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Fear Comes Home – Wer bleibt am Leben? Die Letzten von uns

31 Mai

The Mansion

Von Lucas Gröning

SF-Horror // Im Jahr 2013 brachte Videospielentwickler Naughty Dog das bis heute gefeierte Action-Adventure und Survival-Horror-Spiel “The Last of Us” heraus. Nach Durchschnittswertungen diverser Magazine und Online-Angebote zu schließen, gilt das Spiel qualitativ mindestens als eines der besten des vergangenen Jahrzehnts. Es war auch in puncto Verkaufszahlen ein Hit. Thematisch befasst sich das Action-Adventure mit einer in nicht allzu fern liegenden Dystopie, in welcher ein Virus den Großteil der Menschheit infizierte und sie zu Zombie-ähnlichen Kreaturen – sogenannte Clicker – mutieren ließ. Im Zentrum der Handlung steht der vom Spieler gesteuerte Erwachsene Joel, der den Auftrag bekommt, die junge Ellie aus Boston (oder besser gesagt dem, was von Boston übrig geblieben ist) nach draußen in ein Camp der Fireflys zu bringen, einer Widerstandsgruppe gegen das sich inzwischen an der Macht befindende Militär. Warum Ellie so wichtig ist, erfährt Joel zunächst nicht. In der Folge ziehen die beiden durch ein postapokalyptisches und vor Gefahren strotzendes Amerika.

Doku über Obama-Wahlkampf in den Südstaaten

Ebenfalls 2013 erschien ein Film, der in einigen Punkten erstaunliche Paralellen zu „The Last of Us“ aufweist und welchen nun, wenige Monate vor dem Release der Fortsetzung zu Naughty Dogs Erfolgsspiel, Tiberius Film fürs Heimkino veröffentlicht. Die Rede ist von „Fear Comes Home – Wer bleibt am Leben?“, inszeniert von Andrew Robertson. Es handelt sich um seine zweite Regiearbeit, zuvor hatte er 2009 „The Battle for Georgia“ inszeniert – die Dokumentation zeigt die Anstrengungen einer Schar Wahlkampf-Freiwilliger für Barack Obama in den letzten Wochen der US-Präsidentschaftswahl 2008 in der Südstaaten-Provinz von Georgia. Als Regisseur arbeitete Robertson seit 2013 bislang nur ein weiteres Mal: für eine Episode der Fernsehdokumentation „The Food Flirts“ (2018).

Zufluchtsort und Gefängnis zugleich: Das Haus von Jacks Familie

Die Geschichte des Films ist schnell erzählt: Vor einigen Jahren hat ein Virus einen Großteil der Menschheit ausgerottet, die Überlebenden kämpfen seitdem um die knappen Ressourcen. Im Zentrum der Handlung steht eine Familie, bestehend aus Vater Jack (Carter Roy), Mutter Nell (Amy Rutberg) und Tochter Birdie (Eva Grace Kellner), die sich in einem von dichtem Gehölz und einem Metallzaun umringten Haus befinden und versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. Außer den dreien befindet sich außerdem der ältere Kyle (Chris Kies) in der Behausung, welchen die Familie vor einiger Zeit aufgenommen hat. Derweil streift die Bande des brutalen Rez (Travis Grant) rücksichtslos durchs Land, plündert die Ressourcen anderer Menschen und tötet diese mit äußerster Brutalität. Einer Brutalität und Rücksichtslosigkeit, die zu viel für das Gemüt des Gangmitglieds Russell (Sebastian Beacon) ist, der flieht und fortan von seinen ehemaligen Kumpanen gejagt wird. Als Russell vor der Tür der eingangs erwähnten Familie auftaucht, scheint eine Konfrontation mit der Bande von Rez unausweichlich.

Eine Referenz jagt die nächste

Die Paralellen zu „The Last of Us“ sind schon auf der Handlungsebene zu erkennen: ein alles zerstörender Virus, ein Vater und eine Tochter sowie böse Gangs, die durch die postapokalyptische Welt ziehen. Das allein reicht für einen Vergleich natürlich nicht aus, ähnliche Endzeit-Plots gibt es ja zuhauf. Die Paralellen gehen jedoch noch weiter. So ähnelt beispielsweise Jack frappierend dem „The Last of Us“-Protagonisten Joel. Das gilt nicht nur für Frisur und Bart, sondern auch für die Kleidung der beiden. Hinzu kommt, dass im Film zum Beispiel auch gezeigt wird, wie Jack eine Gasmaske aufsetzt, um sich in unbekanntem Gebiet nicht mit dem Virus zu infizieren, und Schränke und Schubfächer in leeren Häusern nach Ressourcen oder Medikamenten durchsucht – ein essenzieller Bestandteil des Spielprinzips von „The Last of Us“. Da beide Produkte im Jahr 2013 erschienen sind, ist es natürlich schwer nachweisbar, dass sich eines der Werke beim jeweils anderen bedient hat. Die Tatsache, dass Naughty Dog 2013 allerdings bereits ein etabliertes Entwicklerstudio war – man denke an die Reihen „Crash Bandicoot“ (seit 1996) und „Uncharted“ (2007–2017) – sowie der Punkt, dass es bereits im Vorfeld Spielszenen aus „The Last of Us“ gab, legen einen Vergleich jedoch nahe.

