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The Werewolf – Wissenschaft statt Vollmond

28 Dez

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The Werewolf

Von Volker Schönenberger

SF-Horror // Den Mythos geprägt haben die Universal-Studios ab 1941 durch die fünf „Wolfsmensch“-Filme mit Lon Chaney jr in der Hauptrolle. Dieser Mythos ist ein übernatürlicher. „The Werewolf“ von 1956 hingegen findet einen anderen Ansatz, erklärt die Gestaltwandlung wissenschaftlich – nichts mit Vollmond und Silberkugeln. Eine Stimme aus dem Off führt zu Beginn des Films an, den Glauben an Werwölfe gebe es seit Ewigkeiten: The legends have persisted from the beginnings of man’s memory of time. Why? Why haven’t these tales died? The tales that say wolf-men roam the earth.

Nach der Bluttat Flucht in die kalten Wälder

Ein verstört wirkender Mann (Steven Ritch) findet sich ohne Gedächtnis im abgelegenen Örtchen Mountaincrest wieder. In einer Gaststätte nimmt er einen Drink, wird kurz darauf draußen von einem anderen Gast angegriffen, der ihn in einer dunklen Gasse um sein Geld erleichtern will. Doch der Verstörte ist alles andere als wehrlos, der Angreifer stirbt mit zerrissener Kehle. Duncan Marsh – seinen Namen erfahren wir erst später – flieht in die verschneiten Wälder, greift dort den Deputy Ben Clovey (Harry Lauter) an und verletzt ihn am Arm. Während Cloveys Boss Sheriff Jack Haines (Don Megowan) die Verfolgung des Mörders organisiert, versucht Duncan Marsh das Geheimnis der jüngsten Geschehnisse zu ergründen. Die Spur führt zu den beiden Wissenschaftlern Dr. Emory Forrest (S. John Launer) and Dr. Morgan Chambers (George Lynn).

Jagd auf den Werwolf

Die Schlinge um den bedauernswerten Duncan Marsh zieht sich immer mehr zu. Spätestens wenn seine Frau Helen (Eleanore Tanin) und sein Sohn Chris (Kim Charney) ins Spiel kommen, lässt uns sein Schicksal nicht mehr kalt. Duncan weiß, dass etwas Schlimmes mit ihm geschehen ist, aber er kann nichts dagegen tun und sieht keinen Ausweg. Das ist auf einem B-Movie-Level bewegend inszeniert und dramatisch. Die fesselnde Hatz auf Marsh bietet eine kurze Phase der Erholung, nachdem er sich gestellt hat und zu seinem und dem Schutz anderer hinter Gittern gelandet ist.

Gestaltwandlung per Überblendung

Die Werwolf-Verwandlung erfolgt mittels Überblendung wie bei „Der Wolfsmensch“. Das ist technisch natürlich veraltet, aber ansehnlich. Den Schwarz-Weiß-Bildern nach zu urteilen, war es dafür erforderlich, das Gesicht von Schauspieler Steven Ritch mit mehreren Masken auszustaffieren. Mit seiner wissenschaftlichen Schlagseite steht der Film in guter Tradition der 50er-Jahre, als Science-Fiction und Horror oft zusammenfanden. Sogar atomare Strahlung spielt eine Rolle! Mangelt es „The Werewolf“ im Bereich des SF-Horrors somit etwas an Originalität, kann er bei Werwolf-Filmen damit umso mehr auftrumpfen – eine willkommene Abwechslung.

Eine Produktion von Sam Katzman

Fred F. Sears – nie gehört? Das überrascht nicht, viele seiner Regiearbeiten haben es nicht nach Deutschland geschafft. Der SF-Horrorfilm „Angriff der Riesenkralle“ („The Giant Claw“, 1957) und der Western „Der Teufel holt sie alle“ („Badman’s Country“, 1958) gehören zu den wenigen. „The Werewolf“ lief in den US-Kinos seinerzeit im Double Feature mit Sears‘ „Fliegende Untertassen greifen an“ („Earth vs. the Flying Saucers“, 1956), der es in Deutschland sogar auf eine DVD geschafft hat – sie ist allerdings mittlerweile vergriffen. Für „The Werewolf“ hingegen muss man auf eine spanische DVD zurückgreifen. Oder besser noch: auf die in den USA erschienene „Icons of Horror Collection – Sam Katzman“ mit vier Filmen des B-Movie-Produzenten Sam Katzman. Angeblich existiert in Deutschland eine 45-minütige Super-8-Fassung ohne Ton, aber gibt es noch Filmfans, welche die dafür erforderliche technische Ausrüstung haben? Will man Super-8-Fassungen überhaupt sehen, außer als Gimmick im Bonusmaterial von DVDs und Blu-rays? Dass „The Werewolf“ in absehbarer Zeit eine deutsche Heimkino-Veröffentlichung erfährt, ist wohl nicht zu erwarten. Die „Icons of Horror Collection“-Version aus den USA langt aber auch. Es lohnt sich!

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Veröffentlichung (USA): 16. Oktober 2007 als Bestandteil der „Icons of Horror Collection – Sam Katzman“ (2 DVDs mit „The Giant Claw“, „Creature with the Atom Brain“, „Zombies of Mora Tau“, „The Werewolf“)

Länge: 79 Min.
Altersfreigabe: FSK nicht geprüft
Sprachfassungen: Englisch
Untertitel: Englisch
Originaltitel: The Werewolf
USA 1956
Regie: Fred F. Sears
Drehbuch: Robert E. Kent, James B. Gordon
Besetzung: Don Megowan, Joyce Holden, Eleanore Tanin, Kim Charney, Harry Lauter, Larry J. Blake, Ken Christy, James Gavin, S. John Launer, George Lynn, George Cisar, Steven Ritch
Zusatzmaterial:
Vertrieb: Kurzfilm „Midnight Blunders“ (1936, 17:02 Min.) & Zeichentrick-Kurzfilm „Terror Faces Magoo“ (1959, 6:30 Min.), Trailershow
Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Filmplakat: Fair Use

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