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First Reformed – Priester in der Glaubenskrise

First Reformed

Von Simon Kyprianou

Drama // „First Reformed“ wurde mit Ingmar Bergman und Robert Bresson verglichen, und natürlich findet man in Paul Schraders Drama Spuren von Bergmans „Licht im Winter“ (1962) und Bressons „Tagebuch eines Landpfarrers“ (1950), aber Schraders Film lässt sich nicht auf ein Epigonentum reduzieren, dazu ist er gedanklich viel zu sehr in der Gegenwart verortet. In einer englischsprachigen Bearbeitung konnte man lesen, dass „First Reformed“ höchstens dann so wäre wie ein Bergman-Film, wenn Bergman sein ganzes Leben über gekokst und die Ramones gehört hätte.

Toller macht eine schwere Zeit durch

Schraders Film verkettet Gedanken über die fortschreitende Umweltverschmutzung mit einer transzendentalen Ästhetik, die eben an Regisseure wie Bergman oder Bresson angelehnt ist: das quadratische „Academy Ratio“-Format, klar und simpel strukturierte Bildkompositionen, reduzierte Bewegungen der Kamera, lange Einstellungen, ein bewusst kühles und distanziertes Spiel der Schauspieler. Auch gibt es keine wirkliche Musikuntermalung – bei Bergman und Bresson konsequent, Schrader betreibt hier immerhin „Soundscaping“, er arbeitet also sozusagen mit einer Klangteppich-Soundkulisse. Diese formale Reinheit soll den Blick für den Zuschauer freimachen für die spirituellen Konflikte der Figuren und ihr entschleunigtes, geistliches Leben.

Er verbringt viel Zeit mit Mary

Oft gelingen den Filmemachern nicht nur Geschichten über Glaubenskrisen, sondern Erzählungen weit darüber hinaus, bei Bergman etwa über die Unmöglichkeit, die unsichtbaren Grenzen zwischen den Menschen zu überwinden, bei Carl Theodor Dreyer in „Das Wort“ (1955) um die Starrheit des Glaubens. Auch Schrader erzählt nicht nur über einen Pastor, in diesem Fall Ernst Toller (Ethan Hawke), in einer Glaubenskrise, sondern auch über die Verbindung zwischen dem Glauben und der Zerstörung der Umwelt, die individuelle Verantwortung und die dünne Trennlinie zwischen Glaube und Wahnsinn. In seinem strengen Ansatz findet Schrader große Bilder der Verzweiflung, mit Blut, Stacheldraht, Bombengürteln und in religiösen Trance-Erfahrungen schwebenden Menschen. Zusammen mit der verwitweten und hochschwangeren Mary (Amanda Seyfried), die vor Kurzem ihren Mann verloren hat, steht Toller seine Glaubenskrise durch, während er inspiriert durch Marys verstorbenen Mann (Philip Ettinger) und seinen Kampf für die Umwelt einen Feldzug gegen einen Großkonzern lostritt.

Die beiden geben einander Halt

Durch die clevere Vermarktung in den USA hat „First Reformed“ dort hohe Wellen geschlagen, Schraders kühne Inszenierung und Ethan Hawkes Spiel wurden gelobt. Es ist Schraders erste Regiearbeit seit langer Zeit, die eine solche Anerkennung erfahren hat. Leider hatte das keinen Einfluss auf einen internationalen Kinostart, in Deutschland gab es, von einigen Festival-Aufführungen einmal abgesehen, keine Kino-Auswertung und nicht einmal einen DVD/Blu-ray-Start, sondern lediglich eine digitale Veröffentlichung bei Amazon Video. Auch bei den Oscars wurde der Film nur für das beste Drehbuch nominiert, Hawkes mit vielen Preisen ausgezeichnete Performance wurde bei den Nominierungen für den besten Hauptdarsteller nicht bedacht.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Ethan Hawke sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Trotzdem steuert der Geistliche auf eine Katastrophe zu

Veröffentlichung D: als Stream
Veröffentlichung GB: 5. November 2018 als DVD (Universal)
Veröffentlichung USA: 21. August 2018 als Blu-ray (Lions Gate)

Länge: 113 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: First Reformed
USA 2017
Regie: Paul Schrader
Drehbuch: Paul Schrader
Besetzung: Ethan Hawke, Amanda Seyfried, Cedric the Entertainer, Philip Ettinger, Victoria Hill
Label/Vertrieb: Amazon Video

Copyright 2019 by Simon Kyprianou

Packshot DVD: © 2018 Universal Pictures UK, Packshot Blu-ray: © 2018 Lions Gate

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Gewinnspiel: 2 x Lord of War – Händler des Todes auf Blu-ray im Mediabook

Verlosung

„Lord of War – Händler des Todes“ gehört zu den Perlen in der an Dutzendware nicht armen Filmografie des Oscar-Preisträgers Nicolas Cage („Leaving Las Vegas – Liebe bis in den Tod“, 1995). FilmConfect Home Entertainment hat Andrew Niccols satirisches Waffenhändler-Drama kürzlich exklusiv für eine Drogeriekette als Blu-ray im Mediabook veröffentlicht. Wer keine Filiale in der Nähe hat, muss nicht verzagen: Das Label hat uns zwei Exemplare zum Verlosen zur Verfügung gestellt. Dafür bedanken wir uns herzlich im Namen der kommenden Gewinnerinnen und Gewinner.

