-Claude „Baby Doc“ Duvalier. Das suggeriert Plausibilität, gar Authentizität und steht dem Film sehr gut zu Gesicht.

War Clairvius Narcisse ein Zombie?

Als Vorlage diente den Drehbuchautoren das Buch „Schlange und Regenbogen“ („The Serpent & the Rainbow“) des Anthropologen Wade Davis, der darin unter anderem das Schicksal von Clairvius Narcisse beschreibt, einem Haitianer, der angeblich von den Toten zurückkehrte – eindeutig Vorbild für Christophe Durand. Davis selbst ist unschwer in Dennis Alan zu erkennen. Als originelles Werk hebt sich „Die Schlange im Regenbogen“ enorm von der Zombie-Dutzendware ab, die in den 70er- und 80er-Jahren und bis heute die Kino-Leinwände und Bildschirme unsicher macht. Wer die Untoten nur als bräsige Menschenfleisch-Gierschlunde kennt, wird überrascht sein, was diese Kreaturen noch hergeben können. Wes Craven hat da seine ganz eigene Perspektive auf die lebenden Leichen gefunden und das Genre mit seinem Beitrag ungemein bereichert.

Vielleicht mehr als das …

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Wes Craven sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Bill Pullman unter Schauspieler.

Der Anthropologe gerät in große Gefahr

Veröffentlichung: 17. Januar 2002 als DVD

Länge: 94 Min.
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte, Niederländisch, Dänisch, Schwedisch, Norwegisch, Finnisch
Originaltitel: The Serpent and the Rainbow
USA 1988
Regie: Wes Craven
Drehbuch: Richard Maxwell, Adam Rodman, nach Motiven einer Vorlage von Wade Davis
Besetzung: Bill Pullman, Cathy Tyson, Zakes Mokae, Paul Winfield, Brent Jennings, Conrad Roberts, Badja Djola, Theresa Merritt, Michael Gough, Paul Guilfoyle
Zusatzmaterial: Original-Kinotrailer
Label/Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2018 by Volker Schönenberger
Szenenfotos: © 2002 Universal Pictures Germany GmbH

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