Russell (l.) spielt mit dem Gedanken, die Bande von Rez (r.) zu verlassen

Auch bei anderen Werken bediente sich „Fear Comes Home – Wer bleibt am Leben?“ fleißig. Die Musik erinnert sehr stark an jene aus John Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“ (1982) und das vom Metallzaun eingeschlossene Fort verweist teilweise auf die Festung in der dritten Staffel der Fernsehserie „The Walking Dead“ (2013), genauso wie einige Establishing Shots, die direkt aus dem Intro der AMC-Serie stammen könnten. Der Film referenziert also jede Menge anderer Werke und zieht sich dabei durchaus interessante Aspekte heraus. Erreichen tut er dabei keines der angesprochenen Vorbilder, was jedoch nicht heißen soll, dass es sich bei „Fear Comes Home – Wer bleibt am Leben?“ um einen katastrophalen Film handelt.

Licht und Schatten

Gerade die erste Hälfte des Films ist durchaus sehenswert. Hier wird uns eine sehr enge, verlassene Welt präsentiert, in der sich die Figuren der Familie nur äußerst selten aus der Sicherheit der Hütte und des Zaunes trauen. Zu groß ist die Angst vor dem, was sich hinter den dichten Bäumen verbergen könnte. Im Gegensatz zu beispielsweise „The Last of Us“ und „The Walking Dead“ ist es also nicht das Sichtbare, in Form von Zombies oder Clickern, welches das Unheil in der Welt repräsentiert. Vielmehr sind es das Unbekannte und die Ungewissheit über jene Schrecken, die sich außerhalb der Komfortzone befinden. Und obwohl uns bereits der überaus enge Raum gezeigt wird, in dem sich die Famiie bewegt, erscheint der Wald aufgrund der omnipräsenten Angst vor einer Gefahr noch wesentlich enger, was auch durch die Kamera unterstützt wird, die sich meist sehr nah an den Figuren befindet. Hier zeigt sich den Zuschauenden ein klarer Kontrast zur von Nostalgie und familiärem Zusammensein geprägten Idylle, die uns in den vier Wänden des Hauses gezeigt wird, denn obwohl es von dort kein Entkommen zu geben scheint, präsentiert uns der Film damit auch eine romantische Vorstellung, die mit dem Zusammenbrechen von etwas Etablierten und dem Beginn von etwas Neuem einhergehen kann.

Die zweite Hälfte flacht ab

Die zweite Hälfte der Erzählung schafft es leider nicht, an die atmosphärisch ansprechende erste anzuknüpfen. Dass die Protagonisten das Hauses verlassen müssen, zwingt den Regisseur Robertson dazu, uns auch über die bekannten Bilder hinaus eine stimmige Welt zu präsentieren, woran er scheitert. Es zeigen sich uns sehr generisch anmutende Wälder, Straßen, Fabrikgebäude und andere Orte, die lieblos gestaltet und aufgenommen wurden. Als größten Kritikpunkt möchte ich hier die Ereignislosigkeit nennen. War diese in den ersten knapp 45 Minuten noch ein Prinzip des Films, sodass man sich voll und ganz auf die Gestaltung der kleinen, aber durchaus charmanten Welt konzentrieren konnte, wird sie in der zweiten Hälfte zum Problem. Wir sehen die Personen lediglich durch das Land streifen, einige wenige Konflikte lösen sich ohne weitere Probleme schnell auf. Die gefährliche Bedrohung, die man zu Beginn hinter den Bäumen nur erahnen konnte, erfüllt so leider nicht die aufgebauten Erwartungen, sodass hier viel Potenzial verschwendet wurde. Auch die sich in der ersten Hälfte andeutenden Spannungen zwischen den Menschen verlaufen leider im Sand. Es wirkt ein wenig, als habe man nur für den ersten Teil des Films ein Drehbuch geschrieben und musste sich dann irgendwie überlegen, wie man die Geschichte einigermaßen schnell und sinnig zu Ende bringt. Ein spannend erzählter und intelligenter Film kommt daher leider nicht heraus. Somit bleibt ein durchaus unterhaltsames, ansprechend gestaltetes B-Movie, das mit Verlauf der Handlung jedoch deutlich abbaut.

Bald kommt es zu Konfrontationen

Veröffentlichung: 7. Mai 2020 als Blu-ray und DVD

Länge: 80 Min. (Blu-ray), 77 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Mansion
Alternativtitel: Refuge
USA 2013
Regie: Andrew Robertson
Drehbuch: Lilly Kanso, Andrew Robertson
Besetzung: Carter Roy, Amy Rutberg, Eva Grace Kellner, Chris Kies, Sebastian Beacon, Travis Grant, Reed Pendergrass, Sam Smith, Vincent Gandolfi
Zusatzmaterial: Trailer, Trailershow
Label: Tiberius Film
Vertrieb: Sony Pictures Entertainment

Copyright 2020 by Lucas Gröning
Szenenfotos & Packshot: © 2020 Tiberius Film

 

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