Teilnahmebedingungen

Zwecks Teilnahme am Gewinnspiel begebt Ihr euch zu meiner Rezension des Films und beantwortet dort (also nicht hier unter dem Gewinnspiel) bis Sonntag, 9. September 2018, 22 Uhr, im Kommentarfeld die Frage am Ende des Textes.

Seid Ihr dazu nicht in der Lage, so schreibt das einfach hin. Alle veröffentlichten Antworten landen im Lostopf. Nicht verzweifeln, wenn Ihr euren Kommentar nicht sogleich erblickt – aus Sicherheitsgründen schalten wir ihn erst frei. Das ist aber Formsache.

Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“!

Wollt Ihr kein Gewinnspiel und keine Rezension verpassen? Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“! Entweder dem Blog direkt (in der rechten Menüleiste E-Mail-Adresse eintragen und „Folgen“ anklicken) oder unserer Facebook-Seite.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

Teilnahmeberechtigt sind alle, die eine Versandanschrift innerhalb Deutschlands haben oder bereit sind, die Differenz zum Inlandsporto zu übernehmen. Für Transportverlust übernehme ich keine Haftung (verschicke aber sicher verpackt und korrekt frankiert, bislang sind noch alle Sendungen bei den Empfängern eingetroffen). Gewinnerinnen oder Gewinner, die sich drei Tage nach meiner zweiten Benachrichtigung nicht gemeldet haben, verlieren den Anspruch auf das Mediabook. In dem Fall lose ich unter den leer ausgegangenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen neuen Namen aus.

Autorinnen und Autoren von „Die Nacht der lebenden Texte“ sowie deren und meine Familienmitglieder dürfen leider nicht mitmachen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werde ich im Lauf der Woche nach Ende der Frist bekanntgeben, indem ich diesen Text um einen Absatz ergänze, und sie auch per E-Mail benachrichtigen.

Gewonnen haben

– Claudia Benz,
– Christoph Marek.

Glückwunsch! Ihr werdet benachrichtigt.

Die Rezension von „Lord of War – Händler des Todes“ findet Ihr auch hier.

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

 

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Andrew Niccol (III): Lord of War – Händler des Todes: Waffen machen reich

Lord of War

Von Volker Schönenberger

Drama // Es befinden sich weltweit über 550 Millionen Schusswaffen im Umlauf. Das heißt auf diesem Planeten hat jeder zwölfte Mensch eine Schusswaffe. Das führt zu der einen Frage: Wie bewaffnet man die anderen elf? So fragt es gleich zu Beginn der weltweit tätige Waffenhändler Yuri Orlov (Nicolas Cage), der dabei in die Kamera blickt, zum Kinopublikum spricht und damit die vierte Wand durchbricht. Im Anschluss folgt ein Vorspann, der mich beeindruckt hat wie kaum ein anderer: Zu den Klängen von Buffalo Springfields „For What It’s Worth“ verfolgen wir in First-Person-Perspektive den Weg einer Sturmgewehr-Patrone – von der Munitionsfabrik über den Transport per Schiff bis in den Kopf eines afrikanischen Kindersoldaten.

Yuri Orlov handelt mit tödlicher Ware

Auf sein Leben zurückblickend, berichtet Orlov in der Folge mit Stimme aus dem Off von seinem Werdegang. Aufgewachsen als Kind ukrainischer Einwanderer in der auch als „Little Odessa“ bekannten New Yorker Gemeinde Brighton Beach, erlebt er als junger Mann in einem Restaurant eine Schießerei, die ihn dazu inspiriert, die Menschen mit dem auszurüsten, was sie anscheinend dringend benötigen: Waffen. Yuri fängt klein an und arbeitet sich so kontinuierlich wie unaufhaltsam nach oben. Verbrecher mit ihrer Ausrüstung zu versorgen, reicht ihm bald nicht mehr, er will an die großen Tröge: Staaten, die Kriege führen. Gelegentlich geht ihm sein Bruder Vitaly (Jared Leto) zur Hand – der rutscht allerdings unaufhörlich in die Drogensucht ab.

Auf Einkaufstour in der Ukraine

Ich war ein Händler des Todes, der Chancengleichheit herstellt. Ich habe jede Armee ausgerüstet – außer der Heilsarmee. An solchen ebenso trockenen wie zynischen Sprüchen mangelt es Yuri Orlov nicht. Es ist eben seine Sichtweise auf den kriegerischen Lauf der Welt. Zu Beginn kann er noch nicht mit den großen Tieren wie dem weltweit tätigen Waffenhändler Simeon Weisz (Ian Holm) mithalten, doch als der Eiserne Vorhang fällt und im Ostblock massenweise militärisches Gut vor sich hin rottet, schlägt dank seiner verwandtschaftlichen Bande in die Ukraine und reichlich Bestechungsgeld Yuris Stunde. Allerdings sitzt ihm permanent eine Nemesis in Gestalt des unbestechlichen Jack Valentine (Ethan Hawke) im Nacken. Der Interpol-Agent setzt alles daran, Yuris hochgradig illegale Geschäfte auffliegen zu lassen und ihn hinter Gitter zu bringen. Mehrere Male zieht Yuri nur haarscharf und äußerst spektakulär den Kopf aus der Schlinge, die Valentine bereits zugezogen glaubt.

