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Zimmer 1408 – Stephen King hat’s mit Hotels

22 Apr

1408

Von Volker Schönenberger

Horrordrama // Er ist stets auf der Suche nach einem neuen Ort, an welchem es angeblich spukt, um das Phänomen als harmlos oder Betrug zu entlarven. Mike Enslin (John Cusack) führt ein vermeintlich mondänes, tatsächlich aber sehr einsames Leben, indem er von einem Hotelzimmer ins nächste wechselt, schlecht besuchte Autorenlesungen in Buchhandlungen abhält und versucht, den Tod seiner Tochter und die Trennung von seiner Ehefrau Lily (Mary McCormack) zu vergessen.

Sein neuestes Projekt wird ihn jedoch an seine Grenzen und darüber hinaus führen. Eine anonyme Postkarte lockt ihn ins Dolphin Hotel in New York City, wo es in Zimmer 1408 zu zahlreichen unerklärlichen Todesfällen gekommen ist. Der Hotelmanager Gerald Olin (Samuel L. Jackson) wendet all seine Überredungs- und Bestechungskünste auf, Mike davon abzuhalten, eine Nacht in dem ominösen Raum zu verbringen, doch vergeblich, zumal die Rechtslage dem Hotel verbietet, dem Gast ein nicht vermietetes Zimmer zu verweigern.

Wenn das Radio plötzlich anspringt

Erste unerklärliche Ereignisse lassen nicht lange auf sich warten: Das Radio springt von allein an, das Bett, auf dem sich Mike eben noch gefläzt hat, ist wieder akkurat gemacht, auch die Rolle Toilettenpapier sieht unberührt aus, obwohl Mike gerade erst etwas davon abgerissen hatte. Es bleibt nicht bei solch kleinen Phänomenen …

Hotelmanager Gerald Olin warnt vor Zimmer 1408

Wenig überraschend: Während seiner Begegnung mit dem Grauen von Zimmer 1408 wird Mike auch mit den Dämonen seiner Vergangenheit konfrontiert. John Cusack trägt die Handlung zu weiten Teilen allein auf seinen Schultern. Seit er älter geworden ist und für die Rolle des jugendlich wirkenden Sonnyboys nicht mehr taugt, hat seine Rollenwahl gelegentlich zu wünschen übrig gelassen. Hier jedoch zeigt er, dass er auch andere Charaktere mit Leben erfüllen kann, denn „Zimmer 1408“ ist weit mehr als eine simple Geistergeschichte. Der Spuk führt geradewegs zum Schmerz und zur Trauer, die Mike tief in seinem Innern vergraben glaubt. Samuel L. Jackson und weitere Nebendarsteller haben da zu wenig Leinwand- bzw. Bildschirmzeit, um gegen Cusack bestehen zu können. Die Zuschauerinnen und Zuschauer lernen Mike Enslin gut kennen, das hilft enorm, mit ihm zu bangen.

Vergeblich: Mike Enslin beharrt auf seinem Recht, dort zu nächtigen

Regisseur Mikael Håfström („Escape Plan“) setzt visuelle Spezialeffekte nicht im Übermaß, sondern der Handlung dienend ein. Kubricks „Shining“ bleibt unerreicht, auch wenn Stephen King anderer Meinung sein mag. Aber „Zimmer 1408“ überzeugt doch auch, weil er beängstigende Atmosphäre auch mit kleinen Mitteln erschafft und nicht mit effekthascherischen Monströsitäten.

Quersumme 13

Die Quersumme von 1408 ist 13 – für manche eine Unglückszahl, und sie taucht direkt und indirekt mehrmals im Film auf. So lautet die Anschrift des Dolphin Hotels 2254 Lexington Avenue, die Hausnummer ergibt erneut 13. Der knapp zwölf Minuten längere Director’s Cut bringt gegenüber der Kinofassung mehr charakterliche Tiefe, ein paar modifizierte Szenen und vor allem ein alternatives Ende. Ich empfehle die längere Fassung. Welches Finale man bevorzieht, mag Geschmackssache sein, der Schluss des Director’s Cuts erscheint mir allerdings konsequenter. Über die genauen Unterschiede beider Fassungen gibt der Schnittbericht Aufschluss.

Stephen Kings Kurzgeschichte, auf der der Film basiert, entstammt der erstmals 2002 veröffentlichten Sammlung „Everything’s Eventual“, die hierzulande unter dem Titel „Im Kabinett des Todes“ erschienen ist. Unter den 14 Erzählungen befindet sich auch die 2004 verfilmte „Riding the Bullet“, deutscher Titel: „Achterbahn“. „Zimmer 1408“ erreicht nicht die Qualität der großen Stephen-King-Adaptionen wie „Shining“, „Die Verurteilten“, „Carrie – Des Satans jüngste Tochter“ und „Dead Zone“, schlägt aber eine Vielzahl anderer Verfilmungen von King-Vorlagen um Längen. Gelungener Grusel mit psychologischem Tiefgang.

Das bringt den Schriftsteller an seine Grenzen …

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Stephen-King-Adaptionen sind in unserer Rubrik Filmreihen aufgelistet, Filme mit John Cusack und Samuel L. Jackson in der Rubrik Schauspieler.

… und darüber hinaus

Veröffentlichung: 27. Oktober 2008 als Collector’s Edition Blu-ray, 25. Februar 2008 als 3-Disc Limited Collector’s Edition DVD und DVD im Steelbook

Länge: 112 Min. (Director’s Cut, Blu-ray), 104 Min. (Kinofassung, Blu-ray), 108 Min. (Director’s Cut, DVD), 100 Min. (Kinofassung, DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: 1408
USA 2007
Regie: Mikael Håfström
Drehbuch: Matt Greenberg, Scott Alexander, nach einer Kurzgeschichte von Stephen King
Besetzung: John Cusack, Samuel L. Jackson, Mary McCormack, Walter Lewis, Eric Meyers, Tony Shalhoub, Jasmine Jessica Anthony, Len Cariou, Paul Kasey, Paul Birchard, Margot Leicester
Zusatzmaterial: Audiokommentar (Director’s Cut), 4 Featurettes („Zimmer 1408 – Die Premiere“, „John Cusack in 1408“, „Im Zimmer 1408“, „Die Geheimnisse von 1408“), entfallene Szenen mit Audiokommentar, deutscher Kinotrailer, Trailershow, nur Collector’s Edition DVD: nummerierte große Pappbox mit drei Covermotiven, Postkarte und Poster
Label/Vertrieb: Universum Film

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

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