Bald hat er den Waffenhändler Simeon Weisz (l.) abgehängt …

Mit dem cleveren Science-Fiction-Film „Gattaca“ lieferte Andrew Niccol 1997 sein Drehbuch- und Regiedebüt ab. Nach dem Drehbuch für „Die Truman Show“ (1998) und „S1m0ne“ (2002), bei dem er erneut für Drehbuch und Regie verantwortlich zeichnete, verfilmte er mit „Lord of War – Händler des Todes“ einmal mehr sein eigenes Skript. Bemerkenswert, was für durchdachte und intelligente Unterhaltung man mit Frühwerken bereits abliefern kann. Waffenhandel hat immer Konjunktur, an Aktualität hat das pointierte und satirische Drama nichts eingebüßt. An realen Vorbildern für nur notdürftig als fiktiv kaschierte Figuren mangelt es nicht. So diente der liberianische Diktator Charles Taylor offenkundig als Blaupause für den – jawohl – liberianischen Diktator André Baptiste (Eamonn Walker), der keine Hemmungen hat, Untergebene abzuknallen, und Orlov als Waffenlieferant anheuert.

… und führt ein Leben im Luxus mit einem Top-Model als Ehefrau

„Lord of War – Händler des Todes“ gehört zu den Perlen in Nicolas Cages ausufernder Filmografie, die mit Dutzendware bis hin zu Stinkern leider gut gefüllt ist. Aus Geldnot hat der Gute seit Jahren viele Rollen angenommen und dabei nicht immer ein gutes Händchen gehabt. Immerhin findet sich mittlerweile wieder die eine oder andere feine Nebenrolle. Einen großen und großartigen Film hat Cage schon lange nicht mehr als Hauptdarsteller getragen. „Lord of War“ gehört zu den letzten dieser Art, ist dafür dann aber auch von ganz besonderer Qualität. Ob er sich als A-Liga-Star in Hollywood verbrannt hat? Die Traumfabrik liebt ja Comebacks gestrauchelter Größen, also gibt es auch für Nicolas Cage Hoffnung.

Jack Valentine (l.) von Interpol sitzt Yuri auch in Afrika im Nacken

Filmconfect Home Entertainment hat die Zeichen der Zeit auf dem Sammlermarkt erkannt: Seit Oktober 2017 ist „Lord of War“ in zwei schmucken Steelbooks lieferbar, Ende April 2018 hat das Label ein Mediabook nachgelegt, welches exklusiv bei einer großen Drogeriekette erworben werden kann. Alle drei Varianten stellen ein Repack der 2011 erschienenen Fox-Blu-ray dar, wer diese bereits im Regal stehen hat und auf Sonderverpackungen keinen Wert legt, kann sie also ignorieren – die Editionen sind in erster Linie für Steelbook- und Mediabook-Sammler interessant, von denen es ja eine ganze Menge gibt. Das Booklet des Mediabooks enthält einen interessanten Text des Filmjournalisten Johannes Bluth, der allerdings ein etwas sorgfältigeres Lektorat verdient gehabt hätte.

Auch mit dem grausamen Diktator André Baptiste macht der Waffenhändler gute Geschäfte

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Andrew Niccol sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Nicolas Cage, Ethan Hawke und Jared Leto unter Schauspieler. Welche Filme der drei Schauspieler sind eure Favoriten?

Doch sein Bruder Vitaly (r.) zerbricht an der Belastung

Veröffentlichung: 27. April 2018 als Blu-ray im Mediabook (exklusiv über eine Drogeriekette vertrieben), 27. Oktober 2017 als Blu-ray in zwei verschiedenen Steelbook-Varianten, 4. März 2011 als Blu-ray, 2. Oktober 2006 als DVD

Länge: 122 Min. (Blu-ray), 117 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte
Originaltitel: Lord of War
USA/D/F 2005
Regie: Andrew Niccol
Drehbuch: Andrew Niccol
Besetzung: Nicolas Cage, Ethan Hawke, Jared Leto, Eamonn Walker, Ian Holm, Weston Cage, Jeremy Crutchley, Larissa Bond, Sammi Rotibi, Evgeniy Lazarev, Shake Tukhmanyan, Jean-Pierre Nshanian
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Regisseur Andrew Niccol, entfallene Szenen, Making-of, Ein lukratives Geschäft: Internationaler Waffenhandel, Amnesty International Spot mit Nicolas Cage
Label/Vertrieb Steelbooks & Mediabook: Filmconfect Home Entertainment
Label/Vertrieb Blu-ray & DVD: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

Packshot Steelbooks: © Filmconfect Home Entertainment, Szenenfotos: © Twentieth Century Fox Home Entertainment

 
 

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